Sexismus-Vorwurf

07. Juni 2018 09:35; Akt: 07.06.2018 12:35 Print

Dr. Oetker holt Frauenbild aus den 50ern zurück

«Back deinen Mann glücklich», mit diesem Slogan wollte Dr. Oetker eine schöne WM-Kampagne fahren. Stattdessen verärgerte er Kundinnen.

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Mit diesem Werbesujet will Dr. Oetker in der Schweiz Frauen für das Backen begeistern. Der Versuch ging nach hinten los. In den sozialen Medien wurde die Werbung von vielen Frauen kritisiert. Das Sujet zementiere alte Rollenbilder. Dr. Oetker warb bereits in den 50er-Jahren mit Frauen, deren einzige Sorge die Zufriedenstellung ihres Ehemannes war. In diesem Spot von 1954 kommentiert die Off-Stimme: «Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?». Hat Dr. Oetker den kontroversen Back-Werbespot absichtlich lanciert, um Aufmerksamkeit zu erregen? «Wir können das ganz klar verneinen», so die Sprecherin. «Wir freuen uns darüber, wenn der Mann die Frau glücklich backt, der Enkel den Opa oder die Schwester den Bruder», heisst es bei der Firma. Aus diesem Grund seien in der Kampagne auch unterschiedlichste Menschen zu unterschiedlichsten Gelegenheiten zu sehen. In der Vergangenheit beurteilte die Schweizerische Lauterkeitskommission folgende Werbesujets als sexistisch beziehungsweise nicht sexistisch: Das Décolleté dient ausschliesslich als Blickfänger. Zwischen dem gezeigten Ausschnitt und dem beworbenen Fitnesscenter besteht gemäss der Lauterkeitskommission kein natürlicher Zusammenhang. Die Lauterkeitskommission begründet dies mit dem fehlenden Zusammenhang zwischen der eigentlich beworbenen Spielkonsole und dem in der Werbung gezeigten Frauenkörper. Der Frauenkörper werde als reines Objekt der Begierde dargestellt und zum Konsumgut degradiert. : Das Wortspiel «Dur ou mou» ziele klar auf die Biskuits, so die Kommission. Der Mann sei für den Durchschnittskonsumenten nicht stereotyp dargestellt oder zum Sexsymbol reduziert. Es sei für Landwirte nicht unüblich, mit nacktem Oberkörper zu arbeiten. Erotik-Werbung Showtime: Das gezeigte Model erwecke nicht den Eindruck, nicht volljährig zu sein. Zudem sei es stehend gezeigt «ohne direkte Bezugnahme auf den Geschlechtsakt». Unterwerfung vermag die Lauterkeitskommission nicht zu erkennen. Zudem bestehe zwischen der Werbung und der angepriesenen Dienstleistung ein klarer und offensichtlicher Zusammenhang. : Die Frau ist nicht nur vollständig bekleidet, sondern wirke auch «stark und selbstsicher». Halb liegend, halb sitzend, bilde sie mit dem beworbenen Sofa einen «natürlichen Zusammenhang», befand die Lauterkeitskommission. Die «Verführung» beziehe sich auf den Sonderpreis fürs Produkt. Die Geschichte in dem TV-Spot wird gemäss Lauterkeitskommission erkennbar übertrieben erzählt: Die Frau sei dank dem beworbenen Deo stressresistenter als der Mann und schwitze weniger.

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«Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?» Solche Sätze fallen in Werbespots, die Dr. Oetker in den 50er-Jahren im Fernsehen ausstrahlte und sich heutzutage im Internet grosser Beliebtheit erfreuen, weil ihr Frauenbild so angestaubt ist, dass es für Lacher sorgt.

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Der deutsche Backwaren-Konzern scheint das anders zu sehen. In einer aktuellen Schweizer Werbekampagne wirbt er anlässlich der Fussball-WM mit dem Bild einer Frau und dem Slogan «Back deinen Mann glücklich».

Dieses Werbesujet verärgert viele Kundinnen. Auf Twitter und Facebook haben viele Frauen, darunter mehrere Schweizer Politikerinnen, ihrem Frust Luft gemacht:


Dr. Oetker Schweiz sagt auf Anfrage von 20 Minuten, dass die Firma trotz der negativen Rückmeldungen zu 100 Prozent hinter dem Sujet stehe. Eine Sprecherin schreibt per E-Mail: «Die Kampagne Love Cake inklusive des aktuell öffentlich diskutierten Fussballmotivs wurde von einem Team ausschliesslich aus modernen Frauen und teilweise auch Teilzeit arbeitenden Müttern entwickelt. Wir haben das Fussballmotiv jedoch offensichtlich nicht auf diese Weise interpretiert, sondern verstehen es auch mit einer gewissen Ironie.»

Hat Dr. Oetker den kontroversen Back-Werbespot absichtlich lanciert, um Aufmerksamkeit zu erregen? «Wir können das ganz klar verneinen», so die Sprecherin. Die Love-Cake-Kampagne habe man gemeinsam mit der Agentur Erdmann Peisker erarbeitet mit dem Ziel, die Schweizer zum Backen zu animieren. «Wir freuen uns darüber, wenn der Mann die Frau glücklich backt, der Enkel den Opa oder die Schwester den Bruder», heisst es bei der Firma. Aus diesem Grund seien in der Kampagne auch unterschiedlichste Menschen zu unterschiedlichsten Gelegenheiten zu sehen.

Dr. Oetker witzelt oft im Netz

Dr. Oetker ist bekannt dafür, kontroverse Themen aufzugreifen, insbesondere online. Als etwa Anfang Jahr der Hashtag #DeleteFacebook auf Twitter abging, schrieb das Unternehmen auf der Plattform: «Für 1.000 Retweets löschen wir unsere Facebook-Seite. Ganz bestimmt.» Auch damals hiess es seitens des Unternehmens, dass das nur als Scherz gemeint sei.

Im Januar machte Dr. Oetker Pizza Deutschland auf Twitter auf sich aufmerksam, weil das Unternehmen auf einen unhöflichen Tweet eine schnippische Antwort schrieb, über die sich viele Nutzer amüsierten:



(vay/rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 07.06.2018 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht

    Hört auf mit diesem Zeugs, dieser übertriebene Feminismus NERVT

    einklappen einklappen
  • HeS am 07.06.2018 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lächeln

    sehr schlimm alle regen sich auf nehmt es mit einem lächeln.

  • Meischter Propper am 07.06.2018 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nimmt das noch jemand ernst?

    Wir im Geschäft lachen darüber. Gestern stand ich neben meinem Arbeitskollegen und meinte: "Dein Hemd ist viel weisser als meins. Ich glaube unsere Frauen müssen mal zusammensitzen." Wir waschen beide selbst, geniessen es aber frustrierte Social Justice Warriors auf die Palme zu bringen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bildung Ist Modern am 07.06.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Definition nötig

    Die Argumentation macht das ganze erst anstössig: Kann mir jemand erklären, was man genau unter einem Team von modernen Frauen verstehen muss? Wäre der Sexismus-Vorwurf legitimer, wenn die Kampagne von altmodischen Frauen lanciert worden wäre?

  • Rona am 07.06.2018 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich träume von

    einer Welt in der sich Menschen eine Meinung bilden dürfen, Ideen haben dürfen, leben dürfen wie es ihnen gefällt ohne dass gleich darüber diskutiert wird was da falsch ist und warum das nicht gut ist. Wenn Weibchen oder sich Männchen dem Partner gerne Kuchen bäckt ist das ok. Wenn Männchen (oder auch Weibchen) gerne Fussball guckt ist das ok. Wenn Fussball mit Kuchen essen kombiniert wird ist das auch ok - weil es ist der Wille in der Wunsch eines jeden. Was diskutieren Selbsternannte Weltretter darüber was gut für die Andern ist? Schaut für euch selbst und seit glücklich. Ich habe fertig.

  • Flash am 07.06.2018 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider Wahr

    Feminismus ist das Gift für s Zusammen Leben

  • Burton1224 am 07.06.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freude am Leben?

    Sowas nennt sich mit Klisches spielen und hat nichts mit Sexismus zutun. Schon traurig sowas nennt man heute Sexismus zur Zeit auf die man mit dem Werbespot andeutet wäre Sexistisch gewesen wenn Frauen so viel zeigen wie heute...Zeiten ändern sich aber überall immer alles ins Negative drehen geht echt langsam zuweit. Erfreut euch dich an Abwechslung und malt nicht überall den Teufel an die Wand....

  • Sandra am 07.06.2018 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück

    Die Werbung ist harmlos. Allerdings sind einige Kommentare hier erschreckend. Ich merke wieder, was für ein Glück ich hatte, in einer Umgebung aufzuwachsen und nun noch immer zu leben, wo das biologische Geschlecht keine Rolle spielt.