Musik und Filme

23. April 2017 09:14; Akt: 23.04.2017 09:14 Print

Download-Piraterie boomt trotz Spotify und Netflix

von K. Wolfensberger - Ob Spotify oder Netflix, für wenig Geld lassen sich Inhalte heute streamen. Dennoch bleiben illegale Downloads weit verbreitet, wie eine Studie zeigt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Musik-Industrie ist im Niedergang, die illegale Weiterverbreitung von Songs im Internet hat der Branche die Gewinne wegbrechen lassen. Eine Trendwende versprach sich die Industrie vom Aufkommen von Streaming-Diensten wie Apple Music oder Spotify. Gleiches gilt auch für die Filmbranche, sie hoffte auf einen Aufschwung dank Portalen wie Netflix.

Umfrage
Nutzen Sie nur legale Streaming- und Download-Angebote?
59 %
32 %
9 %
Insgesamt 2488 Teilnehmer

Dieser ist tatsächlich eingetreten. Allerdings viel weniger stark als erhofft, wie Auswertungen des Portals Statista zeigen. In der Analyse werden Daten aus 13 verschiedenen Ländern betrachtet, darunter Deutschland, Frankreich oder die USA. Das Resultat: Nach wie vor nutzt ein Drittel der Befragten online Angebote, die gegen Markenrechte der Musik- oder Filmindustrie verstossen.

Hoher Anteil bei Jugendlichen

Besonders hoch ist dieser Anteil bei Konsumenten zwischen 16 und 24 Jahren. 55 Prozent dieser Altersgruppe nutzen illegale Angebote im Netz. Bei den 15- bis 34-Jährigen waren es 45 Prozent. Im Gegensatz dazu sind es bei den 55- bis 64-Jährigen nur 20 Prozent (siehe Grafik).

Für die Schweiz wurden keine Daten erhoben. Doch dürften die Werte hier eher noch höher liegen. Im Gegensatz zum Ausland ist das Streamen oder der Download von Musik oder Filmen für den Privatgebrauch nämlich nicht verboten – auch wenn er beispielsweise von der Plattform The Pirate Bay stammt.

Beliebt ist vor allem Streamripping

Das Portal gehört selbst aber auch zu den Verlierern, denn das Runterladen von Dateien über klassische Peer-to-Peer-Plattformen im Internet nimmt ab. Deutlich verbreiteter ist inzwischen auch bei der Piraterie sogenanntes Streamripping.

Bei diesem Prozess lassen Nutzer ein File von einer Streaming- oder Video-Plattform direkt in eine Datei umwandeln. Beispiele für diese Praxis sind Websites, die helfen, ein Youtube-Video in eine MP3-Datei zu konvertieren.

Auch für Youtube ist diese neue Praxis ein Ärgernis. Wie eine US-Umfrage zeigt, nutzen 82 Prozent der Youtube-Nutzer die Plattform, um Musik zu hören. Viele davon nutzen dabei auch Streamripping und verstossen so oft gegen Markenrechte.

Preis für Jugendliche hoch

Doch wieso bleiben Downloads trotz günstiger Angebote wie Netflix überhaupt beliebt? Laut Experten spielt gerade bei Jugendlichen der Preis weiter eine Rolle. Für einen 16-Jährigen sind 15 Franken pro Monat für ein Netflix-Abo viel Geld.

Im Filmbereich spielt auch die zeitliche Verfügbarkeit der legalen Angebote eine Rolle. Wird eine neue Episode einer Serie in den USA ausgestrahlt, ist diese oft auf der Schweizer Netflix-Site noch nicht erhältlich. Serienjunkies greifen dann auf Downloads zurück, um auf dem neusten Stand zu bleiben.

Eine moralische Frage

Wie Florence Clerc, die Geschäftsführerin von Stop Piracy Schweiz, zu 20 Minuten sagt, gibt es diesbezüglich bei Schweizern auch kaum oder nur wenig Unrechtsbewusstsein. Laut Studien glaubt die Hälfte von ihnen, sie würden keinen Schaden anrichten, wenn sie gelegentlich Inhalte aus dem Netz herunterladen.

Diesem Problem solle man am besten mit verstärkter Aufklärung begegnen, so Clerc weiter. Man müsse den Nutzern klarmachen, dass die Piraterie für die Künstler finanzielle Einbussen bedeutet. «Man bedient sich ihrer Werke, ohne sie für die Arbeit zu entschädigen.» Und weiter: «Ob dieses Verhalten gegenüber den Künstlern fair ist, ist keine rechtliche, sondern eine moralische Frage, die jeder Nutzer für sich selbst beantworten muss.»

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Kinogänger am 23.04.2017 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Unvernünftige Preise

    Ich war letzte Woche im Kino. 24 Franken pro Ticket plus 3 für die 3d Brille und 9 fürs Popcorn. Da verwundert es wohl kaum noch.

    einklappen einklappen
  • Chris am 23.04.2017 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir bezahlen

    Wir bezahlen dafür Suisa-Gebühren!

    einklappen einklappen
  • urs gritter am 23.04.2017 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Legal in der Schweiz

    Was für Illegale Downloads in der Schweiz darf man für den Privatgebrauch herunterladen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Enzo am 24.04.2017 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Masslose Preise für Kino und Konsum

    War vor ein paar Monaten wieder mal mit meiner Frau im Kino, man möchte sich ja mal was zusammen gönnen. Kostenpunkt: - 45 CHF für das Kindermädchen - 15 CHF für zwei Gläser Wein - 2x18 CHF für Kinotickets - 25 CHF für ein Popcorn, ein Pack M&M und 2x 3dl Coke Alles zusammen 121 CHF. Die Kino-Bar und das Kino waren fast leer, Kino-Feeling kam darum keins auf. Da bleiben wir lieber zu Hause, Streamen und freuen uns über das Microwellen-Popcorn für ein paar wenige Franken :-)

  • coyote am 24.04.2017 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Überall abkassieren

    Mit der Billag Gebühr dürfte wohl sämtlicher Schaden beglichen sein den ich anrichte. Ich schaue nie Fernsehen und höre nie Radio, dafür lade ich alles runter. Ist zwar nicht korrekt das die das Geld kriegen, aber der Staat macht es eben vor. Jeder muss für sich selbst schauen - sonst schaut man in die Röhre. Wer zu ehrlich ist, wird noch mehr abgezockt.

  • Bürger am 24.04.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Netflix, yay

    zumindest das "Offizielle" CH-Netflix ist sowas von uninteressant. Für Musik bezahlen? Wieso? Die heutige Musik hat mit "echter" Musik nichts mehr zu tun. Autotune und 0815 Beats, nichts richtiges mehr. Die grossen Firmen machens vor, man kann klauen wie man will, so lange man sich nicht erwischen lässt. Wieso sollten wir es also nicht gleich tun?

  • Negan am 24.04.2017 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstig?

    20 CHF für ein HD-Netflixabo, dazu noch die 13 CHF für Spotify Premium. Macht sicher allein für das 33CHF im Monat und 396CHF im Jahr. Zudem ist unser Netflixangebot sehr mässig gehalten. Adblocker, grenzlegale Streamseiten und übriges Gschmaus lässt einem immerhin die Wahl.

  • Chrisi am 24.04.2017 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Piraten bieten besseren Service

    Bei den Streamingdiensten muss man einfach zu lange auf aktuelles Material warten. Wir leben in einer Welt, in der man dem Kunden nicht mehr erklären kann, dass man ihm den einfachsten und schnellsten Zugang zu einem Konsumgut verwehrt, weil man über andere Absatzkanäle mehr verdienen kann. Man muss Lösungen finden, wie man Geld verdient UND schnell ist (vor allem bei einem Konsumgut, dass im digitalen Zeitalter problemlos vervielfältigt und um die ganze Welt geschickt werden kann). Zudem müssen die Unternehmen / Personen welche das Urheberrecht besitzen, ihre Produkte flexibler handeln.