Künstliche Burger

17. Juli 2018 16:11; Akt: 17.07.2018 18:22 Print

Kommt das Grillfleisch bald aus dem Labor?

von Dominic Benz - Mit Burgern aus dem Reagenzglas bleiben Kühe und Schweine am Leben. Doch wie schmeckt das künstliche Fleisch? Die wichtigsten Antworten.

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Das Fleisch der Zukunft soll nicht mehr aus der Massentierhaltung kommen, sondern aus dem Labor. Das holländische Start-up Mosa Meat züchtet künstliches Fleisch unter dem Mikroskop. Auch die Coop-Tochter Bell will im Markt mit dem «kultivierten Fleisch» mitmischen und kauft sich bei der jungen Firma ein.

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Doch was bringt das Fleisch aus dem Reagenzglas? Und essen es bald die Vegetarier? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist «kultiviertes Fleisch»?
Das Fleisch wird künstlich im Labor hergestellt. Dafür braucht man Stammzellen, die mit einer Muskelbiopsie den lebenden Tieren wie Kühen, Schweinen oder Hühnern entnommen werden. Unter den richtigen Bedingungen wachsen dann Fasern. Hat man genügend von denen, kann man sie zu einer Fleischmasse zusammenfügen, die eine Art Hackfleisch ist. Daraus lassen sich Burger machen.

Warum Fleisch aus dem Labor?
Mit Kunstfleisch will man die Umweltbelastung eindämmen, die die Massentierhaltung für den weltweiten Fleischkonsum verursacht. Tierhaltung und Futteranbau beanspruchen nämlich enorm viel Land. Zudem hat die Fleischindustrie an der Produktion von Treibhausgasen einen geschätzten Anteil von einem Fünftel. Mit Laborfleisch besteht die Möglichkeit, «die steigende globale Nachfrage nach Fleisch auf nachhaltige Art und Weise zu decken», sagt Bell-Sprecher Fabian Vetsch zu 20 Minuten. Auch in Sachen Tierschutz soll das Laborfleisch besser sein. Für die Entnahme der Zellen bräuchte man nur noch wenige Kühe, die fürs Fleisch nicht sterben müssen. Massentierhaltung unter fraglichen Bedingungen wäre dann nicht mehr nötig.

Welches Fleisch gibt es im Labor?
Vorerst wird es nur Produkte aus Hackfleisch geben. Ein saftiges Entrecote oder ein blutiges Lammfilet aus dem Reagenzglas liegen noch in weiter Zukunft. Das Problem: Ein Steak etwa ist mit Muskelfleisch und Blut-Äderchen durchzogen. Die künstliche Reproduktion eines solchen Fleisches ist daher sehr komplex. Die Herstellung von Hack-Burgern oder -Bällchen ist viel einfacher.

Wie schmeckt das Fleisch?
Laut Medienberichten bemängelten einige Testesser, dass das Fleisch etwas fade schmecke. Anders klingt es bei Bell: «Das Fleisch ist bezüglich Inhaltsstoffen, Konsistenz und Geschmack identisch zu herkömmlich hergestelltem Fleisch», sagt Sprecher Vetsch.

Ist das Fleisch etwas für Vegetarier und Veganer?
Das kommt auf die individuelle Einstellung gegenüber Fleisch und Viehzucht an. Vegetarier und Veganer, die von tierischen Produkten grundsätzlich die Finger lassen, werden auch um das Laborfleisch einen weiten Bogen machen. Schliesslich wird es aus tierischen Zellen hergestellt. Andere Fleischentsager könnten aber durchaus Gefallen finden. «Kultiviertes Fleisch ist vielmehr eine Alternative für jene Konsumenten, die ihren Fleischkonsum aus ethischen Gründen reduziert haben», so Vetsch.

Wie teuer ist das Fleisch?
Noch ist die Produktion sehr teuer. Der erste künstliche Burger der Firma Mosa Meat kostete noch so viel wie ein Luxus-Auto, nämlich 300'000 Franken. Mittlerweile kann das Start-up nach eigenen Angaben für einen Preis von 60 Franken pro Kilo Hackfleisch produzieren. Für eine breite Markteinführung (siehe Box) sind tiefere Kosten unumgänglich. Gründer Mark Post will bis 2021 den Burger für rund 10 Franken anbieten.

Wird es die Massentierzucht bald nicht mehr geben?
Das ist momentan nicht vorstellbar. Gemäss Berechnungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird der Fleischkonsum bis 2050 um 70 Prozent zulegen. Die klassische Fleischindustrie wird daher auch in Zukunft den Ton angeben. Mit steigender Nachfrage wird auch der Ruf nach Alternativen grösser. «Die Nachfrage wird mit der traditionellen landwirtschaftlichen Produktion kaum zu decken sein», sagt Vetsch. Aus diesem Grund sei es wichtig, bereits frühzeitig nach möglichen Alternativen Ausschau zu halten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sara35 am 17.07.2018 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf jeden Fall

    Um das Elend der Massentierhaltung und die Umweltbelastung einzudämmen, würde ich das Fleisch aus dem Labor auf jeden Fall essen. Ich denke der Preis und Geschmack wird sicher immer besser werden. Man muss halt offen sein und nicht immer gleich nein rufen. So kann es auf jeden Fall nicht weiter gehen.

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  • Bruno Bissig am 17.07.2018 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel des Artikels

    Es sollte mehr eine Alternative für Fleischesser sein, welche was für das Klima tun wollen und das Wohl des Tieres anstatt für Vegetarier und Veganer...

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  • VW am 17.07.2018 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mass statt Masse

    Es gibt auch andere Alternativen! Nämlich übermässigen Konsum und das Cherry-Picking reduzieren! In dem man alles vom Tier verwendet, statt nur Filetstücke und Entrecote, und statt Billigfleisch aus Massentierhaltung jeden Tag nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung zu angemessenem Preis 2-3x in der Woche zu essen. Wenn das viele machen, reduzieren sich die Emissionen auch deutlich und dem Tierwohl ist auch geholfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bio Bauer am 17.07.2018 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    75% Grasland

    hat die Schweiz, darauf können nur Tiere grossgezogen werden. Was passiert nun mit all den Alpen und Hügelzonen im Mitteland unf Jura?

  • Kiki am 17.07.2018 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gehirne wieder einschalten, selber denken

    Muss es denn immer aufs Ganze gehen, alles oder nichts? Wenn wir nur schon weniger Fleisch essen würden und ich meine bedeutend weniger (Wunschdenken). Wir lassen uns die ganze Zeit von Megakonzernen rumsteuern z.B. uns Insekten schmackhaft zu machen. Dabei wäre es so einfach: Weniger ist mehr und es wäre sinnvoll auf die Qualität des Fleisches zu achten d.h. es soll was kosten. Wir könnten auf so vieles verzichten und es ginge uns immer noch bestens.

  • Der wartende Heinz am 17.07.2018 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ja wann den jetzt?

    Wagyu der Klasse 5 mit der gleichen Konsistenz, Aroma und Optik wäre schon toll aber dafür für 1/3 vom Preis zum Original wäre schon mal toll. Wann ist es denn so weit? Was meint die Fleisch Industrie dazu? Ist das wie mit den Batterien die nach 2 Sekunden aufgeladen sind aber trotzdem nie auf den Markt kommen? Oder die Interkontinental Flugzeuge die immer wieder gebaut werden aber auch nie zu sehen sind? Oder oder oder?

  • DomDom33 am 17.07.2018 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie

    Ich esse sicherlich 5 aml die Woche Fleisch in aller Regel Aus Bio Haltung und lange abgehangen. Sollte Laborfleisch zur Regel werden werde ich zum Selbstversorger. Dann gibt es nur noch 2 Mal im Monat Fleisch Huhn und Cuy. Ansosnten selbst gezogenes Gemüse. GEHT GAR NICHT! Pfui Bell - werde diese ab sofort boykotieren.

  • Herr Max Bünzli Lehrer am 17.07.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ein Schritt in die richtige Richtung