Datendieb im Kino

28. April 2010 15:06; Akt: 28.04.2010 15:35 Print

Dokfilm lässt Liechtenstein zittern

von Sandro Spaeth - Nervosität im «Ländle»: Für die Banker, aber auch für Fürst Hans Adam, verspricht der in wenigen Tagen anlaufende Film über den Datendieb nichts Gutes.

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Plötzlich war Heinrich Kieber – als Informatiker einst für LGT Treuhand tätig – weltbekannt. Es ist Februar 2008 und internationale Medien berichten, dass Kieber den deutschen Behörden gegen 4,6 Millionen Euro Daten über Steuerhinterzieher verkaufte. Die Folge: Der damalige deutsche Postchef Klaus Zumwinkel wird wegen Steuerbetrugs verhaftet – und Lichtensteins Finanzplatz wegen dem Skandal in seinen Grundfesten erschüttert.

Kieber als Verrräter

Nun erobert der Liechtensteiner Finanzskandal – der das Steuerparadies erstmals richtig in Verruf brachte – die Grossleinwand. Am 7. Mai feiert der Dokumentarfilm über den Datendieb in Schaan Premiere und sorgt schon jetzt für heftige Diskussionen. Kieber gilt im Ländle als Verräter und Nestbeschmutzer. Er ist sozusagen der Vorkämpfer aller Datendiebe: «Ohne ihn wäre auch das Schweizer Bankgeheimnis nicht so rasch ausgehöhlt worden», sagt Filmautor Sigvard Wohlwend gegenüber 20 Minuten Online. Gemeinsam mit Sebastian Frommelt hat er den Dok-Film «Heinrich Kieber - Datendieb» während der letzten zwei Jahre gedreht. Ob der Film auch im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird, ist noch offen. «Wir werden ihn dem SF auf jeden Fall anbieten», so Wohlwend.

Wurde der Fürst erpresst?

Kiebers Datendiebstahl geht vermutlich aufs Jahr 2002 zurück, denn Anfang 2003 erpresste er mit den bei LGT geklauten Informationen die Liechtensteiner Regierung. Fürst Hans Adam II sollte dem Treuhandangestellten beim Lösen seiner juristischen Probleme helfen, ansonsten wollte Kieber die Daten an ausländische Behörden und Medien weitergeben. Anscheinend hat Hans Adam den Handel ausgeschlagen, worauf der mutmassliche Erpresser mit Deutschland dealte und später im Austausch für Daten auch von den Amerikanern und Engländern Millionen erhielt.

Finanziell hat Kieber bestimmt ausgesorgt, doch sein Leben gleicht einem Versteckspiel. Vom deutschen Geheimdienst mit einer neuen Identität ausgestattet, wird er seit 2008 auf Antrag Lichtensteins international gesucht. In der Fahndungsmeldung steht: «Äussere Erscheinung: gross und kräftig; Erscheinungsbild: kaukasischer Typ. Wo sich sich Kieber aufhält, ist unklar. Allgemein wird vermutet, dass er sich in Australien befindet. Als Vorsichtsmassnahme dürfte der Gesuchte seinen Wohnort aber oft wechseln.

«Über Mittelsmänner hatten wir Kontakt zu Kieber», sagt Wohlwend. Im Film mitmachen wollte der Datendieb – wahrscheinlich aus Angst – aber nicht. «Eventuell dachte er, wir seien Spione», so der Regisseur. Zum Zeitpunkt des Kontakts mit Kieber waren sich die Autoren über dessen Aufenthaltsort ziemlich sicher – wollen aber nichts verraten.

Ärger wegen Staatsgeldern

Im «Ländle» gehen die Wogen wegen des Films hoch. Auch weil die Liechtensteiner Kulturstiftung den Film mit 65 000 Franken unterstützt. Man solle diesem Verräter nicht auch noch ein Denkmal errichten, so eine auf dem Bankenplatz weit verbreitete Meinung. Bei den Politikern ist die Nervosität vor dem Filmstart gross. Zu Unrecht, findet Wohlwend: «Es ist eine Reportage, die den Fall des Bankenplatzes aufarbeitet. Wir wollen aus dem Datendieb keinen Helden machen.»

Zur Uraufführung des Films haben die Autoren alle Beteiligten eingeladen. Nicht aber Staatsoberhaupt Fürst Hans Adam II. «Wir wollten ihn eigentlich im Film interviewen. Er hat aber leider abgesagt», so Wohlwend. Nun sei er halt auch an der Uraufführung nicht dabei.