56% weniger Prämien

18. April 2019 21:50; Akt: 18.04.2019 21:50 Print

Diese Öko-Zückerli kriegen Fahrer von E-Autos

von Dominic Benz - Wer ein Elektroauto fährt, kann bei der Versicherung von einem massiven Ökorabatt profitieren. Je nach Kanton gibts noch andere Zückerli.

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Fahrer von E-Autos zahlen teils über die Hälfte weniger als Besitzer von Benzin- oder Dieselwagen. Das zeigt eine Analyse der Vergleichsplattform Comparis. Ein hoher Ökorabatt heisst jedoch nicht, dass die Prämien für E-Autos automatisch günstiger ausfallen. «Die Höhe der Prämie beeinflussen viele Faktoren wie etwa die Kosten des Grundtarifs bei den jeweiligen Versicherungen», sagt Andrea Auer, Mobilitätsexpertin bei Comparis, zu 20 Minuten. Dennoch: Wer die Versicherung für sein E-Auto optimiert, der kann viel Geld sparen. Den grössten Preisunterschied gibt es bei der Zurich. Beim optimalsten Angebot unter Berücksichtigung aller risikorelevanten Faktoren zahlt der Besitzer eines eGolf von Volkswagen 729.50 Franken. Die Prämie kostet damit 56 Prozent weniger als beim Golf TDI mit Diesel und 50 Prozent weniger als beim Benziner Golf TSI. Die Prämie kostet damit 56 Prozent weniger als beim Golf TDI mit Diesel und 50 Prozent weniger als beim Benziner Golf TSI. Die Prämiendifferenzen im Überblick: Bei der Zurich sind die Prämienunterschiede am grössten, Generali und Allianz Suisse sind im Mittelfeld. Gar keinen Ökorabatt gibt es bei der Axa. Prämien sind aber nicht die einzigen Zückerli für Fahrer von E-Autos. Je nach Kanton fallen die Motorfahrzeugsteuern tiefer aus. Laut Touring Club Schweiz (TCS) zahlen Halter eines Tesla Model S in Freiburg, Genf, Glarus, Nidwalden, Obwalden, Solothurn oder Zürich gar keine Steuern. Zum Vergleich: In Genf belaufen sich die Abgaben für einen Porsche 911 Carrera mit Benzin 2043 Franken, für den Benziner Golf-TSI 157 Franken. The coat of arms of Geneva on a license plate of a motorbike , pictured on October, 28, 2010 in Geneva, Switzerland (KEYSTONE/Martial Trezzini) Das Genfer Wappen auf dem Nummernschild eines Mofas mit der Abkuerzung GE, die fuer Genf steht, 28. Oktober 2010 in Genf, Schweiz (KEYSTONE/Martial Trezzini) Le drapeau genevois photographie sur un ecusson d'une plaque d'immatriculation d'une moto avec le GE et drapeau suisse, ce jeudi 28 octobre 2010 a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini) Ist ein strombetriebenes Fahrzeug wirklich ökologischer als eines mit Benzin- oder Dieselmotor? Schliesslich verursacht die Herstellung der Batterie und die Erzeugung des Stroms beachtliche CO2-Emissionen. Laut einer neuen Studie verursacht ein E-Auto im Normalfall weniger CO2 als ein Fahrzeug mit Benzinantrieb, nachdem es rund 60'000 Kilometer zurückgelegt hat. So sieht der Lebensweg eines E-Autos im Vergleich zu Benzinern und Dieselfahrzeugen aus. Den Dieselantrieb überholt das E-Auto in Sachen Klimabilanz ab 80'000 Leistungskilometern. In der Stadt geht es noch schneller: Dort ist das E-Auto schon ab 40'000 Kilometern effizienter als das Benzinfahrzeug. Wer in der Stadt 100'000 Kilometer mit E-Auto fährt, verursacht fast ein Drittel weniger CO2 als mit einem Benzinfahrzeug. Wer hingegen praktisch nur auf der Autobahn unterwegs ist, muss wesentlich weiter fahren, bis es sich aus Klimasicht lohnt: Ein Dieselfahrzeug verursacht in diesem Fall bis zu einer Fahrleistung von 150'000 Kilometern weniger CO2-Emissionen als ein E-Auto. Die meisten Studien gehen bei Elektroautos von einer Lebensfahrleistung zwischen 150'000 und 200'000 Kilometern aus – für reine Autobahnfahrer lohnt sich das E-Auto somit aus ökologischer Sicht nur ganz knapp. Jörg Beckmann, Geschäftsführer von Swiss eMobility, gibt jedoch zu bedenken, dass die Gesamtlebensdauer eines Autos länger als zehn Jahre und die Batterie eines Elektrofahrzeugs danach noch als lokaler Speicher im Einsatz sei. Durch diese lange Lebensdauer sei der elektrische Antrieb immer ökologischer als ein Verbrennungsmotor – unabhängig davon, ob sich die Klimabilanz nach zwei oder fünf Jahren ausgleicht. Für die Studie wurden die Emissionswerte für die Stromproduktion in Deutschland berücksichtigt. In der Schweiz dürfte es noch besser stehen, denn der Schweizer Strommix ist wesentlich sauberer. Wenn mehr E-Autos auf der Strasse unterwegs sind, könnte das schlecht für die Ökobilanz der E-Autos sein: Wie der Energie-Experte Roberto Bianchetti vom Beratungsunternehmen EBP zu 20 Minuten sagt, besteht die Gefahr, dass bei steigender Nachfrage künftig wieder vermehrt Kohlekraftwerke eingesetzt werden. Darum müsse der Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion gleichzeitig mit der Einführung der Elektromobilität stattfinden. Bei der E-Mobilität steht häufig die Stromerzeugung am Pranger. Dabei wäre es kaum nötig, Strom auf klimaschädliche Art zu erzeugen. Strom aus Sonne und Wind kann einer Studie zufolge bis 2050 fast den gesamten weltweiten Strombedarf decken. Auch wenn sich dieser bis dahin noch deutlich erhöht. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Verbindung mit Elektrifizierung könnten 86 Prozent des weltweiten Bedarfs gedeckt werden, heisst es in der Studie der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien.

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Elektroautos boomen. Das ist auch den Versicherern nicht entgangen. Sie locken Kunden mit grosszügigen Ökorabatten bei den Prämien an. Fahrer von E-Autos zahlen teils über die Hälfte weniger als Besitzer von Benzin- oder Dieselwagen. Das zeigt eine Analyse der Vergleichsplattform Comparis.

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Ein hoher Ökorabatt heisst jedoch nicht, dass die Prämien für E-Autos automatisch günstiger ausfallen. «Die Höhe der Prämie beeinflussen viele Faktoren wie etwa der Grundtarif für den Fahrzeugtyp», sagt Andrea Auer, Mobilitätsexpertin bei Comparis, zu 20 Minuten.

Öko-Bonus bei Zurich am grössten

Dennoch: Wer die Versicherung für sein E-Auto optimiert, kann viel Geld sparen. Den grössten Preisunterschied gibt es bei der Zurich: Beim optimalsten Angebot unter Berücksichtigung aller risikorelevanten Faktoren zahlt der Besitzer eines eGolf von Volkswagen 729.50 Franken. Die Prämie kostet damit 56 Prozent weniger als beim Golf TDI mit Diesel und 50 Prozent weniger als beim Benziner Golf TSI.

Auch die Vaudoise und die Mobiliar vergeben grosszügige Ökorabatte von bis zur 46 Prozent (siehe Übersicht in der Bildergalerie). Keinen Ökorabatt für die untersuchten Autos gibt es bei der Axa. Die Prämie für den Diesel-Golf kostet gar 1 Prozent mehr, beim Benziner sind es 3 Prozent obendrauf.

Strategische Überlegungen

Doch warum vergeben Versicherer so grosszügige Ökorabatte? Bei der Zurich gibt man sich umweltbewusst. «Zurich Schweiz gibt seit Jahren Prämienrabatte für Elektrofahrzeuge, weil wir uns für Innovationen einsetzen und uns mit verschiedenen Massnahmen wie nachhaltigen Investments für das Klima engagieren», teilte der Konzern mit.

Laut Mobilitätsexpertin Auer liegen die Gründe unter anderem beim Risikotarif: «Ökofahrer generieren statistisch weniger Schäden.» Daneben spielten auch strategische Überlegungen eine Rolle. «Versicherer richten ihre Geschäftspolitik zunehmend auf nachhaltige Kriterien aus.»

«Autokauf muss persönlichen Bedürfnissen entsprechen»

Auer betont, dass man bei einem E-Auto zwar je nach Anbieter von tieferen Prämien profitieren kann. «In einem Schadenfall gelten jedoch in der Regel für alle Versicherten dieselben Bedingungen und Leistungen.» Ob der Ökorabatt letztlich Fahrer mit einem Verbrennungsmotor benachteilige, müsse jeder für sich entscheiden. «Ein Autokauf muss in erster Linie den persönlichen Bedürfnissen entsprechen», so Auer.

Prämien sind aber nicht die einzigen Zückerli für Fahrer von E-Autos. Je nach Kanton fallen die Motorfahrzeugsteuern tiefer aus. Laut Touring Club Schweiz (TCS) zahlen Halter eines Tesla Model S in Freiburg, Genf, Glarus, Nidwalden, Obwalden, Solothurn oder Zürich gar keine Steuern. Zum Vergleich: In Genf belaufen sich die Abgaben für einen Porsche 911 Carrera mit Benzin 2043 Franken, für den Benziner Golf-TSI 157 Franken.

Nicht immer Vorteile für Öko-Auto

Trotz Öko-Rabattsystem können die Steuern für E-Autos je nach Kanton aber auch höher ausfallen (siehe Box). Der Grund: Die Kantone berücksichtigen für die Besteuerung Faktoren wie Motorart, Hubraum, Gewicht oder CO2-Ausstoss unterschiedlich. Da etwa der Kanton Schwyz Leistung und Gewicht eines Autos höher gewichtet, sind die Steuern für der Tesla bei 1364 Franken. Der Golf TSI wird mit 382 Franken besteuert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Armin am 18.04.2019 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sponsoren für wen?

    ... wer wird genau gesponsert? Jemand, der min. 30'000.- für ein Fahrzeug ausgibt, welches er i.d.R. nach wenigen Jahren durch ein neues ersetzt. Ich bin überrascht, dass vor allem RotGrün solches unterstützt - oder sind es genau diejenigen, welche sich solche "Boliden" leisten (können)?

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  • Elias Truttmann am 18.04.2019 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massstab....?

    Es sollte wie auch sonst bei den Steuern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit entscheidend sein. Wer eine 80'000 Franken teure Batterie auf Rädern durch die Landschaft kutscht, soll dafür blechen. Bei den Versicherungen wird sich das Problem von selber lösen. Bisher waren wohl viele Prius dabei, deren LenkerInnen man, zurückhaltend ausgedrückt, als "defensiv" bezeichnen kann.

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  • Fritz am 18.04.2019 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfall Entsorgung

    In 15 Jahren sind E Auto SONDERMÜLL schon nir der Batterien weg oder wie entsorgt ihr diese. Auch nur am nächsten Strsssenrand

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike G am 24.04.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    optimal kann man nicht steigern

    Sorry, es nervt mich immer wieder, wenn das Wort "optimal" noch gesteigert wird, da es schlicht nicht möglich ist. Man sprich nicht vom "optimalsten Angebot"

  • Globi am 23.04.2019 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Werden seit neuem die ökologischen Eigenschaften und nicht mehr das Risiko versichert?

  • Edison am 23.04.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Glühbirne

    die gute alte Glühbirne wurde durch eine ersetzt die man als Sondermüll entsorgen musste. Bravo Politik, ihr seid die besten.

  • Büezer am 23.04.2019 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Bauernfängerei

    ja ja das gab es damals mit den Erdgasauto auch.

  • Mech am 23.04.2019 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Wieso fördert man das so fest jeder soll selbst entscheiden was er fährt sonst ist es eine Bevormundung und das will ich in einer direkten Demokratie nicht haben!