Minus 0,5 Prozent

12. September 2019 13:46; Akt: 12.09.2019 14:12 Print

EZB verschärft Strafzins für Banken

Der sogenannte Einlagensatz ist auf minus 0,5 gesenkt worden. Zudem nimmt die Europäische Zentralbank die umstrittenen Anleihenkäufe wieder auf.

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Er gibt im Oktober das Amt ab: EZB-Chef Mario Draghi. (Bild: Reuters/Ints Kalnins)

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Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt.

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre ultralockere Geldpolitik nochmals. Die achtjährige Amtszeit des Italieners endet am 31. Oktober 2019. Der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, bleibt unverändert auf diesem Niveau.

Dass die Notenbank erneut nachlegen würde, war erwartet worden. Angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schwäche des Welthandels seien «signifikante geldpolitische Impulse» notwendig, hatte Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates vor sieben Wochen gesagt.

Bisher mussten Geschäftsbanken 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken - eine Milliardenbelastung für die Finanzbranche im Euroraum. Dieser negative Einlagensatz wird nun auf minus 0,5 Prozent verschärft.

Ziel ist höhere Teuerung

Mit dem Strafzins wollen die Währungshüter die Institute dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher auszureichen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken. Um die Banken etwas zu entlasten, führt die EZB einen Staffelzins für bestimmte Freibeträge ein.

Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Das Zwei-Prozent-Ziel der EZB ist jedoch in weite Ferne gerückt: Im August verharrte die Inflation in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung bei 1,0 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Mit einer Neuauflage von Wertpapierkäufen will die EZB Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. Ab 1. November sollen monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen gesteckt werden. Ein genaues Ende der Käufe legte der EZB-Rat zunächst nicht fest.

Keine Änderungen erwartet

Ende Dezember hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen vorerst beendet. Seit Januar fliesst kein frisches EZB-Geld mehr in diesem Rahmen, Gelder aus auslaufenden Wertpapieren werden jedoch reinvestiert. Von März 2015 bis Ende 2018 steckte die EZB rund 2,6 Billionen Euro in Anleihen.

Der Kauf von Staatsanleihen hilft den Eurostaaten, sich günstiger frisches Geld zu besorgen. Denn wenn die EZB grosse Bestände aufkauft, müssen sie für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten. Zugleich pumpt die Notenbank über Wertpapierkäufe viel Geld in den Markt. Das soll der Inflation auf die Sprünge helfen.

An der expansiven Ausrichtung der Geldpolitik wird sich aller Voraussicht nach so schnell nichts ändern: Draghis designierte Nachfolgerin an der EZB-Spitze, die Französin Christine Lagarde, hat bereits deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält. Die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagte aber auch: «Wir müssen die negativen Folgen und Nebeneffekte im Blick behalten.»

Sparer müssen sich auf jeden Fall weiterhin gedulden, ehe es wieder höhere Sparzinsen gibt. Womöglich geben Banken zudem die Kosten für die EZB-Strafzinsen künftig an einen grösseren Kundenkreis weiter.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 12.09.2019 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    ein weiteres Trauerspiel....

    die Giftschränke der EZB werden weiter gefüllt mit dem Kauf von morbiden Staatsanleihen. Gemäss Maastrichter Verträgen ist das klar verboten, denn es handelt sich um Staatenfinanzierung, und um nichts anderes. Die Enteigung des Bürgers geht weiter. Mir tun die jungen Menschen leid, die eine PK Verzinsung von gleich Null haben werden für die nächsten 20 Jahre....Schöne Aussichten fürs Alter mit einer Rente von Fr. 2500 leben zu müssen....d.h. wer nicht erbt, hat verloren im Alter. Da kommen horrende Probleme auf uns zu.

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  • P. Cunia-Nonolet am 12.09.2019 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich tut er das

    Deshalb wurde er von GS ja in diesen Job delegiert. Und uns Normalsterbliche wird er endgültig verarmen. Dieser Mann gehört hinter Gitter. Einer der grössten Wirtschaftverbrecher aller Zeiten. Die Zeit wird das belegen. Je länger das andauert, desto tiefer wird der Fall werden und desto weniger Möglichkeiten werden die Notenbanken noch haben, um diesen tiefen Fall abzudämpfen. Vollgas in Richtung Katastrophe. Und unser NBler wird sicherlich auch gleich nach ziehen. (hier müsste jetzt eigentlich noch ein Kraftausdruck hin, worauf aber aus nahe liegenden Gründen verzichtet wird)

  • Systemkritiker/Freigeist am 12.09.2019 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Der grosse Minotaurus

    Naja, der Crash hätte schon längstens stattfinden sollen. Man hat mit allen Tricks versucht, ihn zu umgehen, mit dem Wissen dass er immer verherendere Dimensionen annehmen würde und nun sind wir kurz vor dem Ende dieses verlogenen Geldsystems! Geniesst euer Geld noch, solange es "Wert" hat. Alle Zeichen stehen auf rot - schaue in die Vergangenheit und lerne daraus..!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrik am 14.09.2019 05:53 Report Diesen Beitrag melden

    Erbschaftssteuer

    und diejenigen, die eine Erbschaft in Aussicht haben, werden zu mindestens 50% Erbschaftsteuer bestraft.

  • Butch am 13.09.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh's nicht!

    Wie soll da eine Inflation entstehen, wenn Geld im Überfluss vorhanden ist und wird ein wenig gebraucht, dann wird gleich Geld wieder hinterher geschmissen? Wäre das Ziel eine Inflation herbei zu führen, käme es zu einer Zinsanhebung, da enorm viel Geld vorhanden ist. Oder sind das etwa Fake News von den Medien?

  • Desmodus am 13.09.2019 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überforderte Politiker

    Der Kleinsparer wird beraubt, die AHV- und die PK-Guthaben werden an Substanz verlieren, unsere Politclique checkt dies nicht einmal.

  • Roger am 13.09.2019 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung bitte

    Banken parkieren Geld bei der EZB zahlen Strafzinsen und die EZB wirft den Banken noch mehr Geld zu? Die Banken würden gescheiter Zinsen Ihren Kunden zahlen, dass stützt auch die Wirtschaft!

    • Butch am 13.09.2019 22:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Roger:

      1. Banken zahlen Strafzins auf ihr parkiertes Geld bei der EZB. 2. Dies geschieht deshalb, damit die Banken nicht zu viel Geld bei der EZB beziehen. 3. Gebe ich Dir recht: So würde das Geld besser verteilt; zumindest ein wenig.

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  • Tom am 13.09.2019 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ist halt ein Italiener...

    Ist halt ein Italiener. Sie bringen ihr eigenes Land in den Ruin und nun auch noch Europa. Der Draghi hat zuviel Macht und der Rest von Europa sieht zu wie das ganze den Bach runter geht, verstehe ich nicht

    • Draghula am 13.09.2019 21:17 Report Diesen Beitrag melden

      ... oder doch ghackets.

      Die Gretchenfrage wird sein; ob final unser Rechtsstaat dies aushält.

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