Steile Karriere

18. September 2019 04:37; Akt: 18.09.2019 14:01 Print

Dieser junge Milliardär steckt hinter Wish

von Dominic Benz - Mit Billigwaren zum Milliardär: Peter Szulczewski ist Gründer von Wish und gab bereits den Grossen der Branche einen Korb. Ein Porträt.

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Der Gründer und CEO der Billig-Shopping-App Wish heisst Peter Szulczewski. Sein geschätztes Vermögen beläuft sich auf 1,4 Milliarden Dollar. Vor kurzem hat er im Stadtteil Bel Air in Los Angeles eine Villa für über 15 Millionen Dollar gekauft. Das Haus hat eine Wohnfläche von 1100 Quadratmetern. Grosszügig ist nicht nur das Wohnzimmer. Auch die Aussicht kann sich sehen lassen. Das Anwesen liegt nämlich in den Hügeln, wo sich etliche andere junge Tech-Milliardäre niedergelassen haben. Klar, es gibt natürlich auch eine Sauna im Haus. Und eine grosse Garage für Luxus-Autos. Wish hat sein Hauptquartier mitten in San Francisco in einem Hochhaus im 40. Stock. Szulczewski begann 2004 ein Praktikum bei Google und bekam eine Festanstellung. 2009 verliess er das Unternehmen und gründete 2011 Wish. Die Mitbewerber Alibaba und Amazon wollten Wish für jeweils 10 Milliarden Dollar übernehmen. Die Angebote wurden abgelehnt. «Auf Plattformen wie Wish kommt eine Art Flohmarkteffekt zum Tragen»: Marta Kwiatkowski, Konsum- und Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI). Die Billig-Shopping-App scheint den Nerv der hiesigen Konsumenten zu treffen: Der Umsatz von Wish hat sich seit 2016 in der Schweiz mehr als verdreifacht. Billigprodukte zu Billigpreisen zu verkaufen – das ist die Devise der Shopping-App. Hinter Wish steht ContextLogic, ein US-Unternehmen, das Ware von Drittanbietern verkauft. Der Onlinehandel in der Schweiz boomt: 2018 dürften Lieferanten im Schweizer Güterverkehr auf der Strasse rund 7 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben. Allein der Versandhandel trug laut dem Verband des Schweizerischen Versandhandels mit rund 350 Millionen Kilometern zum Fahraufkommen bei. Laut Schätzungen von Ökonomen der BSS Volkswirtschaftliche Beratung und Verkehrsexperten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften dürfte die Fahrleistung im Güterverkehr mit Nutzfahrzeugen von 2018 bis 2023 um bis zu 90 Millionen gefahrene Kilometer steigen. Die Experten haben untersucht, wie man die Umweltbelastung durch den Versandhandel minimieren kann. Das sind ihre Lösungsansätze. Je mehr auf einmal ausgeliefert wird, desto weniger Fahrten braucht es. Für den Konsumenten heisst das, dass er idealerweise seine Onlinekäufe möglichst auf einmal und beim selben Anbieter tätigen sollte. Die Experten schlagen vor, dass Lieferanten auf ihren Touren kurzzeitig auf dem Trottoir oder an der Bushaltestelle parkieren dürfen: So müsse der Zulieferer nicht dreimal um den Block fahren, bis er einen Parkplatz finde. Es gilt zudem, die Erstzustellung zu verbessern, damit der Lieferant das Päckli weniger oft wieder mitnehmen muss. Das könne etwa mit grösseren Milchkästen oder zentralen Abholzentren bewerkstelligt werden. Insbesondere der Elektroantrieb wird in der Branche als nachhaltigere Alternative zum Verbrennungsmotor gehandelt. DHL etwa liefert Pakete in einigen deutschen Städten bereits heute mit E-Bikes. Würde der Gütertransport per Zug stärker gefördert, wäre es für die Versandhändler naheliegend, auf den Schienentransport zu setzen. Wie die Elektromobilität würde auch dieses Verkehrsmittel dazu beitragen, die Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Zustellung zu erhöhen, so die BSS-Experten.

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Peter Szulczewski hat sich soeben eine Supervilla in Bel Air gekauft, einem Stadtteil von Los Angeles. Für die sieben Schlafzimmer, 1100 Quadratmeter Wohnfläche, den Infinity-Pool mit Spa und das Fitnessstudio soll er über 15 Millionen Dollar hingeblättert haben.

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Szulczewski kann sich den Luxus leisten. Er ist Gründer und CEO von Wish und der Betreiberfirma ContextLogic. Die Shopping-Plattform hat ihn reich gemacht. So reich, dass er sich wie viele andere Tech-Milliardäre in den kalifornischen Hügeln niedergelassen hat und nun von seinem Anwesen aus abends seine Blicke über das Lichtermeer der Millionenmetropole schweifen lassen kann.

1,4 Milliarden Dollar schwer

Den 37-Jährigen zählt das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» zu den reichsten amerikanischen Unternehmern unter 40 und schätzt sein Vermögen auf mindestens 1,4 Milliarden Dollar. An Wish, das vor allem Billigware aus China zum Spottpreis verkauft, besitzt Szulczewski einen Anteil von 18 Prozent. Das Unternehmen wird nach den jüngsten Finanzierungsrunden mit knapp 9 Milliarden Dollar bewertet.

Schnäppchenjäger scheinen auf die billigen Elektronikartikel, trashigen Kleider und den Modeschmuck abzufahren. Allein in der Schweiz hat sich der Umsatz innert drei Jahren verdreifacht. Bei Wish scheint sich derzeit ohnehin vieles in luftigen Höhen zu befinden. So auch das Hauptquartier des boomenden Start-ups.

Büro im 40. Stock

Szulczewski hat sein Unternehmen in einem Hochhaus in der One Sansome Street mitten in San Francisco einquartiert. Der Haupteingang liegt im 40. Stock. Von dort aus haben der gebürtige Pole und seine Wish-Mitarbeiter wortwörtlich den Überblick: Durch die grosszügigen Fenster sieht man in einer Linie etwa das unweit entfernte Hochhaus Transamerica Pyramid, das spitzige Wahrzeichen der Stadt, und die Insel Alcatraz in der Bucht von San Francisco.

Einige Aufenthaltsräume bei Wish sind in hellem Weiss-Grau gehalten. Im eigenen Personalrestaurant oder Foyer dominiert zudem der Industrie-Look: Sichtbare Lüftungsröhren an der Decke, Barhocker aus Alu, helle Lampen. In einigen Räumen sollen laut Berichten Billardtische und DJ-Equipment stehen.

Praktikum bei Google

Bis zu Wish hatte Szulczewski aber einen weiten Weg zu gehen. Der Unternehmer wuchs in einem Stadtteil von Polens Hauptstadt Warschau auf, umgeben von tristen Wohnblocks. Im Alter von elf Jahren wanderte er mit seiner Familie nach Kanada aus und studierte dort Mathematik und Informatik.

2004 kam der entscheidende Schritt: Szulczewski begann ein Praktikum bei Google und bekam eine Festanstellung. Er entwickelte Software und Algorithmen, bis er mit genügend Geld in der Tasche das Unternehmen 2009 verliess. Zu Hause tüftelte er am Computer an seiner eigenen Idee – bis er 2011 mit seinem Studienfreund Danny Zhang Wish gründete.

Börsengang im Visier

Dass Szulczewski sich nicht mit wenig zufrieden gibt, zeigt sein Umgang mit den Grossen der Branche. Sowohl der US-Onlinehändler Amazon als auch der chinesische Konkurrent Alibaba sollen laut Berichten vor ein paar Jahren ein Kaufangebot von jeweils 10 Milliarden Dollar für Wish gemacht haben. Doch Szulczewski winkte ab. Wer ein solches Angebot ablehnt, scheint höhere Sphären im Visier zu haben. Dazu gehört ein Börsengang. Wie Szulczewski in Aussicht gestellt hat, soll dieser in ein bis zwei Jahren erfolgen.

Solche und andere kuriose Dinge findest du in chinesischen Online-Shops:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Discus am 18.09.2019 05:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So macht man heute das grosse Geld

    Wieder einer dieser amerikanischen Emporkömmlinge, die grosses Geld mit uns machen, indem sie denen Ramsch verkaufen, die alles und jedes haben müssen, weil es neu und "in" ist, aber im Grunde keinen bleibenden Wert hat.

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  • Opa Peter am 18.09.2019 04:59 Report Diesen Beitrag melden

    Billig Ramsch pur

    Wish ist aber lediglich eine Plattform, auf der Online-Shops aus aller Welt ihre Produkte verkaufen. Die meisten Anbieter kommen aus China. Wish selbst bietet keine Waren an, sondern tritt nur als Vermittler auf. Die Qualität der günstigen Produkte lässt mitunter zu wünschen übrig, die Versandzeit von ca. 30 Tagen ebenso. Die Bezahlung läuft unter anderem über Sofortüberweisung und Klarna ab. Auch wenn es sich hierbei um seriöse Zahlungsdienstleister handelt, raten wir Ihnen vom Kauf über die Wish-App ab. Denn eine wirkliche Garantie auf Lieferung und Qualität gibt es nicht.

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  • Max am 18.09.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Greta sollte mal nachdenken

    Tja wenn man mit dem Auto nicht mehr zum einkaufen fahren kann, weil keine Parkplätze oder Fahrverbote dann bestellt man alles online. Selber einkaufen kann ich nur einmal pro Woche . Online bestellen jeden Tag. Klickt es jetzt?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SickVale am 18.09.2019 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    er sollte lieber

    mit dem Reichtum dass er hat die Leute zurückzahlen die er über den Tisch gezogen hat ! dann würde ihm nicht viel überbleiben dazu was er den Steuerhinterziehung , würde Ihm nicht viel übrig bleiben ! lass die Finger vom Wish Billigschrott !!!!

  • Eulenspiegel am 18.09.2019 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach!

    Er ist ein Sinnbild, eine Ikone einer völlig verblödenden Konsumgesellschaft. Sein Kontostand verhält sich reziprok zum intellektuellen Niveau seiner Kunden!

  • Airbus A360 am 18.09.2019 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blöde Kommentarleute

    Und an alle, die hier in den Kommentaren über unterbezahlte arbeitskräfte weinen, und dann trotzdem Apple und Nike haben. Denkt doch mal selbst nach, bevor ihr andere verurteilt.

  • baba am 18.09.2019 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    schnelles geld

    das passt ja zur heutigen Zeit, lieber unnötigen Ramsch verkaufen bzw entwickeln um schnell viel Geld zu machen statt etwas wirklich sinnvolles und intelligentes zu machen was der Welt weiterhelfen könnte.

  • reto am 18.09.2019 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrechte

    und Umwelt scheinen da keine Rolle zu spielen.