Engadiner Skimarathon

13. März 2011 10:22; Akt: 14.03.2011 11:39 Print

Doping - Bombengeschäft im Breitensport

von Elisabeth Rizzi - Mit Breitensport machen Dopingdealer das grosse Geld. Aber auch die Pharmabranche profitiert. Schmerzmittel werden bei Hobbyathleten immer beliebter.

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Das anabole Steroid Boldenon wirkt auf die Proteinsynthese im Muskel und steigert so dessen Aufbau. Nebenwirkungen: Von Akne über negative Blutfettwerte bis hin zu Atemnot und vermehrtem Haarwuchs an Beinen und Gesicht. Methandienon ist in der Szene als das «Steroid für Einsteiger» bekannt. Es sorgt für starken Muskelaufbau. Nebenwirkungen (u. a.): Gynäkomastie (Aufbau von Brustgewebe beim Mann). Nandrolon beeinflusst - ähnlich wie Testosteron - die Proteinsynthese und somit den Muskelaufbau. Nebenwirkungen: Leberschäden, Unterdrückung der Spermaproduktion bei Männern, «Vermännlichung» bei Frauen. Stanozolol vermindert den Muskelabbau während Diäten und wirkt entwässernd. Nebenwirkungen: Leberschäden, erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, «Vermännlichung» bei Frauen. Das männliche Sexualhormon Testosteron besitzt eine anabole - also muskelaufbauende Wirkung. Nebenwirkungen (u. a.): Tumorbildung, Herzschädigungen, Verkleinerung der Hoden, Depressionen. Clenbuterol wirkt fettabbauend. Zu den Nebenwirkungen gehören Muskelzittern, erhöhte Körpertemperatur und Kopfschmerzen. Das Schwangerschaftshormon Choriongonadotropin wirkt bei Männern dem Schrumpfen der Hoden entgegen (Anabolika-Nebenwirkung). Unerwünschte Wirkung: Verweiblichung der männlichen Brust, Prostatavergrösserung. Das Schilddrüsen-Medikament Thyroxin wirkt sich positiv auf den Fettstoffwechsel aus. Negativ sind Nebenwirkungen wie Herzrythmusstörungen, übermässiges Schwitzen und Zittern (Tremor). Um den Körper zu entwässern, gehören Diuretika oft zu den Mitteln der Wahl. Die Nebenwirkungen: Sehstörungen, Schwindel, Natriummangel, erhöhte Fett- und Blutzuckerwerte.

Mit diesen Substanzen dopen sich auch Freizeitsportler.

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Am Sonntag war es wieder so weit: Am diesjährigen Engadin Skimarathon klassivizierten sich 10 758 Läuferinnen und Läufer. Und mehr als der eine oder andere Läufer im Feld war wohl gedopt. «Spitzensportler sind für die Doping-Dealer nur ein kleiner Kundenstamm. Das grosse Geld verdienen sie im Breitensport», warnt der Wiener Dopingfahnder Andreas Holzer in den Medien.

In der Tat ist gerade bei Hobby-Sportlern der Ehrgeiz oft ausgeprägter als die physischen Fähigkeiten. So ist etwa das Phänomen der Schummler an Marathons sogar wissenschaftlich erforscht: Der typische Läufer, der sich Inlineskates anschnallt oder jemand anders für sich rennen lässt ist zwischen 40 und 60 Jahre alt - und erfolgreich im Beruf.

Weniger plump, aber ebenso beliebt, sind chemische Helfer, um die eigene Leistung zu steigern. So berichtet Holzer etwa von Hobby-Marathonläufern, die tausende von Euro in Dopingpräparate investierten, nur um von einem Platz über 1000 in die 900er-Ränge vorzustossen.

Bis zu 10 Prozent dopen

«Bei den Spitzensportlern, wo regelmässig Dopingkontrollen stattfinden, werden in rund 1 bis 2 Prozent aller Fälle Dopingsubstanzen nachgewiesen. Der tatsächliche Konsum dürfte aber je nach Sportart bei bis zu 10 Prozent liegen. Man kann davon ausgehen, dass diese Zahl auch für den Breitensport gilt», sagt Martial Saugy, Direktor des Schweizerischen Labors für Dopinganalyse.

Damit meint er nicht bloss die Bodybuilder, die sich in den Fitness-Studios mit Anabolika vollpumpen, sondern auch die Ausdauersportler in der freien Natur; etwa beim Langlaufen. Hier sei Erythropoetin, bekannt unter dem Kürzel EPO, verbreitet, weil es die Zahl der roten Blutkörperchen erhöhe. EPO gilt als Radfahrerdroge. Laut Marktschätzungen verdienten die EPO-Hersteller im letzten Jahr 17 Milliarden Dollar. Und gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO werden bloss 20 bis 30 Prozent des Volumens für therapeutische Zwecke verwendet. Der grosse Rest versickert im Sport als Doping.

Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, vermutet allerdings, dass Anabolika bei Freizeitsportlern weiter verbreitet sind als EPO. Dafür spricht auch die Zollstatistik. 2010 waren Muskelaufbaupräparate die am dritthäufigsten an der Grenze beschlagnahmten illegalen Arzneimittel. Gesamthaft ist die Zahl illegaler Arzneimittelimporte gegenüber dem Vorjahr um 61 Prozent auf 1861 Sendungen gestiegen.

Zunehmende Medikalisierung

Bei Breitensportveranstaltungen wie dem Engadiner Skimarathon sind aber nicht die illegalen Substanzen am meisten verbreitet. «In der Gesellschaft findet eine zunehmende Medikalisierung statt», beobachtet Saugy. Es sei normal geworden, auch vorbeugend Medikamente einzunehmen. Im Breitensport entwickeln sich laut dem Experten vor allem Schmerzmittel zu einem echten Problem. Sie sind zwar legal und somit kein Doping, aber werden oft eingenommen, um während Wettkämpfen weniger zu leiden. «Der Verbrauch von Schmerzmitteln ist unter Breitensportlern schon heute bedeutend höher als in der Gesamtbevölkerung», beobachtet Saugy.

In der Tat zeigte eine Untersuchung von Antidoping Schweiz am Swiss Alpine Marathon, dass rund 12 Prozent aller Teilnehmenden mit Medikamenten unterwegs waren; hauptsächlich mit Schmerzmitteln.

Beim Engadiner Marathon dürften laut Kamber auch Asthmapräparate eine Rolle spielen. «Allerdings», glaubt er, «werden solche Präparate nicht verschrieben, wenn überhaupt kein Leistungsasthma vorhanden ist.»

Umgekehrt dürften diverse Langläufer am Wochenende mit Medikamenten unterwegs gewesen sein, die sie rezeptfrei in der Apotheke oder Drogerie gekauft haben, die aber auf der Dopingliste stehen; beispielsweise das Erkältungsmittel Pretuval.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Natan am 14.03.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverantwortung

    Das hat nichts mit Intelligenz zu tun. Unsere Gesellschaft lernt uns, dass alle simmer schneller und perfekter sein muss um jeden Preis. Ausserdem geht's ja oft auch um viel Geld, da ist sowieso alles erlaubt (siehe Welt). Im Endeffekt sollte es jedem selber überlassen sein was er tun will und was nicht. Auch bei Aufbau- bzw, Dopingmitteln ist es so wie mit Alkohol und vielen anderen Sachen auch, die Dosis macht das Gift. Und das ist so.

  • rolf gerber am 14.03.2011 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    wie bescheuert

    Wie bescheuert muss man denn sein, wenn man seine Gesundheit auf's Spiel setzt...und für was denn überhaupt ?

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  • swisslaw am 14.03.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    nicht ungesetzlich!!!

    Import, Besitz und Konsum von rezeptpflichtigen Medikamenten sind in der Schweiz für den privaten Gebrauch auch ohne Rezept erlaubt. Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte(Heilmittelgesetz, HMG)vom 15. Dezember 2000: Art. 20 Besondere Bestimmungen für die Einfuhr 1 Eingeführt werden dürfen zugelassene oder nicht zulassungspflichtige Arzneimittel. 2 Der Bundesrat kann erlauben, dass nicht zugelassene, verwendungsfertige Arzneimittel in kleinen Mengen eingeführt werden von: a. Einzelpersonen für den Eigengebrauch;

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bret am 15.03.2011 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Nicht ungesetzlich und auch richtig so. Wir haben schon genug Gesetze welche uns dauernd vorschreiben was zu tun ist und was nicht. Selbstverantwortung sollte mal wieder gefördert und nicht wegen ein paar einzelnen Unbelehrbaren eliminiert werden. Aufklärung wäre auch noch so ein Stichwort.

  • swisslaw am 14.03.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    nicht ungesetzlich!!!

    Import, Besitz und Konsum von rezeptpflichtigen Medikamenten sind in der Schweiz für den privaten Gebrauch auch ohne Rezept erlaubt. Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte(Heilmittelgesetz, HMG)vom 15. Dezember 2000: Art. 20 Besondere Bestimmungen für die Einfuhr 1 Eingeführt werden dürfen zugelassene oder nicht zulassungspflichtige Arzneimittel. 2 Der Bundesrat kann erlauben, dass nicht zugelassene, verwendungsfertige Arzneimittel in kleinen Mengen eingeführt werden von: a. Einzelpersonen für den Eigengebrauch;

  • Natan am 14.03.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverantwortung

    Das hat nichts mit Intelligenz zu tun. Unsere Gesellschaft lernt uns, dass alle simmer schneller und perfekter sein muss um jeden Preis. Ausserdem geht's ja oft auch um viel Geld, da ist sowieso alles erlaubt (siehe Welt). Im Endeffekt sollte es jedem selber überlassen sein was er tun will und was nicht. Auch bei Aufbau- bzw, Dopingmitteln ist es so wie mit Alkohol und vielen anderen Sachen auch, die Dosis macht das Gift. Und das ist so.

  • Mr. T am 14.03.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    10% ist viel zu wenig

    «Bei den Spitzensportlern, wo regelmässig Dopingkontrollen stattfinden, werden in rund 1 bis 2 Prozent aller Fälle Dopingsubstanzen nachgewiesen. Der tatsächliche Konsum dürfte aber je nach Sportart bei bis zu 10 Prozent liegen. Man kann davon ausgehen, dass diese Zahl auch für den Breitensport gilt», 10%, ist definitiv zu niedrig angesetzt. Jeder der sich mal ernsthaft mit dem Thema Doping auseinandergesetzt hat weiss, dass es sich wohl eher zwischen 90 u. 100 % bewegt, zumindest im Spitzensport!

  • rolf gerber am 14.03.2011 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    wie bescheuert

    Wie bescheuert muss man denn sein, wenn man seine Gesundheit auf's Spiel setzt...und für was denn überhaupt ?

    • Robert Kapstadt am 14.03.2011 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      Krämpfe

      für älter Hobby Spitzensportler sind alle diese Hilfen unnütz, da ja meistens diese mit Muskelkrämpfe abgestraft werden, da Sie über die körperlichen Muskel Möglichkeiten gehen

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