Mächtig abkassiert

15. Juni 2011 14:55; Akt: 15.06.2011 15:07 Print

Dougan als bestbezahlter Banker Europas

Die Top-Banker reiben sich die Hände: Die Löhne der Chefs der grössten europäischen und US-Banken stiegen 2010 um fast 40 Prozent. Der bestbezahlte Boss in Europa ist CS-Mann Brady Dougan.

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Trotz eines nicht berauschenden Geschäfts haben die Bankchefs 2010 36 Prozent mehr verdient als im Jahr davor. Das geht aus einer Untersuchung der «Financial Times» hervor. Die US-Zeitung hat Gehälter und Boni von 15 Bank-CEOs unter die Lupe genommen. Der Durchschnittslohn belief sich dabei auf 9,9 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Ein Chef eines im US-Börsenindex S&P 500 kotierten Unternehmens verdient im Schnitt nur 9 Millionen Dollar.

Absoluter Spitzenverdiener war 2010 Jamie Dimon, Chef der US-Bank JP Morgan. Er brachte es auf ein Salär von 20,7 Millionen Dollar. Mit diesem Lohn hinkt der Amerikaner aber noch weit hinter seinem früheren Verdienst her: 2006 bezog der Top-Banker einen Jahreslohn von 40 Millionen Dollar.

Der zweite im Ranking der meistverdienenden Bank-Chiefs ist John Stumpf von Wells Fargo. Er bezog zuletzt 17,5 Millionen Dollar. Auf Rang drei folgt Morgan-Stanley-Chef James Gorman, der 14,9 Millionen Dollar einstrich und damit Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein in die Schranken wies. Dieser verdiente «lediglich» 14,1 Millionen. Zum Vergleich: Vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 entlöhnte Goldman-Sachs seinen Chef noch mit sagenhaften 70 Millionen Dollar.

Rang fünf für Dougan, «bescheidener» Grübel

Der am meisten verdienende Chef einer europäischen Bank ist laut «Financial Times» Brady Dougan. Der Amerikaner an der Spitze der Schweizer Grossbank Credit Suisse verdiente im vergangenen Jahr 11,8 Millionen Dollar. Sein Gegenspieler, UBS-CEO Oswald Grübel, schaffte es nicht unter die besten 15. Der Grund: Grübel ging nach 2009 bereits zum zweiten Mal mit «gutem Beispiel» voran und verzichtete auch letztes Jahr auf einen Bonus. Der Deutsche begnügte sich mit einem Fixgehalt von 3 Millionen Franken

Ganz so «bescheiden» wie Grübels Salär im Vergleich zu jenem seinen Konkurrenten auf den ersten Blick aussieht, ist es aber nicht. Weil Grübel als ehemaliger CS-Chef noch Anspruch auf Millionen aus Bonusprogrammen seines vorherigen Arbeitgebers hatte, als er das Steuer der UBS übernahm, ersetzte ihm die UBS den Ausfall mit Optionen in der Höhe von über 13 Millionen Franken. Davon profitiert Grübel noch immer.

Weniger Boni – mehr Fixlohn

Auf Druck von Regulierungsbehörden Politik haben viele Banken ihre Leistungsabhängigen Lohnkomponente verändert. Die Boni sind kleiner als noch vor der Krise, dafür sind die Fixsaläre gestiegen. Zudem werden Bonuszahlungen oft erst nach mehreren Jahren fällig.

Bei einigen Spitzenbankern machen Boni aber immer noch den grössten Teil des Lohnens aus: Von den 14,8 Millionen Dollar Gesamtbezügen des Morgan-Stanley-Chefs James Gorman sind nur 800 000 Dollar Fixlohn. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Brady Dougan. Sein Grundlohn betrug 2010 rund 2,5 Millionen Dollar, sein Bonus – ausbezahlt in Aktien – hingegen 9,3 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Ende 2009 hatte Dougans Bonus aus einem langfristigen Anreizprogramm (Performance Incentive Plan 04/05) noch Aktien im Wert von knapp 18 Millionen Franken kassiert.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wilhelm Tell II am 15.06.2011 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie gewohnt...

    Nichts neues unter der Sonne. Auf dieser "elitären" Ebene geht es nicht mehr um das grössere Haus, den dickeren Wagen etc. wie bei den Normalsterblichen, sondern nur noch darum wer mehr verdient. Alles andere hat man eh schon in mehrfacher Ausführung. Ist nix anderes als ein Wettbewerb auf höherer Ebene und nur all zu menschlich - sprich armselig! "Man nehme" ist die Devise und wenn in den unteren Ebenen Anstand schon als Schwäche gilt, warum sollte es bei denen dort oben anders sein!

  • Franz Kopp am 16.06.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zeichner

    Das ist wie früher bei den Adligen irgendwann werden sie auch bestraft vielleicht mit dem schlimmsten Sie verlieren alles Geld bei einer Weltwirtschaftskrise.

  • N. Wiget am 23.06.2011 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sport- und Popstars

    Und was ist mit den Fussballstars, welche Millionen verdienen, den Tennisstars mit zahlreichen Millionen pro Jahr und all den Popstars? Was tun die für die Volkswirtschaft - nichts. Dies im Gegensatz zu Bankern

Die neusten Leser-Kommentare

  • N. Wiget am 23.06.2011 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sport- und Popstars

    Und was ist mit den Fussballstars, welche Millionen verdienen, den Tennisstars mit zahlreichen Millionen pro Jahr und all den Popstars? Was tun die für die Volkswirtschaft - nichts. Dies im Gegensatz zu Bankern

  • Franz Kopp am 16.06.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zeichner

    Das ist wie früher bei den Adligen irgendwann werden sie auch bestraft vielleicht mit dem schlimmsten Sie verlieren alles Geld bei einer Weltwirtschaftskrise.

  • René Widmer am 16.06.2011 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Genau wie im Sport

    da werden doch im Sport die gleichen und noch höhere Löhne bezahlt, auch wenn ein Spiel verloren wird. Somit est es auch für Banker in Ordnung. Das System sollte doch für alle gleich sein - oder wer verlangt schon eine Lohnkürzung für Herr Federer, wenn er einen Grand Slam verliert?????

  • Wilhelm Tell II am 15.06.2011 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie gewohnt...

    Nichts neues unter der Sonne. Auf dieser "elitären" Ebene geht es nicht mehr um das grössere Haus, den dickeren Wagen etc. wie bei den Normalsterblichen, sondern nur noch darum wer mehr verdient. Alles andere hat man eh schon in mehrfacher Ausführung. Ist nix anderes als ein Wettbewerb auf höherer Ebene und nur all zu menschlich - sprich armselig! "Man nehme" ist die Devise und wenn in den unteren Ebenen Anstand schon als Schwäche gilt, warum sollte es bei denen dort oben anders sein!

  • Joachim Lehmann am 15.06.2011 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vergangenheit / Gegenwart / Zukunft

    Gabs vor kurzem nicht eine Krise, in der der Staat = Bürger = Steuerzahler Banken gerettet hat?! Ach ja, das ist in der Buchhaltung halt schon vorbei. In meinem Kopf/Herz/Gewissen aber noch nicht.