Boeing vs. Airbus

04. September 2009 19:42; Akt: 04.09.2009 20:10 Print

Dreissigjähriger Krieg um Subventionen

Seit Jahrzehnten beschuldigen sich die Flugzeugbauer Boeing und Airbus der Wettbewerbsverzerrung aufgrund «unfairer» Staatshilfen. Nun spielt die Welthandelsorganisation (WTO) den Schiedsrichter. Gerüchten zufolge bahnt sich ein Urteil gegen die Europäer an.

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Der Streit zwischen den beiden grössten Flugzeugbauern der Welt beschäftigt die Wirtschaft seit 30 Jahren. Hintergrund des aktuellen Streits ist ein Handelsabkommen zwischen den USA und der EU aus dem Jahre 1992. Darin wird Airbus zugestanden, für die Entwicklung neuer Flugzeugmodelle auf günstige Darlehen von europäischen Staaten zurückgreifen zu dürfen. Beim US-Konkurrenten kommt dies nicht gut an. Bereits 2004 polterte der damalige Boeing-Chef: «Ich will nicht aufwachen und erfahren, dass Airbus mit Staatshilfen ein neues Flugzeug baut.»

Von 15 auf 56 Prozent

Konkret wirft die US Regierung Airbus vor, der Konzern hätte seitens der EU-Staaten illegale Unterstützung von 15 Milliarden Dollar erhalten. Nur auf diese Weise sei es den Europäern gelungen, ihren Marktanteil von 15 Prozent im Jahr 1990 auf 56 Prozent im Jahr 2008 zu steigern. Diese Vorwürfe liessen die Europäer aber nicht auf sich sitzen und konterten mit einer Gegenklage: Den USA werden illegale Subventionen an Boeing vorgeworfen. Angeblich sollen bis ins Jahr 2024 Unterstützungsgelder in der Höhe von 24 Milliarden Dollar fliessen.

Fachleute plädieren für Einigung

Wenn die WTO ein Urteil fällt, geht es zunächst nur um den Airbus-Fall. Über die Subventionen für Boeing wird erst in einem halben Jahr entschieden. Laut dem «Wall Street Journal »wird die WTO in ihrem vorläufigen Urteil vermutlich feststellen, dass europäische Regierungen Airbus-Maschinen illegal subventioniert haben. Fachleute schätzen jedoch, dass eine Einigung für beide Seiten das Beste wäre. Falls die WTO künftig den Verzicht auf staatliche Darlehen beschliesst, würden beide Flugzeugbauer viel Geld verlieren und die Planung neuer Flugzeuge würde unsicherer. Öffentlich gemacht wird die Entscheidung des WTO-Schiedsgerichts aber nicht, doch ist davon auszugehen, dass Details dennoch durchsickern werden.

Konkurrenz aus Asien

Während sich Boeing und Airbus um Staatshilfen streiten, setzen die Hersteller aus China, Russland und Japan dazu an, ins Geschäft mit den Grossraumflugzeugen einzudringen. Russland hat bereits einen über 100-plätzigen Jet vorgestellt und auch die Konkurrenz aus Asien schläft nicht. Chinas Führung wollte es nicht mehr länger hinnehmen, dass die Airlines nur amerikanische und europäische Flugzeuge kaufen und baute eine eigene Luftfahrtindustrie auf. Möglicherweise wird der Streit zwischen Boeing und Airbus erst beigelegt, wenn China mit einem eigenen Grossraumjet den Markt aufmischt.

(sas/scc)