Luftreiniger

25. Januar 2019 08:28; Akt: 25.01.2019 09:53 Print

Dieses Pflänzli soll für ein gutes Büroklima sorgen

von Dorothea Vollenweider - Der Florist Blume 3000 verkauft neu Büropflanzen, die für ein speziell gutes Raumklima sorgen sollen. Cleveres Marketing oder kühner Bluff?

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Die Pflanzen von Ogreen müssen nachweislich mindestens 10 Quadratmeter Luft reinigen können, bei einer Raumhöhe von 2,5 Meter. Das verspricht der Anbieter. Erhältlich sind Ogreen-Produkte seit letzter Woche in den Shops von Blume 3000. «Die Pflanzen sind speziell fürs Büro geeignet, weil sie wenig Licht und Pflege brauchen aber eine grosse Wirkung haben», sagt Björn Gensler, CEO der Floristenkette. Die Ogreen Produkte reinigen die Luft laut Angaben des Anbieters bis zu 30 Mal effektiver als andere Pflanzen. Und sie reduzieren Schadstoffe wie Formaldehyd, Benzol und Azeton. Doch ist die positive Wirkung der Pflanzen wirklich neu? «Alle Pflanzen wandeln CO2 (Kohlenstoffdioxid) in O2 (Sauerstoff) um, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und können Schadstoffe aus der Luft herausfiltern», sagt Deborah Schäfer, Biologin der Universität Bern. Ist das ganze also nur ein Marketing-Gag? «Positiv formuliert macht das die Firma Ogreen schon ganz geschickt. Sie spricht konsequent Kundenvorteile und auch Probleme an», sagt Brian Rueger, Leiter Institut für Marketing Management der Hochschule ZHAW. Doch dass Ogreen ihre Pflanzen als «Clean Machines» bezeichnet, findet Rueger dann doch etwas dick aufgetragen: «Damit wird hier ein Produkt so positioniert, dass man von einer bewussten Irreführung und Manipulation sprechen könnte.» Wer im Büro mit oder ohne Pflanzen für ein gutes Raumklima sorgen will, für den haben die Umweltwissenschaftler der Universität Zürich folgenden Tipp: Ab und zu das Büro lüften, das bringt mehr für die Senkung der CO2-Werte, und allfällige Raumschadstoffe sind auch weg.

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Sie sollen «Clean Machines» sein – Säuberungsmaschinen also. So bewirbt das Unternehmen Ogreen aus Holland seine kleinen Büropflänzli, die neu in den Schweizer Shops von Blume 3000 verkauft werden. «Sie sind speziell fürs Büro geeignet, weil sie wenig Licht und Pflege brauchen, aber eine grosse Wirkung haben», sagt Björn Gensler, CEO des Blumenfachhändlers. Erhältlich sind sie für rund 20 Franken. Auch Manor will die Pflanzen Anfang April 2019 ins Sortiment aufnehmen.

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An seine Säuberungsmaschinen stellt Ogreen strenge Anforderungen: Die Pflanzen müssen nachweislich mindestens zehn Quadratmeter Luft bei einer Raumhöhe von 2,5 Metern reinigen. Die leistungsstärkste Büropflanze soll sogar 30 Quadratmeter Luft reinigen können.

30-mal effektiver als andere Pflanzen

Die Ogreen-Produkte reinigen die Luft damit laut Angaben des Anbieters bis zu 30-mal effektiver als andere Pflanzen. Und sie reduzieren Schadstoffe wie Formaldehyd, Benzol und Azeton. Um diese positiven Eigenschaften zu beweisen, hat der Anbieter die Pflanzen zertifizieren lassen. «Die Pflanzen werden von Wissenschaftlern des Forschungsinstituts Fytagoras Plant Science getestet», sagt Marije Hoogendoorn von Ogreen.

Doch ist die positive Wirkung der Pflanzen wirklich neu? «Alle Pflanzen wandeln CO2 (Kohlenstoffdioxid) in O2 (Sauerstoff) um, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und können Schadstoffe aus der Luft herausfiltern», sagt Deborah Schäfer, Pflanzenökologin der Universität Bern. «Die von Ogreen angepriesenen Pflanzenarten sind eigentlich klassische Zimmerpflanzen, die schon seit längerer Zeit auf dem Markt sind.» Es handle sich dabei vor allem um Pflanzen aus tropischen Gebieten. Dort wachsen sie im Unterwuchs und sind an lichtarme Bedingungen, wie sie oft im Büro vorherrschen, angepasst.

Cleveres Marketing oder Irreführung?

Ist das Ganze also nur ein Marketing-Gag? «Positiv formuliert macht das die Firma Ogreen schon ganz geschickt. Sie spricht konsequent Kundenvorteile und auch Probleme an», sagt Brian Rueger, Leiter Institut für Marketing Management der Hochschule ZHAW. Doch dass Ogreen ihre Pflanzen als «Clean Machines» bezeichnet, findet Rueger dann doch etwas dick aufgetragen: Denn es handle sich dabei nicht um eine Neuzüchtung oder gar eine künstliche Maschine. Das Unternehmen verkaufe Pflanzen, die sich wie beispielsweise bei den Farnen seit 360 Millionen Jahren kaum verändert haben. «Damit könnte die Positionierung des Produkts für Konsumenten irreführend sein.»

Entscheidend sind am Schluss jedoch die Reaktionen der Konsumenten, so der Marketing-Experten. Und diese hätten bisher gut auf das neue Produkt reagiert, sagt Gensler von Blume 3000. «Die Pflanzen wurden letzte Woche gut verkauft», sagt er zu 20 Minuten. Genaue Zahlen nennt er nicht.

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Wer im Büro mit oder ohne Pflanzen für ein gutes Raumklima sorgen will, für den haben die Umweltwissenschaftler der Universität Zürich folgenden Tipp: Ab und zu das Büro lüften, das bringt mehr für die Senkung der CO2-Werte, und allfällige Raumschadstoffe sind so auch weg.