Neue Kryptowährung

29. März 2018 15:57; Akt: 29.03.2018 15:57 Print

Firma lanciert digitalen Schweizer Franken

von Dominic Benz - Hinter dem digitalen Geld steckt eine Berner Firma. Die Schweizer Währungshüter dürften an der neuen Kryptowährung keine Freude haben.

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Die Berner Blockchain-Beratungsfirma Scenic Swisscoast lanciert mit dem digitalen Schweizer Franken eine eigene Kryptowährung. Dabei will sie vom Renommee der Landeswährung profitieren. Das virtuelle Geld kann etwa als Zahlungsmittel für die geleisteten Dienstleistungen der Firma oder für Kinotickets an einem Berner Filmfestival im nächsten Jahr eingesetzt werden.

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Laut der Firma gibt es bei der Kryptowährung kein Wechselkursrisiko. Denn für einen richtigen Schweizer Franken erhält man einen digitalen Schweizer Franken. «Wichtig ist uns vor allem die Preisstabilität, die gab es vor dem privaten digitalen Schweizer Franken noch nicht», sagt Sprecher Toni Caradonna auf Anfrage. So werde ein privater digitaler Schweizer Franken immer mindestens ein Schweizer Franken sein.

Auf dünnem Eis

Die grösste Herausforderung bei der neuen Kryptowährung dürfte aber der Name gewesen sein. Denn wegen der Nähe zur offiziellen Landeswährung bewegt sich die Firma rechtlich auf dünnem Eis. Kein Wunder legt Scenic Swisscoast Wert auf den vollständigen und korrekten Namen: «Wir nennen die Währung nicht Schweizer Franken, sondern private digitale Schweizer Franken», so Caradonna. Die SNB will sich auf Anfrage zur digitalen Währung nicht äussern.

Wohl aus gutem Grund ist die Firma darum bemüht, die Gesetzeslage zu betonen. Für die Ausgabe der privaten digitalen Schweizer Franken – so wie sie die Scenic Swisscoast vorsieht – seien zurzeit gemäss den Gesetzen der Finanzmarktaufsicht keine Bewilligungen erforderlich, erklärt der Sprecher. «Die Ausgabe von Kryptowährungen fällt auch nicht unter das Bargeldmonopol des Bundes. Dieses gilt nur für geprägte Münzen und gedruckte Banknoten, die auf Schweizer Franken lauten.» Bei den privaten digitalen Schweizer Franken handle es sich deshalb weder um ein staatliches noch um ein gesetzliches Zahlungsmittel.

«Viele Kryptowährungen werden verschwinden»

Daniel Diemers, Experte für Kryptowährungen bei PwC Strategy&, bleibt der Name ein Dorn im Auge: «Er sollte sich vom offiziellen, von der Nationalbank herausgegebenen Franken differenzieren, damit hier keine Verwechslungsgefahr besteht.» Zudem müsste der Name in allen Landessprachen verständlich sein.

Letztlich ist die Berner Kryptowährung eine unter vielen. «Dass alle 1,591 heute existierenden in fünf Jahren noch aktiv verwendet werden, ist sehr unwahrscheinlich», sagt Diemers. Hier werde sich eine starke Ausdünnung einstellen. Gleichzeitig würden aber viele neue Währungen entstehen.

«Stutz» oder «Swiss Crypto Franc»

Für spezifische Schweizer Kryptowährungen, die etwa an den Schweizer Franken gekoppelt sind, gibt es laut Diemers schon einige Vorschläge aus der Fintec-Szene und der Krypto-Community. So beispielweise der «Stutz »oder der «Swiss Crypto Franc».

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