Roaming

05. April 2014 08:30; Akt: 04.04.2014 15:55 Print

EU kippt Gebühren – Schweizer gehen leer aus

von Yves Hollenstein - Das EU-Parlament schafft bis Ende 2015 die Roaming-Gebühren ab. Das könnte im schlimmsten Fall sogar zu höheren Preisen für Schweizer Kunden führen.

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EU-Bürger sollen in ihren Ferien keine Roaming-Gebühren mehr bezahlen müssen Schweizer Touristen können davon nicht profitieren. (Bild: Keystone/AP/mel Evans)

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Wer auf Reisen im Ausland mit dem Handy telefoniert oder im Internet surft, soll nach dem Willen des Europaparlaments ab Ende 2015 keine Extragebühren mehr dafür bezahlen müssen. Dies beschloss das EU-Parlament am Mittwoch. Nun müssen auch noch die einzelnen EU-Staaten zustimmen.

Geraten die Schweizer Mobilfunkanbieter nun unter Zugzwang und werden ebenfalls die Roaming-Gebühren aufheben? Swisscom, Orange und Sunrise winken unisono ab. Als Schweizer Unternehmen könne die Swisscom nicht automatisch mit der EU mitziehen, sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze: «Wir müssen die Preise weiter mit jedem Anbieter in der EU einzeln verhandeln.» So muss jeder Schweizer Anbieter mit jedem einzelnen seiner Pendants im Ausland die Preise vertraglich festlegen.

Sunrise-Sprecher Roger Schaller hält es sogar für sehr gut möglich, dass der EU-Entscheid negative Preiskonsquenzen für die Schweizer Kunden hat. Durch das Wegfallen der Roaming-Gebühren würden den Anbietern in der EU Einnahmen verloren gehen, «diese könnten sie nun auf uns abwälzen, wenn wir die neuen Verträge aushandeln». Grundsätzlich seien die Schweizer Anbieter aber bemüht die Preise tief zu halten, sagt Orange-Sprecherin Therese Wenger: «Wir haben grosses Interesse daran, dass die Schweizer ihr Handy auch im Ausland benutzen.»

Preise dürften weiter sinken

Gemäss eigenen Angaben haben alle drei Schweizer Mobilfunkanbieter ihre Roamingpreise in den letzten Jahren stark gesenkt. «Schon vor dem EU-Entscheid sind die Schweizer Anbieter aus dem Dornröschenschlaf erwacht», sagt Ralf Beyeler, Telekomexperte bei Comparis. Nun hätten Schweizer Daten-Roamingpreise EU-Level. Und immerhin: «Die Preise dürften mittelfristig noch weiter sinken», so Beyeler.

Keine Handlungsabsichten hegt auch der Bund. «Der Entscheid der EU hat keine unmittelbaren Konsequenzen für die inländische Mobilfunklandschaft», sagt Rolf Lobsiger, Sprecher des Bundesamts für Kommunikation (Bakom). Bis Ende dieses Jahres werde das Bakom aber einen Bericht verfassen und dem Parlament einreichen. Dieser solle aufzeigen, was für Regulierungsmöglichkeiten der Bund hätte, würden die Mobilfunkanbieter die Roamingpreise nicht von sich aus weiter senken.

Politische Forderung

Der Druck auf die Mobilfunkanbieter erhöht sich auch von politischer Seite. Die Junge BDP fordert in einem Communiqué den Bundesrat auf, die Gespräche mit der EU zu suchen, so dass die Roaming-Gebühren auch in der Schweiz bis Ende 2015 aufgehoben werden. Unterstützt wird die Jungpartei von der BDP-Fraktion im Bundeshaus.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PhilK am 05.04.2014 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So pervers kontrovers...

    ... unsere lieben Politiker argumentieren. Sonst muss alles EU kompatibel sein, aber wenn die Bevölkerung einmal nicht dafür zahlen sondern davon profitieren könnte, dann eben nicht. Ein Riesen PFUI nach Bern!

  • Roaming Man am 05.04.2014 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kreativität statt Jammerei

    Schon mal auf die Idee gekommen in der EU eine Prepaid Karte zu kaufen und diese mit einem Zweithandy zu nutzen? Günstig telefonieren im Ausland ohne Registrierung. In Österreich problemlos möglich

    einklappen einklappen
  • P. Meury am 05.04.2014 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfacher Ausweg - schon heute.

    Tja, am Besten kauft man vor Ort eine Prepaidcard und umgeht das Problem.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Legoland am 07.04.2014 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Basta

    Wir sind nicht in der EU - es liegt in der Hand der Schweiz, ohne Rückfrage bei der EU !, die Gebühren zu senken - basta

  • Willi Sauer am 07.04.2014 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Da kann sich das Polit-Bern

    mal selber an der Nase nehmen. Die EU hat damit für einmal herzlich wenig zu tun .......

  • soziba am 06.04.2014 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    das soll einer verstehen

    sonst muss alles Turbo mässig EU sein - aber wen es um cash geht findet man tausend Gründe es nicht anzupassen.

  • sabi am 06.04.2014 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mecker mecker

    ist doch völlig pip wie pap. das ist die völlig überteuerte schweiz.

  • Daniel am 06.04.2014 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz im Abseits

    Wer wie die Schweiz stets im Abseits steht, darf sich weder wundern, noch beklagen, wenn unser Land leer ausgeht. Der ach so kluge Eidgenosse hat immer noch nicht begriffen, welcher Partei er diesen Schlamassel zu verdanken hat.