Flashmob Barbezug

01. Dezember 2010 09:28; Akt: 01.12.2010 10:53 Print

Droht am 7. Dezember ein Bankencrash?

von Werner Grundlehner - Ex-Fussballgott Eric Cantona ruft weltweit dazu auf, das Geld gleichzeitig bei der Bank abzuheben. Das kann gefährlich werden.

Eric Cantona ruft zur kollektiven Kontoauflösung auf.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Bilder sind noch in den Köpfen der Bankkunden. Schlangen von verzweifelten Kleinsparern vor den verriegelten Türen der Spar- und Leihkasse Thun oder jenen der britischen Hypothekarsparkasse Northern Rock. Die Institute konnten die Guthaben ihrer Kunden nicht mehr zurückzahlen. «Es ist das Wesen unseres Banksystems, dass es potentiell illiquid ist», erklärt Bankenexperte Hans Geiger. Die Banktresore sind meist recht leer. Das kommt so: Wenn die Bank eine Einlage von 1000 Franken erhält, behält sie einen Reservesatz ein und leiht den Grossteil des Geldes wieder aus. Schliesslich wird die Ersparnis eines Bankkunden mehrfach ausgeliehen. Bankenprofessor Martin Janssen erklärt: «Die Banken leihen kurzfristige Einlagen, die sie zu tieferen Sätzen verzinsen, als längerfristige Darlehen, zu höheren Sätzen aus. Das ist Teil des Geschäftsmodells.»

Umfrage
Werden Sie dem Aufruf, am 7. Dezember alles Geld von der Bank abzuheben, folgen?
22 %
78 %
Insgesamt 3618 Teilnehmer

Diesen Umstand wollen der Franzose Eric Cantona und seine Mitaktivisten ausnützen. Am 7. Dezember sollen alle Europäer ihr Geld abheben. «Wenn 20 Millionen Menschen gleichzeitig ihr Geld von der Bank abheben, bricht das System zusammen», verkündet der ehemalige Stürmer von Manchester United in einem Internetvideo auf bankrun2010.com.

Teufelskreis in Gang setzen

Man müsse nicht auf die Strasse gehen und keine Waffe zur Hand nehmen, um das korrupte System zu bekämpfen. «Die Revolution läuft über die Banken», sagt der 44-jährige Ex-Fussballprofi, der auf dem Feld nicht als Ausbund an Fairplay galt. Gefährlich wäre so ein «Bankrun», wenn die Banken mehrstellige Millionenbeträge auf einen Schlag ausbezahlen müssten. Falls die Institute die Schalter mangels liquider Mittel schliessen würden, könnte ein Misstrauens-Teufelskreis in Gang kommen.

Nicht alle Bankguthaben sind frei

So einfach gehe es dann doch nicht, wendet Geiger ein: «Es geht auch darum, ob der Kunde überhaupt das Recht hat, sein gesamtes Geld zurückzuziehen.» Denn Sparhefte haben beispielsweise eine Rückzugslimite von 10 000 Franken, bei Konten ist diese meist höher. Termingelder auf 3 Monate können erst nach Ablauf dieses Termins abgezogen werden, das gleiche gilt für Kassenobligationen – ausser man findet einen Käufer. «Es ist rein ablauf-technisch nicht möglich, dass eine Million Kunden am gleiche Tag an den UBS-Schaltern ihr Geld abhebt», so Janssen. Die Banknoten könnten auch nicht ausgehen, die Nationalbank horte «tonnenweise» davon.

Janssen führt zudem das zweistufige Bankensystem ins Feld. Auf der ersten Stufe sind die Geschäftsbanken, auf der zweiten Stufe die Nationalbank. «Jede Bank kann unter Umständen illiquid werden, aber die SNB würde sie mit Liquidität versorgen, bis sie es nicht mehr wäre.» Voraussetzung dafür sei, dass die Bank nicht überschuldet sei: Die Aktiven in der Bilanz müssen die Passiven übertreffen. Der Bankprofessor hält fest, dass bei der Spar- und Leihkasse Thun niemand Geld verloren habe. Es habe aber teilweise fünf Jahre gedauert, bis die Einlagen zurückkamen, da Vermögenswerte wie Immobilien zuerst verkauft werden mussten. «Bisherige Bankpleiten wurden durch andere Banken, institutionelle Anleger und Hedge Funds ausgelöst, die ihr Geld abzogen – und nicht durch Privatkunden», erinnert Geiger. Die Schlange der Kleinsparer vor den Banken war meist erst die zweite Konsequenz.

Mobilisation über Facebook

Dass die Banken nicht ganz entspannt sind, zeigt die Umfrage von 20 Minuten Online. Die Devise war «nur nicht in den Fokus geraten», deshalb will auch kein Institut namentlich erwähnt werden. Alle verweisen auf die Rückzugslimiten auf den einzelnen Konten und darauf, dass ein sorgfältiges Risk- und Krisenmanagement bestehe, die Details seien indes geheim. Martin Janssen findet die Aktion des französischen Fussballers unverantwortlich. Es sei durchaus möglich, dass so ein «Drama» ausgelöst werde.

Hans Geiger erinnert daran: «Fussballer sind nicht unbedingt bekannt dafür, auch Finanzexperten zu sein.» Die Frage sei erlaubt, ob Herr Cantona seine Millionen, die er mit Fussball, Nike-Spots und zuletzt Film-Engagements gescheffelt hat, unter seiner Matratze versteckt habe. So kommentierte denn auch der österreichische Ökonom Gerhard Rünstler die Aktion folgendermassen: «Wirkungsvoll kann eine derartige Aktion schon sein, ob sie klug ist, ist die andere Frage.»

Millionen von Bankkunden konnte der französische Ex-Profi noch nicht mobilisieren. Facebook-Gruppen bestehen jedoch bereits in 23 Ländern. Auf jeder einzelnen Seite haben hunderte bis Tausende von Usern ihre Teilnahme am Flashmob am 7. Dezember zugesichert. Und wieso gerade dieses Datum? – «Damit noch Gehälter und Arbeitslosengelder auf die Konten fliessen sowie allfällige Mieten bezahlt werden können», schreibt die Belgierin Géraldine Feuillien, die Betreiberin von bankrun2010.com. Doch einen Masterplan für die Zeit nach einem möglichen Bankenkollaps bleibt die Seite schuldig.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark_o_Polo am 01.12.2010 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Fiat money vs Sound money

    Die Betrügereien der Banken sind durch die Politiker legalisiert worden und werden durch die Zentralbanken unterstützt. Die dadurch vollzogene Umverteilung zugunsten der Banker, zulasten der Steuerzahler und Sparer wird bald offensichtlich. Lange kann es nicht mehr gut gehen, dann sind die Fiat-Währungen nichts mehr Wert. Die Aktion ist trotzdem dumm und nur zur Hälfte vollzogen: 1.Wenn man sowas ankündigt liegen bestimmt genug Papierfötzeli zur Auszahlung bereit. 2. Mit dem Geldabheben ist es nicht getan, das Geld muss dem System entzogen werden, durch Kauf von Gold und Silber

    einklappen einklappen
  • claudio am 01.12.2010 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Marktschreier in der Redaktion

    Der gute Mann sagt nur, dass das System zusammenbrechen werde, wenn das getan wird; NICHT dass man es tun soll! Das ist die Interpretation verschiedener Gruppen und Medien!

  • robin am 01.12.2010 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    lachhaft

    "Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit." - Albert Einstein

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ohne am 09.12.2010 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne2

    "Es geht uns vielzu gut - das muß doch ´mal ein Ende haben!?" Unsinn - weshalb soll es ein Ende haben, daß es einem Menschen zu gut geht?

  • Der Da am 09.12.2010 03:10 Report Diesen Beitrag melden

    ????

    Wie mach ich es wenn ich im Soll bin? Gleiche ich mein Konto dann aus?

  • Gix Gax am 09.12.2010 03:00 Report Diesen Beitrag melden

    ohne

    Es ist der 9. Dezember. Banken nicht gecrasht. Außerdem ist das Unsinn - ein reines Buchwertproblem. Aber Cantona ist Fussballer.

  • Manfred.Raddatz am 09.12.2010 00:16 Report Diesen Beitrag melden

    ...es lebe der Wahnsinn

    Immer mehr Menschlein nehmen sich die Freiheit, unsere Freiheit zerstören zu wollen.Aber warum nicht? Es geht uns vielzu gut - das muß doch ´mal ein Ende haben!?

  • Extern. by einer Bank am 07.12.2010 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    Extern. by einer Bank

    Lieber Banker, ich lach mich tot. Trotz aller Bezugslimiten hat der Kunde das Recht sein Geld zu beziehen ... er muss lediglich etwas kleines Zahlen ... bei diesen Zinsen .-)) Also Jungs und Mädels ran an den Speck ... vielleicht denken die Banke mal um!

    • Banker am 07.12.2010 21:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Extern. by einer Bank

      Da muss ich dir Recht geben. Trotzdem hat man heute wunderschön gesehen, wie das Bankensystem zusamencrasht ist :-). Ohne ein funktionierendes Bankensystem würden wir noch im letzten Jahrhundert leben. Hat wer Lust darauf?

    einklappen einklappen