EU-Pläne

04. April 2019 16:48; Akt: 04.04.2019 16:48 Print

Erst blasen, dann losfahren

Um die Zahl der Verkehrstoten zu senken, hat die EU diverse Massnahmen durchgewinkt. Auch die Voraussetzung für Alcolocks sollen geschaffen werden.

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Um die Sicherheit auf Europas Strassen zu erhöhen, haben die Unterhändler des Europäischen Parlaments Ende März diverse Massnahmen durchgewunken – unter ihnen auch Alkohol-Wegfahrsperren, die bald in allen Autos eingebaut werden sollen. Ein Alcolock besteht aus zwei Bestandteilen: einem in Reichweite des Fahrersitzes angebrachten Handgerät zum Reinblasen samt einer Messanzeige und einer Steuereinheit, die normalerweise unterhalb der Armaturenabdeckung installiert wird. Einsteigen, blasen – und erst dann losfahren: Was für Busfahrer, Lokführer und Taxifahrer in skandinavischen Ländern bereits zum Alltag gehört, soll laut EU bald potenziell für jeden Autofahrer Realität werden. Diverse Massnahmen: Geht es nach der EU, sollen ab 2022 alle Neuwagen auch mit einem automatischen Speed-Limiter ausgestattet sein. Das ISA-Assistenzsystem bremst automatisch ab, wenn die vorgeschriebene Geschwindigkeit überschritten wird. Für kurzzeitige Beschleunigungen lässt es sich aus Sicherheitsgründen zwar ausschalten, doch danach bremst es das Auto automatisch wieder ab. Ziel dieser neuen Vorgabe aus Brüssel ist die Reduzierung der Verkehrsunfälle in den nächsten 15 Jahren um bis zu 30 Prozent. Neben der Tempobremse sind weitere Massnahmen geplant. Unter anderem sollen alle Neuwagen mit einer Blackbox wie im Flugzeug ausgestattet werden. So können Unfälle besser ausgewertet werden. Rund 30 Hightech-Assistenten sollen in Autos künftig serienmässig installiert werden. Neben dem ISA zählen dazu auch Warnsysteme, die den Fahrer bei Müdigkeit oder Ablenkung alarmieren. Einige dieser Systeme sind in Premium-Modellen bereits eingebaut. Neu sollen sie aber in allen Neuwagen Pflicht werden. ETSC-Direktor Antonio Avenoso vergleicht den Schritt mit der Einführung der Anschnallpflicht. Experten sehen das grüne Licht für die neuen Vorschriften im September als reine Formsache.Was für viele noch wie Science-Fiction klingen mag, dürfte also bald Realität werden. Ende März haben Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten in Brüssel den Vorschlägen zugestimmt. Allerdings sind Meldungen, dass die EU ab 2022 die serienmässige Einführung von sogenannten Alcolocks plant, nicht ganz korrekt. Brüssel will lediglich «das Ausrüsten von Neufahrzeugen ab 2022 mit einer technischen Vorbereitung zum Einbau von Alcolocks» vorschreiben lassen, wie der TCS auf Anfrage präzisiert.

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Einsteigen, blasen – und erst dann losfahren: Was für Busfahrer, Lokführer und Taxifahrer in skandinavischen Ländern bereits zum Alltag gehört, soll laut EU bald für jeden Autofahrer gelten. Denn um die Sicherheit auf Europas Strassen zu erhöhen, haben die Unterhändler des Europäischen Parlaments Ende März diverse Massnahmen abgesegnet – unter ihnen auch Alkohol-Wegfahrsperren, die bald in allen Autos eingebaut werden sollen.

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Allerdings sind Meldungen, dass die EU ab 2022 die serienmässige Einführung von sogenannten Alcolocks plant, nicht ganz korrekt. Brüssel will lediglich «das Ausrüsten von Neufahrzeugen ab 2022 mit einer technischen Vorbereitung zum Einbau von Alcolocks» vorschreiben lassen, wie der Touring-Club Schweiz auf Anfrage präzisiert.

Blasen wie beim Polizisten

Zu vergleichen ist das in etwa mit einer Handyvorbereitung im Auto. Damit würde der Einbau der Technik, der zurzeit noch über tausend Franken kostet, bei Bedarf deutlich günstiger. Heute besteht ein Alcolock aus zwei Bestandteilen: einem in Reichweite des Fahrersitzes angebrachten Handgerät zum Reinblasen samt Messanzeige und einer Steuereinheit, die normalerweise unterhalb der Armaturenabdeckung installiert ist.

Funktionieren tut die Sperre ähnlich wie eine Alkoholkontrolle durch die Polizei. Der Fahrer betätigt die Zündung. Darauf erscheint per Warnung die Aufforderung zur Atemprobe. Das Handgerät misst die Alkoholkonzentration der Luft, nach rund fünf Sekunden wird auf einer Anzeige das Ergebnis angezeigt. Liegt der gemessene Wert des Atemalkohols nicht über einem vorher programmierten Grenzwert, gibt das Steuergerät den Startstrom automatisch frei. Wird eine zu hohe Alkoholkonzentration in der Atemluft des Fahrers gemessen, blockiert das Steuergerät den Anlasser – und damit die Startfunktion des Motors.

Nur bei schweren Fällen

In Europa wird der Einbau von Alkohol-Wegfahrsperren ab Werk zurzeit ausschliesslich von Volvo angeboten. Dort heisst das System Alcoguard. Ein nachträglicher Einbau ist aber für fast alle Automarken möglich. Die Kosten für die Aufrüstung betragen in der Schweiz rund 1500 Franken. Geht es nach der EU, soll ab 2022 jeder Neuwagen serienmässig über die Voraussetzung verfügen, eine Wegfahrsperre einbauen zu können.

Hintergrund sind neue Zahlen über Unfälle im europäischen Strassenverkehr. Laut einer EU-Kommission kamen 2017 rund 25’300 Menschen bei Unfällen ums Leben; 90 Prozent der Unfälle gingen auf menschliches Versagen zurück. Dank den vorgeschlagenen Massnahmen, zu denen auch ein Müdigkeitsdetektor, eine Unfall-Blackbox sowie eine serienmässig eingebaute Tempo-Bremse gehören, sollen in den nächsten 15 Jahren rund 25’000 Verkehrstote vermieden werden.

Alcolock-Sperren kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn Alkoholmissbrauch ist in Europa für rund 25 Prozent der Verkehrstoten verantwortlich. Die EU führt deshalb seit Jahren Studien zur Wirksamkeit von Alkohol-Zündschlosssperren durch. Diese belegen, dass die Geräte bei alkoholauffälligen Fahrern bezüglich der Rückfälligkeit effektiver sind als herkömmliche Bestrafungsmethoden wie Führerausweisentzug oder Geldbussen.

Tatsächlich befürwortet auch der TCS den Einsatz von solchen Wegfahrsperren. Allerdings «nur bei Wiederholungstätern oder bei besonders gravierenden Fällen, bei denen mit einem Blutalkoholwert von mehr als 1,6 Promille ein Fahrzeug gelenkt wurde», wie man auf Anfrage von 20 Minuten mitteilt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jeremy am 04.04.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung und 100%ige Kontrolle

    Tja, bald werden wir aus Sicherheitsgründen kein Bier mehr trinken dürfen und müssen aus gesundheitlichen Aspekten zwischen 22 und 6 Uhr morgens schlafen. Ansonsten kostet die Krankenversichrrung extra/man erhält Strafpunkte.

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  • P. Romille am 04.04.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wird erst ...

    eingeführt, wenn Juncker nicht mehr EU-Oberjehu ist. Der müsste sonst jeden Abend heimlaufen!

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  • nikita am 04.04.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blas Aktion

    Dann bläst der nüchterne beifahrer und der betrunkene fährt los.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • N.Stadelmann am 05.04.2019 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnloses Gadget zum Geldmachen.

    Sobald wir selbstfahrende Autos haben wo wir lesen, liegen oder uns während der Fahrt besaufen können, ist diese Erfindung nur ein zeitlich begrenztes Ding zum Geld machen. übrigens, nur 10 % aller Unfälle werden durch Alk verursacht.... Was ist mit all den anderen unaufmerksamen am Handy?

  • Herr Schnitzler am 05.04.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also

    der Alk wird getestet, aber ich kann voll mit Medi und zugekifft sein. Im Zweifelsfall lasse ich den Mitfahrer pusten. Gehen denn alle davon aus, dass ich immer alleine fahre?

  • John Wayne am 05.04.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit das war einmal!

    Ein hoch auf die EU bis wir Bürger der totalitären Kontrolle unterliegen. Leute die so ein Fehlgebilde noch unterstützen kann ich bei bestem Willen nicht mehr verstehen! Die EU predigt Demokratie obwohl sie eines antidemokratischsten Konstrukte der Neuzeit ist.

  • Josef am 05.04.2019 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle über alles.

    Wie wäre es mit einer Kühlschrankkontrolle. Wer über einem bestimmten Zielgewicht ist, kriegt die Tür nicht auf. Bankkartenkontrolle. Wer noch zu wenig gespendet hat, kriegt keinen Zugang. Gegen die heutige Überwachung waren die alten Diktaturen geradezu Waisenknaben.

  • Funny Cello am 05.04.2019 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sexistisch

    Das ist aber sexistisch, wenn man den Frauen sagt, dass sie erst wegfahren können wenn sie geblasen haben