Traubenernte

02. September 2010 13:29; Akt: 02.09.2010 13:29 Print

Dieses Jahr gibts nur wenig Wein

von Othmar Bamert - Bald beginnt die Weinlese. Die Ernte fällt heuer klein aus, das steht bereits fest. An der Qualität des Schweizer Weins ändert das nichts: Sie nimmt immer mehr zu.

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Weinlese in der Lavaux am Genfersee. (Bild: Keystone)

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Die Schweiz ist eigentlich ein Weinland: Seit über 1000 Jahren keltern die Helvetier Wein. Heute gibt es in jedem Schweizer Kanton Rebberge. Verglichen mit dem Ausland ist die Schweiz allerdings ein Wein-Bonsai. Länder wie Frankreich oder Italien keltern jährlich rund 60 Millionen Hektoliter, die Schweiz dagegen nur gut 1 Million.

Dieses Jahr fällt die Schweizer Ernte noch geringer aus als üblich. «Schuld sind die tiefen Temperaturen im Frühjahr. Sie liessen die Blüten schlecht gedeihen», sagt Ernest Dällenbach, Direktor der Vereinigung Schweizerischer Weinhandel. Ähnlich schlecht prognostiziert Urs Schweingruber von der Grosskellerei Volg in Winterthur die Saison 2010. «Es ist ein relativ schwieriges Jahr», sagt er. Neben der Witterung sei auch die Bekämpfung des Pilzbefalls heuer heikel gewesen. Schweingruber rechnet deshalb vor allem bei den spezielleren Sorten wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc mit tieferen Erträgen. Das glaubt auch der junge Winzer Ralf Oberer aus Meilen, der die Zürcher Gastronomie mit Spezialweinen beliefert. Sogar im sonnigen Wallis spricht man von einer überzogenen Saison. Alain Helmrich, Önologe der St. Jodernkellerei in Visperterminen, die das europaweit höchstgelegene Weingut Heida bewirtschaftet, erwartet «eine um 10 bis 20 Prozent geringere Ernte als letztes Jahr».

«Schweizer Winzer spielen in der Champions League»

Macht ein schlechter Sommer allein schon schlechten Wein? «Nein. Entscheidend für die Qualität des Weins ist neben einer guten Blüteperiode auch ein feuchte Wachstumsperiode im Sommer und eine warme, sonnige Reifeperiode im Herbst», erklärt Önologe Schweingruber. Er hofft jetzt auf einen goldenen September.

Dass es die Schweizer Winzer trotz nicht immer optimalen Bedingungen ihr Handwerk verstehen, zeigen regelmässige internationale Prämierungen und die Tatsache, dass mittlerweile über 90 Prozent der Produktion AOC-zertifiziert sind. «Bei Qualitätsweinen spielen Schweizer Produzenten durchaus in der Champions League», so Schweingruber. «Allmählich wird wahrgenommen, dass die Schweiz nicht nur Käse und Schokolade produziert, sondern auch gute Weine». Winzer Ralf Oberer bestätigt das wachsende Interesse am heimischen Schaffen: «Schweizer Weine laufen immer besser, auch in der Top-Gastronomie».

Schweiz hat keine Wein-Reputation

Trotzdem hinkt die Schweiz bei der Reputation den klassischen Weinnationen wie Frankreich und Italien immer noch meilenweit hinterher. Die Folge: Die hiesigen Edelweine erzielen nicht die hohen Preise von vergleichbaren Tropfen aus französischer oder italienischer Produktion, so Winzer Oberer: «Für Schweizer Edelweine sind 25 bis 35 Franken bereits hohe Preise». Kein Vergleich zu qualitativ ähnlichen, aber viel teureren französischen Tropfen. Qualität lohnt sich hierzulande also noch zuwenig.

An der internationalen Vermarktung des Schweizer Weins beissen sich die Schweizer Produzenten schon seit einiger Zeit die Zähne aus. So ging die 2004 zu diesem Zweck gegründete Swiss Wine Communication AG nach zwei Jahren wieder Konkurs. Die Nachfolgeorganisation Swiss Wine Promotion hat den Exportanteil bis heute ebenfalls nicht erhöhen können. Immer noch gehen nur rund ein Prozent der Schweizer Produktion ins Ausland, wie Thierry Walz von der Swiss Wine Promotion bestätigt. Trotzdem gibt es Licht am Horizont. So finden laut Walz vor allem die teureren Spezialweine den Weg ins Ausland. «Allmählich lernen die Schweizer Winzer, exportorientiert zu produzieren», glaubt er.