Wegen Bienensterben

29. April 2013 16:24; Akt: 29.04.2013 20:01 Print

EU verbietet Pestizide - Schweiz zieht nach

Nach der EU will auch die Schweiz drei Pestizide zur Behandlung von Saatgut verbieten. Dies soll dem Kampf gegen das Bienensterben dienen. Der Agrochemiekonzern Syngenta reagiert mit Unverständnis.

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Die EU geht gegen das Bienensterben vor und verbietet bestimmte Pestizide.

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Die Schweiz zieht beim Bienenschutz am gleichen Strick wie die EU. Nach der EU-Kommission will auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die Bewilligung von drei Insektiziden zur Behandlung von Raps- und Maissaatgut suspendieren. «Obwohl diese Pflanzenschutzmittel, sofern sie vorschriftsgemäss ausgebracht werden, kein unannehmbares Risiko für Bienen darstellen, erachtet das BLW die Sicherheitsmarge als klein», heisst es in einer Mitteilung vom Montag.

«Während der Suspendierung sollen Techniken entwickelt werden, mit welchen das Risiko für Bienen reduziert und die Sicherheitsmarge erhöht werden kann», so das BLW weiter. Das BLW sowie die EU ziehen mit ihren Entscheidungen die Konsequenzen aus einem Gutachten, das die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) Mitte Januar veröffentlichte. Darin sieht die Efsa ein «hohes, akutes Risiko» für Bienen durch die drei Stoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam.

Greenpeace noch nicht zufrieden

Greenpeace begrüsst den Schritt des BLW, eine Bewilligungseinschränkung einzelner Bienengifte vorzusehen. Doch: «Der Bienenschutz steht und fällt mit der konkreten Umsetzung, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollumfänglich definiert ist. Auch ignoriert das BLW weiterhin, dass selbst geringste Dosen dieser Wirkstoffe für Bienen schädlich sind», schreibt Greenpeace in einer aktuellen Mitteilung.

Richard Wyss, Präsident des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB), spricht von einem Etappensieg und fordert weitere Massnahmen: «Wir verlangen, dass der Pestizid-Einsatz in den nächsten zehn Jahren in der gesamten Landwirtschaft um ein Drittel reduziert wird.»

Syngenta wehrt sich

Der Agrochemiekonzern Syngenta reagiert mit Unverständnis auf die Ankündigung des BLW, einzelne Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln mit Wirkstoffen der Gruppe der Neonikotinoide zu suspendieren. «Der Schritt steht im Widerspruch zu früheren Beurteilungen des BLW und übernimmt ohne Not einen noch gar nicht erfolgten EU-Entscheid», schreibt das Unternehmen. Ausserdem fehlten die wissenschaftlichen Grundlagen.

«Eine Suspendierung von Neonikotinoiden rettet keinen einzigen Bienenstock. Ein voreiliges Verbot wäre auch in der Schweiz ein ökologischer und ökonomischer Rückschritt», wird Syngenta-GeschäftsführerChristian Koller in der Mitteilung zitiert.

Syngenta hatte sich bereits Mitte Januar gegen die EFSA-Studie zur Wehr gesetzt. Diese sei offensichtlich unter politischem Druck und übereilt verfasst worden, so der Agrochemiekonzern seinerzeit. Der in lediglich drei Monaten erstellte Bericht sei nicht nur mit vielen Unsicherheiten behaftet; er berücksichtige auch nicht die umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen, die im Vorfeld der Produktelancierung durchgeführt wurden, noch die seither während vieler Jahre gemachten Feldbeobachtungen.

(sza/vb/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xi am 29.04.2013 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit chemie

    Das Risiko muss nicht reduziert sondern angeschafft werden.!

  • henry miller am 30.04.2013 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    zu spät

    die schweiz beweist, dass sie auch ohne eu-beitritt mitmachen kann. in diesem falle ist es absolut unerlässlich dass man am selber strick zieht. hoffe mit erfolg, obwohl nach meiner einschätzung diese "hilfsaktion" zu spät angesetzt wird.

  • Chris am 29.04.2013 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauern

    Ich bin kein Bienenexperte und weiss nicht wie viel Aufwand dies bedeuten würde, aber könnte man nicht Bauern verpflichten je nach Grösse des Hofes eine bestimmte Anzahl von Bienen zu halten? In der Landwirtschaft werden die ja vor allem auch gebraucht und so feht das wissen nicht verloren. Die Bauern könnten von Coop und Migros etc. gut(!) entschädigt werden, die ja schliesslich auch davor profitieren würden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • j.d. am 30.04.2013 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    siehe

    "Diese sei offensichtlich unter politischem Druck und übereilt verfasst worden, so der Agrochemiekonzern seinerzeit." wie lächerlich, dabei wird doch geraden diesen megakonzernen beim durchsetzen ihrer chemiekeulen imemr tatkräftig unter die arme gegriffen, niemand kann so schnell chemie "legalisieren" wie solch konzerne, die politik ist da auch da mal wieder nur fassade

  • max power am 30.04.2013 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Geissel der Menschheit

    Die Biotech-Konzerne sind die moderne Geissel der Menschheit. Es ist schon so weit, dass es durch Lobby-Arbeit soweit kommen kann, dass die EU (und dann die Schweiz) nur noch zugelassene Samen zum Verkauf und zur Weitergabe zulässt. Stellt euch das mal vor, alle alten und seltenen Sorten sterben aus und nur noch die Gentech-Saat von Monsanto, Syngenta, Dupont und anderen Kriminellen wird angebaut. Die können die Preise für die Samen dann bestimmen wie sie wollen. Dazu kommt, dass sie den Bauern verbieten Samen aus der Ernte im nächsten Jahr auszusähen, d.h. jedes Jahr muss neu gekauft werden!!

  • peter broennimann am 30.04.2013 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich kapiert, 5 vor zwölf!

    Die "Söiplaatere" werden endlos gefüllt, bis die Alarmglocken nicht mehr zu übertönen sind!

  • Handyloser am 30.04.2013 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Auch andere Ursachen

    Das Insektizide auch eine Ursache des Bienensterben sind ist sicher unbestritten. Aber es muss noch andere Ursachen geben. In den Bergen wo keine Pestizide eingesetzt werden findet das Binnensterben in gleichem Ausmass statt wie in Ackerbauregionen. Seit längerem werden auch Handynetze als Ursache gehandelt, wiso werden diese nicht auch einfach ausgeschaltet????

  • Dani am 30.04.2013 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Populismus

    für das Bienensterben ist hauptsächlich die Milbe verantwortlich. Natürlich ist es im Prinzip nicht schlecht wenn Chemie in der Landwirtschaft verboten werden. Dann sollte aber auch etwas dafür gemacht werden, dass Lebensmittel möglichst nahe produziert werden.

    • max power am 30.04.2013 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte erst informieren

      Lieber Dani, bitte informiere dich doch erstmal richtig, bevor du einfach nachplapperst was die Chemiekonzerne von sich geben. Ein guter Kumpel von mit ist Imker und glaub mir, es ist nicht nur die Milbe.

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