Risiko-Investment

09. März 2014 14:29; Akt: 09.03.2014 20:58 Print

Dubioses Geschäft mit Bitcoin-Rechnern

von Claudia Landolt - Fans der Online-Währung investieren in Bitcoin-Geldmaschinen. Eine Tessiner Firma verkauft diese im Netz. Ihre Kunden aber warten vergeblich auf die Rechner.

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Goldgräber aus dem Tessin: Christian Anselmi (links) und Giorgio Massarotto der Tessiner Firma Bitmine AG, die Hardware zur Erstellung von Bitcoins entwickelt und liefert. (Bild: 20 Minuten)

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Miners sind Goldschürfer: Leute, die die Kryptowährung Bitcoin in einem eigenen Rechner zuhause selbst produzieren. Solche Geräte sind teuer: Je nach Leistung und Modul kosten sie mindestens 6500 US-Dollar. Eine Menge Geld für die mehrheitlich jungen Investoren. Ein paar Schweizer Insider fürchten nun um ihr Erspartes.

Einige dieser Kunden haben sich bei 20 Minuten gemeldet. Sie alle haben im letzten November und Dezember für mehrere Zehntausend Franken Hardware plus Module bei der Firma Bitmine AG im Tessin vorbestellt und trotz versprochenen Lieferungen innert zwei Monaten nichts erhalten. Auch haben sie weder eine Empfangsbestätigung erhalten noch einen Avis, wonach ihr Gerät schon produziert worden sei. Alles, was sie haben, ist eine Nummer mit ihrer «Queue position», ihrem Platz auf der Warteliste.

Unwägbarkeiten beim Kauf

In den entsprechenden Foren regen sie sich über dieses Geschäftsgebaren auf. User «pickaxepete» beichtet, seine ganzen Ersparnisse in einen Avalon Asics investiert zu haben.» Kollege «Caveat emptor» glaubt, Bitmine AG verwende sein Geld, fast 50 000 Franken, um andere Kunden, die vor ihm bestellt hätten, zufriedenzustellen – ein klassisches Schneeball-Prinzip also. User «gmaxwell» behauptet, Miner-Firmen seien nichts als «Hardware-Scharlatane».

Harte Anschuldigungen. Das Geschäft mit Bitcoin-Miners läuft blendend. «Es herrscht Goldgräberstimmung», sagt Giorgio Massarotto, CEO der Tessiner Firma Bitmine AG. Eigenen Angaben zufolge hat Bitmine allein in den letzten sechs Monaten 500 Rechner verkauft, 1500 Bestellungen vermerkt und mehrere tausend zusätzliche Einheiten auf der Warteliste.

Auf die verärgerte und sich geprellt fühlende Kundschaft angesprochen, gibt Massarotto im Gespräch mit 20 Minuten zu, «Fehler gemacht zu haben». Massarotto: «Wir hatten Probleme mit unseren Subfirmen in China und Italien. Nun aber sind wir seit drei Wochen auf Kurs, produzieren 200 Einheiten die Woche und sind zuversichtlich, die Verspätungen bald einzuholen.» Bitmine will nun all jenen, die das Warten satt haben, gratis um 50 Prozent leistungsfähigere Chips installieren.

Zeitpunkt ist entscheidend

Es geht den Bitcoin-Schürfern aber nicht nur ums Geld. Da jede Spezialhardware nur für begrenzte Zeit genug Rechenkraft aufbringen kann, damit die Stromkosten nicht den Gewinn der errechneten Bitcoins überwiegen, muss die Anschaffung eines solchen Geräts zum Errechnen von Bitcoins genau kalkuliert werden.

Je mehr Nutzer nämlich Bitcoins errechnen wollen, desto höher wird der Schwierigkeitsgrad. Je mehr Rechenkraft aufgewendet wird, um neue Bitcoins zu errechnen, desto schwerer werden die zu lösenden Aufgaben. Circa alle zwei Wochen wird die durchschnittliche Berechnungszeit für neue Blöcke ermittelt und die Schwierigkeit der Mining-Puzzles so justiert, dass wieder die Zielzeit von 10 Minuten pro Block erreicht wird.

Wichtig ist also, dass die pünktliche Lieferbarkeit sichergestellt ist. Kommt das Gerät zu spät, könnte der Schwierigkeitsgrad schon so stark angestiegen sein, dass sich der Einsatz nicht mehr lohnt, weil am Ende des Tages weniger Bitcoins für jeden übrig bleiben und so der Kurs fällt. Denn Miners sind letztlich nichts anderes als Risikoinvestoren, die vom nächsten grossen Profit träumen.