10'200 Stellen

19. Juli 2019 12:47; Akt: 19.07.2019 12:47 Print

E-Auto wird die Schweiz Tausende Jobs kosten

Schweizer Autozulieferer sind auf Verbrennungsmotoren ausgerichtet. Mit dem Umstieg auf den Elektroantrieb könnten in der Schweiz bis zu 10'200 Stellen verloren gehen.

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Das sagen Leser zum Thema E-Mobilität. «Die Gesamtbilanz der E-Technologie ist kritisch», bestätigt Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor und Experte für E-Mobilität an der Universität St. Gallen. Der Vorteil gegenüber Diesel sei, dass es noch erhebliche Verbesserungen geben werde. Kann E-Mobilität wirklich das Stromnetz in die Knie zwingen? «Ja, das kann durchaus sein, wenn die Bewohner eines Hochhauses mit 30 Wohnungen alle gleichzeitig im Keller ihre Autos aufladen», sagt Herrmann. Zudem brauche es parallel zur Entwicklung von E-Autos auch die Verbesserung von alternativer Stromerzeugung. Die Arbeitsplätze der europäischen Autoindustrie sind laut Herrmann vor allem auch deswegen gefährdet, weil Europa Asien nachhinke. Europa müsse Batterienkompetenz und -werke aufbauen. «Sonst gehen über 40 Prozent der Wertschöpfung von Fahrzeugen nach Asien.» Solche Aussagen zeigen laut Herrmann, dass die Branche hart arbeiten muss, um eingefahrene Verhaltensweisen zu ändern. Der Verbrennungsmotor werde aber trotzdem aussterben, auch wenn es noch viele Jahre gehen werde. Wäre es nicht einfach besser, weniger zu fahren? «Nein, der Wohlstand der Schweiz hat viel mit der besonderen Mobilität in diesem Land zu tun», sagt Herrmann. «In Anbetracht der Klimaprobleme sollten wir wegkommen vom Verbrennen von Rohstoffen – auch Gas.» Aus dem gleichen Grund bringe es auch nichts, Gas- oder Kohlekraftwerke zu bauen, um E-Fahrzeuge anzutreiben. Dass ältere Autos länger funktionstüchtig sind, stimmt gemäss Hermann nicht. «Allerdings kann man ein 30 Jahre altes Auto noch mit Zange und Schraubenzieher reparieren, bei den neuen muss man Informatiker sein.» Die Kosten des E-Autos hängen laut Herrmann sehr stark von der Batterie ab. Je mehr Batterien produziert werden, desto grösser seien die Chancen, dass die Stückpreise sinken.

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Die Schweizer Autozulieferer müssen sich auf einen langwierigen Anpassungsprozess gefasst machen. Der Autoabsatz bricht ein – die Verkäufe in der ersten Hälfte 2019 liegen 3,1 Prozent unter denen in der Vorjahresperiode. Die Verlagerung weg vom Verbrennungsmotor hin zum elektrischen Antrieb dürfte zudem schneller geschehen als erwartet, wie der «Redaktion Tamedia» schreibt.

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Die Umstellung aufs E-Auto wird Jobs kosten, wie eine Untersuchung der Behörden des deutschen Bundeslands Baden-Württemberg zeigt: Rund 19'000 bis 40'000 Stellen sollen dort bis 2030 verschwinden. Dafür kommen durch den Trend zum E-Auto zwischen 5000 und 8000 Jobs dazu.

10'200 Schweizer Jobs in Gefahr

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer hält die Schätzungen für konservativ. Er selbst rechnet damit, dass der Umstieg auf E-Autos die deutsche Automobilindustrie knapp eine Million Jobs kosten wird.

Hochgerechnet dürfte das bedeuten, dass bei den Schweizer Autozulieferern ebenfalls bis zu 10'200 Stellen verloren gehen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Immerhin würden rund 3400 neue Jobs geschaffen. Unterm Strich ist das ein Verlust von 6800 Stellen.

Auslagerung nach Osteuropa

Grund für den Jobverlust ist laut dem Bericht, dass Schweizer Autozulieferer primär auf Verbrennungsmotoren ausgerichtet sind. In der Studie von Baden-Württemberg heisst es ausserdem, dass Produktionsprozesse zunehmend nach Osteuropa verschoben würden.

Dadurch, dass die Produktivität einzelner Arbeitskräfte jährlich um bis zu 2 Prozent gesteigert würde, seien zudem immer weniger Stellen nötig, um die gleiche Menge Arbeit zu erledigen.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wahnsinn am 19.07.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    und das seco

    wird uns dann mitteilen, dass die arbeitslosenquote gesunken ist.

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  • Bruzito am 19.07.2019 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    80'000 Liter Wasser

    80'000 Liter Wasser für die Herstellung einer E-Autobatterie! Wollen wir das wirklich fördern?

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  • Der Denker am 19.07.2019 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Technologie

    Mit E-Autos die Umwelt zu retten ist ein Traum, mit welchem Miliarden verdient werden. Schauen Sie sich auf Youtube bitte die Doku Brennstoffzelle von Harald Lesch an. Von einem Physiker wird Ihnen ganz eifach erklärt weshalb auf die falsche Technologie gesetzt wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • gilpulver am 03.08.2019 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen dann Handeln

    teilweise super Inteligente Berichte nur das jeder wo für Batterie ist leider anderen ländern wo arm sind denen noch das Trinkwasser nehmen um aus dem Boden das salzhaltiges wasser hinauf zu pumpen und mit Trinkwasser das Lithium her zustellen, das ist ungesund für die Mennschheit und dabei gehen bei uns die Gletscher auch jedes jahr zurück, dann liefert doch wenigstens denn Länder wo das Lithium herstellen doch das Wasser von der Schweiz wenn ihr so umwelt freundlich sein wollt um die Batterien herzustellen und nicht nur vor der Haustüre schauen in diesem Bereich wenn man die Herstellung lieber in arme Länder machen will, wird das gleiche sein wie das Plastik an den Länder abschieben zum verarbeiten und heute liegt es im Meer und am Strand.

  • E-Guru am 29.07.2019 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    44 Prozent

    ++++++ +++ Jedes Verbrennerauto, das noch produziert und verkauft wird, verlängert die Abhängigkeit von Öl. Jedes produzierte Elektroauto besitzt hingegen das Potenzial, noch viele Jahre mit Ökostrom angetrieben zu werden. Immerhin lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 bei 44 Prozent. ++++++++

  • Dirk am 28.07.2019 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist noch nie ein Arbeitsplatz verloren gegangen

    Da kann man mal sehen wie intelligent die Menschheit ist. In dieser Welt ist noch nie ein Arbeitsplatz verloren gegangen, da es immer mehr Menschen werden und auch immer mehr Arbeitsplätze entstehen. Das einzige was passiert ist das sich Berufe wandeln und weiter entwickeln. Und wenn der einzelnen Mensch sich nicht mit weiter entwickelt ist das sein Problem. Abgesehen davon haben vor hundert Jahren die Kutschenbauer auch gedacht ihre Jobs gehen verloren und was war nix, sie haben halt Autos gebaut

    • O.Wotter am 30.07.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Schlimm und

      erschreckend wie einfach Sie die Wirtschaftsentwicklungen wahrnehmen. Die Automatisierung (späte aufgewachte nennen es Digitalisierung) läuft Kontinuierlich seit den 80igern. Und nein, es werden dadurch nicht mehr sondern weniger andere Berufe entstehen, in denen es weniger aber mehr spezialisiertere Mitarbeiter geben wird. Dies bei gleichzeitigem Import von nichtspezialisierten jungen Männern aus warmen Ländern in Millionenfacher Anzahl. Versuchen Sie die Globalen Verschiebungen in der Wirtschaft mit einzubeziehen und Sie werden Ihre Aussage korrigieren können.

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  • Sunpower am 24.07.2019 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufregend

    +++ Elektromobilität ist nicht nur innovativ, umweltfreundlich und aufregend. Sondern auch erstaunlich günstig. Besonders in der Schweiz - dank der wichtigen Ressource Wasser. +++

    • Chef am 28.07.2019 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Ja, genau. Das denke ich auch immer, wenn ich mit meinem ZIL eine E-Karre überhole

    • Nutella am 28.07.2019 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chef

      Was ist ein ZIL? Kennt absolut niemand, ist das ein Brotaufstrich?

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  • Art Bro am 24.07.2019 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit

    Die Branche ist total verdorben, überall Betrug. Es wird 510 mal mehr verrechnet, als tatsächlich geleistete Arbeit, also nur kein Mittleid. Elektroauto soll kommen.