Geldpolitik

05. September 2013 17:14; Akt: 05.09.2013 17:31 Print

EZB bleibt im Krisenmodus

Die Währungshüter halten das Geld im Euroraum trotz verbesserter Konjunkturaussichten extrem billig. Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins weiter auf Rekordtief.

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Die Europäische Zentralbank in Frankfurt setzt ihre Geldpolitik fort. (Bild: Keystone)

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«Die Geldpolitik wird so lange wie nötig locker bleiben. Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem derzeitigen Niveau oder darunter bleiben», sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Im Frühjahr hat der Euroraum die Rezession nach eineinhalb Jahren hinter sich gelassen. Doch die Erholung verlaufe sehr langsam, und die Risiken seien weiter hoch.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess den Leitzins im Euroraum am Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Angesichts der niedrigen Inflation im Euroraum von zuletzt 1,6 Prozent im August müssen die Währungshüter vorerst nicht an der Zinsschraube drehen.

Schnellere Erholung der Wirtschaft

Nach Einschätzung Notenbank wird die Konjunkturschwäche im Euroraum schneller enden als bisher erwartet. Nach den neuesten Prognosen erwartet die EZB, dass die Wirtschaft im Währungsgebiet im laufenden Jahr nur um 0,4 Prozent schrumpfen wird. Im Juni war die EZB noch von minus 0,6 Prozent ausgegangen. Für 2014 sagt die Notenbank nun 1,0 statt 1,1 Prozent Wachstum vorher.

Die Inflation im Euroraum sehen die Währungshüter 2013 nun bei 1,5 (bisher 1,4) Prozent und 2014 weiterhin bei 1,3 Prozent. Damit würde die jährliche Teuerung deutlich unter der Warnschwelle der EZB von 2,0 Prozent bleiben.

Draghi gab sich alle Mühe, die konjunkturellen Perspektiven nicht in zu positivem Licht erscheinen zu lassen. «Es ist erst der Beginn einer Erholung. Die Triebe sind noch sehr jung». Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum seien mit grossen Risiken behaftet, sagte er. Eines der Risiken sei auch der Konflikt in Syrien und die internationale Reaktion auf den mutmasslichen Giftgasangriff des Regimes in Damaskus. «Wir sind deshalb alarmiert», sagte Draghi.

Mehr Klarheit gefordert

Anders als die EZB hat die US-Notenbank Fed schon im Mai eine geldpolitischen Wende angedeutet, die Pläne für den schrittweisen Ausstieg aus ihrem milliardenschweren Anleihenkäufen aber noch nicht präzisiert. Mit dem Programm sollen die Langfristzinsen gedrückt werden, um die Konjunktur zu beleben. Nach ihrem am Mittwoch vorgelegten Konjunkturbericht (Beige Book) ist die US-Wirtschaft im Juli und August erneut «mässig bis moderat» gewachsen.

Unterdessen forderte der Internationale Währungsfonds (IWF) von den wichtigsten Notenbanken mehr Klarheit über deren Kurs. «Eine klare Kommunikation über die Absichten der Notenbanken ist entscheidend, um neue Finanzexzesse oder abrupte Verschiebungen von Kapitalströmen zu verhindern», heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten IWF-Bericht für den G20-Gipfel.

Turbulenzen in den Schwellenländern

Nach Einschätzung des IWF gäbe es «Spielraum für eine bessere Kooperation» in der Frage, wann und wie die Notenbanken aus ihren unkonventionellen Massnahmen zur Stützung der Finanzmärkte aussteigen.

Hintergrund sind die Turbulenzen an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer vor allem in Asien. Dort hatten Investoren in den vergangenen Wochen massenhaft Kapital abgezogen. Neben hausgemachten Problemen in den Schwellenländern gilt die absehbare Verringerung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank Fed als wichtigster Grund dafür.

(sda)

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