Angst um Umsatz

06. Oktober 2018 09:27; Akt: 06.10.2018 09:27 Print

E-Auto-Hersteller zieren sich bei Ersatzbatterien

von R. Knecht - Der Ersatz einer E-Autobatterie gestaltet sich schwierig: Viele Hersteller machen keine Angaben zu den Kosten oder verlangen extrem hohe Preise.

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Wenn die Batterie beim E-Auto nachgibt, kanns teuer werden. Viele Hersteller kommunizieren das aber gar nicht. Beim BMW i3 kostet die Batterie mit 21'453 Franken 46% des Autopreises. Beim Hyundai Ioniq kostet die Batterie mit 20'568 Franken 53% des Autopreises. Beim Mitsubishi iMiev kostet die Batterie mit 8983 Franken 41% des Autopreises. Der Nissan Leaf kostet 37'490 Franken – was eine neue Batterie kostet, wird nicht mitgeteilt. Der Opel Ampera kostet 52'700 Franken – was eine neue Batterie kostet, wird nicht mitgeteilt. Beim Peugeot iOn kostet die Batterie mit 22'548 Franken Franken gleich viel wie das Auto selbst. Beim Renault Zoe kostet die Batterie mit rund 10'000 Franken 28% des Autopreises. Der Tesla Model S kostet 83'990 Franken – was eine neue Batterie kostet, wird nicht mitgeteilt. Auch wenn die Batterien weiterhin extrem teuer sind: Für die Etablierung von E-Autos gibt es immer weniger Hürden. Zwar machten Elektroautos 2017 nur knapp 0,3 Prozent der gesamten Personenwagenflotte aus, wie Zahlen des Importeurverbands Auto Schweiz zeigen. Doch das dürfte sich ändern, wenn der Preis für E-Autos eine kritische Grenze erreicht: Mitte 2020 sollen E-Autos preislich mit Benzinern mithalten können, sagt ein Analyst des Beratungsunternehmens McKinsey zu Welt.de. «Da geht noch einiges beim Preis», sagt auch Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, zu 20 Minuten. Durch die Massenproduktion von E-Autos werde die Herstellung künftig noch günstiger werden. McKinsey rechnet damit, dass es bei den E-Autos bis 2025 100 neue Fahrzeugtypen geben wird. Grosse Hersteller würden dabei sämtliche Fahrzeugklassen berücksichtigen und so immer mehr Nutzergruppen ansprechen. (Im Bild: Das Elektromodell e-Up! von Volkswagen) Die grössere Auswahl wird laut Herrmann zudem zu mehr Wettbewerb auf dem Markt führen, was den Preis noch weiter drücken wird. Die Autos haben zudem immer mehr Reichweite, sodass der Unterschied zu Benzinern vernachlässigbar wird. «Reichweite ist schon bald kein Thema mehr», sagt Herrmann. Dies auch, weil es immer mehr Schnellladestationen gebe. Hersteller haben guten Grund, auf E-Autos zu setzen: Die EU verlangt von Autokonzernen, dass Personenwagen bis 2021 im Schnitt pro Kilometer maximal 95 Gramm CO2 ausstossen. Auto Schweiz will, dass in der Schweiz ab 2020 jedes zehnte neue Auto ein Elektro- oder Hybridwagen ist. Es sei ambitioniert, weil der Anteil an elektrischen Neuwagen 2017 noch auch nur annähernd zu erreichen. Den CO2-Richtwert hat die Schweiz lassen. Um das Ziel zu erreichen, hofft Auto Schweiz auf die mit alternativen Antrieben möglichst gross sein, schreibt Auto Schweiz. Geht es nach dem US-Thinktank Bloomberg New Energy Finance, ist 2040 weltweit bereits jedes vierte Auto ein Elektrofahrzeug . Trifft dieser Trend ein, würden Elektroautos 8 Prozent der globalen Stromproduktion verbrauchen. Damit Elektromobilität eine saubere Sache bleibt, müsste dieser Strombedarf mit erneuerbaren Quellen gedeckt werden.

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Wer zu den ersten Käufern eines E-Autos gehört, dürfte jetzt langsam die nachlassende Batterieleistung zu spüren bekommen. Das könnte ein Problem sein, denn viele Hersteller geben nicht an, was eine Ersatzbatterie kosten würde, wie das SRF festgestellt hat. Stattdessen würden Firmen die Kunden dazu bewegen wollen, gleich ein neues Auto zu kaufen, statt etwas zu ersetzen.

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So bieten etwa Nissan, Opel und Tesla gar keine Informationen dazu, was eine neue Batterie kostet. Andere Hersteller, darunter BMW, Hyundai und Peugeot, verlangen so viel, dass der Endpreis teils nah an dem eines Neufahrzeugs ist:

Marcel Gauch, Elektromobilitätsspezialist an der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa, sagt zu SRF, ein angemessener Preis für eine Batterie von 16 Kilowattstunden wäre rund 3200 Franken. Warum verlangen Hersteller so viel mehr für eine neue Batterie beziehungsweise machen sogar ein Geheimnis aus dem Preis? Die Firmen hätten Angst um ihren Umsatz, so Gauch. Es sei nicht im Interesse der Hersteller, dass Kunden das Produkt länger nutzen könnten.

Der Erfolg von Autobauern wird laut dem Experten daran gemessen, wie viele Fahrzeuge sie verkaufen. Für die Firmen gibt es also kaum einen Anreiz, ein bereits verkauftes E-Auto instand zu halten.

Viele Kunden kaufen gar keine Batterie

Eine Sprecherin von Renault sagt zu 20 Minuten, dass über 90 Prozent der Kunden die Batterie gar nicht mitkaufen, sondern mieten. Sie vergleicht die dadurch entstehenden laufenden Kosten mit den Aufwendungen für Benzin. Für die Minderheit, die die Batterie gekauft habe, mache Renault nur nach sorgfältiger Untersuchung des Fahrzeugs eine Offerte für eine Ersatzbatterie. Der Preis kann variieren, dürfte aber bei rund 10'000 Franken liegen, wie die Sprecherin weiter erklärt.

Bei Nissan heisst es auf Anfrage, dass Batterien nicht komplett ersetzt würden. Stattdessen wechsle man einzelne Batteriemodule aus. Der Preis werde von Fall zu Fall ermittelt. Einen Annäherungswert nannte die Sprecherin des Unternehmens nicht.

«Gewaltige Fortschritte» absehbar

Laut Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, könnten Batterien den Herstellern künftig das Geschäft noch schwerer machen: «Bei den Batterien dürfte es noch gewaltige Fortschritte geben – die halten zukünftig viel länger», sagt der Experte zu 20 Minuten. Dann würden die Kunden noch weniger häufig Ersatz benötigen.

Nicht nur die Autobauer machen sich Sorgen um den Umsatz mit E-Autos: Auch für Garagisten sind sie weniger attraktiv, weil viele Modelle weniger Instandhaltung benötigen.

Der Marktanteil von Elektroautos ist in der Schweiz noch sehr niedrig. Gegen Ende 2017 machten die rund 13'000 reinen Elektrofahrzeuge lediglich knapp 0,3 Prozent der gesamten Personenwagenflotte aus, wie eine Auswertung von Auto Schweiz zeigt. Gründe, warum E-Mobilität aber kurz vor dem Durchbruch steht, lesen Sie hier.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bebbi79 am 06.10.2018 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der dank

    Oh ha! Dem kunden ein schlnes umweltfreundliches Auto verkaufen und dann paar Jahre später die Kunden ins Messer laufen lassen. Kaufen sie doch bitte ein neues Auto! Kommt uns hersteller billiger.

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  • MikeZH am 06.10.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E-Mobilität als Ökobelastung

    Endlich kommt die Wahrheit and Tageslicht: e-Mobilität ist keineswegs ökologisch und auch nicht ökonomisch. Dir Herstellung von Batterien ist höchst Umweltbelastung und eine Ressourcen Verschwendung da das Batterie Recycling noch völlig in dem Kinderschuhen steckt.

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  • Captain Hindsight am 06.10.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das macht die E-Autos ...

    ... noch weniger umweltfreundlich. Schade, dass dieser Typ Autos nicht altern kann. Wo ist die EU, die sonst alles normiert? Schreibt wechselbare Batterien vor!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 15.10.2018 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke nein, nur Treibstoff...

    Wie schon X-Mal erwähnt, wenn diese Akkus nicht mehr taugen, kann man die ganze Karrette wegschmeissen. Eine sehr teuere Angelegenheit, nach 8 Jahren Lebensdauer!!

  • Sunpower am 11.10.2018 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peugeot

    Peugeot stoppt die Entwicklung der Dieseltechnologie.

  • Peter Matz am 11.10.2018 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Blei Gel trocken Batterien

    Das betrifft nur die Lithium Jonen Batterien. Wir verwenden bei unserem Eco Car Hitec ausschliesslich Blei trocken Gel Batterien die in der Schweiz zu 100% resycling fähig sind. Zudem hat man in dem Punkt Kosten und Sicherheit nur Vorteile. Bei einem Zellenschluss besteht bei trocken Gel Batterien keine Explosionsgefahr. Ein Ersatz der Batterien kosten nach 10 Jahren Fr.1200. Mann sollte das schon differenzieren. P.Matz

    • Martial2 am 15.10.2018 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Matz

      Hat Tesla der ab und zu explodiert auch solchen Akkus? Nicht, dass es bekannt wäre...

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  • C.Di Caro am 10.10.2018 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder läuft Öl ins Meer aus

    Vor Korsika hat ein tunesischer Frachter ein Containerschiff aus Zypern gerammt. In der Folge verliert das zyprische Schiff Treibstoff, der über eine Strecke von 20 Kilometern das Meer verunreinigt... Ja, die Akkuproduktion ist aufwendig und belastet auch die Umwelt, ist aber nicht zu vergleichen mit der Umweltzerstörung durch das Öl. Deep Horizont,Nigerdelta...um nur einige zu nennen. Li-io werden schon heute Recycelt und es werden in Zukunft immer mehr. Diese mehreren 100kg kostbaren Rohstoffe können nahe zu komplett zurückgewonnen werden und müssen nicht mehr aus dem Boden gegraben werden.

    • Paul am 10.10.2018 06:47 Report Diesen Beitrag melden

      Oje

      Viel Spass nächstes Jahr bei baden in der Toskana :-(

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  • Eduard J. Belser am 09.10.2018 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gaunerbranche

    «Warum verlangen Hersteller so viel mehr für eine neue Batterie beziehungsweise machen sogar ein Geheimnis aus dem Preis?» Vor dem Hintergrund der Diesel-, Abgas- und Verbrauchslügen-Skandale ist diese Frage doch ganz einfach zu beantworten. Weil die Autoindustrie eine Gaunerbranche ist basta! Und zu dem hat sie zu viele politische KomplizInnen, die ihre üblen Geschäftspraktiken schützt. Wer das nicht glaubt, soll sich einmal mit der Liste der Interessenbindungen unserer ParlamentarierInnen beschäftigen, da werden ihm die Augen aufgehen..

    • C.Di Caro am 09.10.2018 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      Gaunerbranche

      Ganz ehrlich, ich möchte nie wieder etwas anderes fahren als ein E-Auto. Ehrlich gesagt, habe ich den Verdacht,dass Elektroautos nur gebaut werden, um die CO2 Grenzwerte nicht zu überschreiten und Autokonzerne weiterhin ihre SUVs verkaufen können. Nur Tesla meint es wirklich ernst und deswegen bewundere ich Elon Musk und was er alles erreicht hat. Hoffentlich ändert sich diese Mafiamentalität in den Konzernen!

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