Teures Accessoire

24. Oktober 2014 11:07; Akt: 24.10.2014 11:12 Print

Diese SBB-Uhr kostet 700'000 Franken

von C. Landolt - Der neue Hauptsitz der SBB in Bern-Wankdorf glänzt mit einer Prachtsarchitektur und einer riesigen Uhr. Für beides griff der Staatskonzern tief in die Tasche.

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Im August wurde der eindrucksvolle, 190 Millionen Franken teure Hauptsitz der SBB neben dem Bahnhof Bern-Wankdorf – «WankdorfCity» genannt – feierlich eingeweiht. Mit viel Brimborium enthüllten der SBB-Chef Andreas Meyer und Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät damals die Uhr, deren Zifferblatt einen Durchmesser von sieben Metern aufweist und damit die grösste Bahnhofsuhr der Welt ist. Die Mega-Uhr sei ein Erkennungszeichen, hiess es. Die Uhr symbolisiere Innovation und Zuverlässigkeit und sei ein unverwechselbares Identitätsmerkmal der SBB und der Schweiz.

Umfrage
Die Mega-Uhr am neuen SBB Hauptsitz in Bern-Wankdorf hat 700'000 Franken gekostet. Die Uhr sei ein künstlerisches Werk und steigere die Attraktivität des neuen Standortes, sagt die SBB. Rechtfertigt das den stolzen Preis?
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Insgesamt 7325 Teilnehmer

Dieses Erkennungszeichen hat seinen Preis, wie die «Handelszeitung» in Erfahrung brachte. Die Uhr kostete die SBB einen Betrag «in der Grössenordnung von 700'000 Franken», wird ein SBB-Sprecher zitiert.

Die Uhr als «Mahnmal»

Andreas Meyer selbst ortet in der Bahnhofsuhr ideologischen Mehrwert. «Sie erinnert uns daran, was der Kern der Eisenbahn ist: Sicherheit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit für unsere Kundinnen und Kunden», wird er auf der Website des Kampagnen-Verantwortlichen John Lay Solutions in Littau zitiert.

Die Mega-Uhr sei, so Meyer, ein Mahnmal, dass bei allem, was wir täglich in diesen Gebäuden, unterwegs oder draussen leisteten, nur das zähle, was bei unseren Kundinnen und Kunden ankomme.

Die Uhr ist auch ein digitales Gadget für die SBB-Mitarbeiter und SBB-Fans. Sie ist programmierbar. Zeiger und Stundenmarker verschieben sich und werden so zu Bildern. Auf der Website www.mitderzeitspielen.ch kann man sich – Registrierung vorausgesetzt – «individuelle Zeitbilder erstellen». Lustige Spielereien gibt es da zu sehen: Da wird aus der überdimensionalen Hilfiker-Uhr eine Fussball-, eine Regenschirm- oder gar Katzenuhr. Am meisten Likes hat ein User, der das Konsolenspiel «Pong» nachgestellt hat.

Die SBB bestätigte 20 Minuten in einer Stellungnahme die Höhe des Betrages. SBB-Sprecher Christian Ginsig teilte auf Anfrage mit: «Die grosse, freistehende Bahnhofsuhr ist Teil der von der SBB im Rahmen von Kunst am Bau realisierten Massnahmen», erklärte er. «Sie ist als das Merkmal des Unternehmens SBB seit Jahrzehnten etabliert und in der Bevölkerung verankert.» Das Zifferblatt mit sieben Metern Durchmesser sei auch von im Zug vorbeifahrenden Kundinnen und Kunden gut erkennbar.

«Absurder» Betrag

Für Michel Rudin, Geschäftsführer des Konsumentforums und Beiratsmitglied der SBB, erscheinen 700'000 Franken für diese Uhr «zu hoch». Die Uhr sehe zwar «extrem gut aus», aber der Konsument habe ja von diesem Kunstwerk nicht allzu viel, erklärt er auf Anfrage. Angesichts der anstehenden Preiserhöhungen sei ein solcher Betrag in der Höhe eines Einfamilienhauses aus Konsumentensicht «absurd». Das Geld würde besser in die Innovation investiert.

Unlängst kündigte die SBB eine Erhöhung der Ticketpreise an. Ab dem 14 Dezember steigen sie um durchschnittlich 2,3 Prozent. ursprünglich waren 2,9 Prozent vorgesehen. Preisüberwacher Stefan Meierhans und der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) haben eine einvernehmlichen Regelung gefunden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Voegeli am 24.10.2014 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Perverser Gigantismus

    Ich schenke den SBB einen Teppich: den können sie unter die Fenster legen wenn sie's Geld rauswerfen... Perverser Gigantismus! Aber andauernd jammern dass kein Geld vorhanden sei.

  • einfacher arbeiter am 24.10.2014 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu Teuer!

    aber wir dürfen nächtes Jahr wieder höhere Preise bezahlen.

  • Beatrice Glanzmann am 24.10.2014 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    UHR SBB

    Was so viel, die ist ja gar nicht aus Gold und besitzt kein Diamant??!!!!! Unglaublich

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 25.10.2014 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Uhr

    Die Anschaffungs- und Unterhaltskosten für die Uhr ist im Verhältnis zum gesamten Aufwand der SBB absolut Peanuts. Ich freue mich jedesmal, wenn ich im Zug sitze und daran vorbeifahre. Und mit der Erhöhung der Ticketpreise hat dies rein gar nichts zu tun. Wer hier so etwas schreibt, der ist an Naivität nicht zu überbieten. Aber eben.. frustrierte Wutbürger sind offensichtlich nicht lernfähig.

    • He Limits am 25.10.2014 23:09 Report Diesen Beitrag melden

      Der Meyer hat sie nicht bezahlt...

      Das Rechnen scheint Dein Ding ja nicht zu sein. Die Bahn hat letztlich nur ein Kässeli. Aber schön, wenn sich wenigstens ein paar Leute daran erfreuen können. Nebenbei könnte auch der Tschäppät wider an einer (Geld-) "Verlochete" dabei sein.

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  • Niemalsmehr am 25.10.2014 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist da, wenn auch nicht das Eigene

    Tschäppät, aber ja doch!

  • Daniel Voegeli am 25.10.2014 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Dekadent

    Grundsätzlich nützt es ja nichts, dass wir uns hier über die Dekadenz der SBB äussern. Nur weiter so...

  • Simu am 25.10.2014 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Symbolik

    Die Uhr ist perfekte Symbolik für Unverhältnissmässigkeit und Verschwendung! Nichts neues dass Sozialdemokraten sowas feiern.

  • Jemmy Mansour am 25.10.2014 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtfertigt

    Diese Uhr wurde von Apple aufgrund eines Rechtsstreits bezahlt und hat nichts mit der aktuellen finanziellen Lage und / oder den völlig gerechtfertigten und korrekten Billetpreisen zutun.