Strohfeuer

12. April 2013 14:47; Akt: 12.04.2013 14:47 Print

Digitale Währung Bitcoin weiter im Sturzflug

Die digitale Kunstwährung Bitcoin fällt nach einem wochenlangen Kursanstieg nun immer tiefer. Anfang Woche notierte der Kurs bei 266 Dollar, am Freitag sackte er unter 80 Dollar ab.

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Die digitale Währung Bitcoin gibt es seit vier Jahren. (Bild: Keystone)

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Seit Mittwoch geht der Kurs von Bitcoin nur noch in eine Richtung: abwärts. Als am Freitagvormittag der Handel auf der wichtigsten Online-Börse Mt.Gox nach einer halbtägigen Pause wieder aufgenommen wurde, sackte der Kurs unter 80 Dollar ab.

Bevor am Mittwoch der Absturz einsetzte, war der Bitcoin bis auf den Spitzenwert von 266 Dollar geklettert. Viele Experten hatten schon länger vor einer Spekulationsblase gewarnt - vor einem Jahr notierte die «Hacker-Währung» noch bei 5 Dollar.

Mt. Gox wickelt nach eigenen Angaben den Grossteil des Bitcoin-Handels mit bis zu 80 Prozent ab. Der Kurssturz wurde nach Darstellung der Plattform von einer Panik-Reaktion nach technischen Problemen ausgelöst.

8 Millionen Bitcoin im Umlauf

Die digitale Währung Bitcoin gibt es seit vier Jahren. Neue Bitcoin werden von Computern erzeugt, wobei die «Herstellung» strengen Auflagen unterliegt. Vor Fälschungen wird die Währung durch hochmoderne mathematische Formeln geschützt. Die Geldmenge ist gedeckelt: Aktuell sind rund acht Millionen Bitcoin in Umlauf, die Obergrenze liegt bei 21 Millionen und wird 2032 zu 99 Prozent erreicht sein.

Aus Sicht einiger Volkswirtschaftler besteht das Hauptproblem der Währung darin, dass die Geldmenge nur langsam und in einem vorbestimmten Tempo zunimmt. In diesem Punkt unterscheidet sich Bitcoin von einer herkömmlichen Währung wie dem Dollar. Bei der US-Währung lässt die Zentralbank die Geldmenge etwas schneller wachsen als die Konjunktur. Damit verliert der Dollar jedes Jahr leicht an Wert - das wird als «Inflation» bezeichnet. Das Gegenteil ist Deflation.

Extreme Kursschwankungen

Der Wert der Bitcoin schwankte zuletzt extrem. Lange waren sie fast immer weniger als zehn US-Dollar wert. Anfang Woche raste der Kurs jedoch auf über 260 Dollar - als ein möglicher Grund dafür wird die Schuldenkrise in Zypern genannt. Am Freitag brach der Kurs dann auf unter 80 Dollar ein.

Dahinter stecken Handelsmechanismen: Bei langsam wachsendem Angebot erhöht ein Anstieg der Nachfrage den Kurs. Bei echten Währungen gilt dies als Katastrophe, denn wenn Geld mehr wert ist, tendiert der Mensch dazu, es zu horten - das kühlt die Konjunktur ab. Wenn Investoren wegen kletternder Preise mit einem weiteren Preisanstieg rechnen, kaufen sie nach: Das Geld wird noch teurer. Irgendwann ist der Markt gesättigt. Idealerweise stabilisiert sich dann die Währung auf dem hohen Niveau. Schlimmstenfalls bricht der Kurs ein. Bitcoin hat diesen Zyklus schon einmal durchlaufen. Im Juni 2011 erreichte der Kurs fast 31 Dollar, fünf Monate später lag er noch bei zwei Dollar.

Ähnlich wie Goldstandard

Im Grunde ähnelt Bitcoin dem Goldstandard, dem Währungssystem, das bis zu den 1930er-Jahren in Kraft war. Damals war jede Währungseinheit eine bestimmte Menge Gold wert, was den Regierungen wenig Spielraum zur Erhöhung der im Umlauf befindlichen Geldmenge liess. Heute wird der Goldstandard nirgendwo mehr verwendet. Aber einige halten die Zeit für ein Comeback reif und ihnen gilt Bitcoin als moderne Alternative oder Ergänzung. Dazu zählt auch die Bitcoin Foundation, eine gemeinnützige Organisation, die das System fördern und schützen will.

(whr/sda)