Coronavirus

19. März 2020 02:08; Akt: 19.03.2020 08:56 Print

EZB startet 750-Milliarden-Euro-Notfallprogramm

Die EZB kündigt ein Programm im Kampf gegen die Folgen der Coronavirus-Pandemie an.

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Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie hat die Europäische Zentralbank EZB ein Notkaufprogramm für Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro angekündigt. Es soll dabei um Wertpapiere der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft gehen.

Dies teilte die EZB am späten Mittwochabend mit. Das Programm werde beendet, sobald der EZB-Rat die Coronavirus-Krise für bewältigt halte, aber nicht vor Jahresende, hiess es weiter. Der EZB-Rat hatte zuvor eine ausserordentliche Konferenz abgehalten.

«Aussergewöhnliche Zeiten erfordern aussergewöhnliches Handeln», schrieb EZB-Chefin Christine Lagarde auf Twitter später. «Wir sind im Rahmen unseres Mandats entschlossen, das volle Potenzial unserer Werkzeuge auszuschöpfen», betonte sie.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüsste die «aussergewöhnlichen» Massnahmen der EZB. Nun sei es an den Ländern der Eurozone, grössere «finanzielle Solidarität» an den Tag zu legen und bereit zu Eingriffen in die Staatshaushalte zu sein.

Griechenland mit von der Partie

Der EZB-Rat weichte auch bestehende Kriterien auf, welche Papiere von der Notenbank angekauft werden können. Die EZB stehe bereit, den Rahmen des Programms wenn nötig auszuweiten, genauso wie die Kriterien der in Frage kommenden Wertpapiere, «so viel wie nötig und so lange wie nötig», hiess es weiter. Auch griechische Anleihen sind damit Teil des Programms. Bisher waren sie von den laufenden Anleihekäufen aufgrund ihres schwachen Kreditratings ausgeschlossen.

Die Käufe würden bis Ende 2020 durchgeführt. Die EZB sei entschlossen, die finanziellen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle Bereiche der Wirtschaft die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie meistern könnten, hiess es weiter. «Das gilt gleichermassen für Familien, Firmen, Banken und Regierungen.» Im Rahmen des neuen Ankaufprogramms kann die EZB auch Staatsschulden Griechenlands ankaufen, erklärte die Zentralbank.

Die Währungshüter erklärten zudem, der EZB-Rat stehe bereit, wenn nötig den Umfang der Anleihenkaufprogramme noch zu erhöhen und ihre Zusammensetzung zu ändern. «Er wird alle Optionen und Eventualitäten ausloten um die Wirtschaft während dieses Schocks zu unterstützen», erklärte die EZB.

Verpuffen an den Börsen

Europas Währungshüter hatten bereits vergangene Woche ein Bündel von Massnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie beschlossen. 120 Milliarden Euro zusätzlich wird die EZB bis zum Ende dieses Jahres in Anleihenkäufe stecken. Mit Hilfe besonders günstiger Langfristkredite wollen die Währungshüter Banken ferner dazu bewegen, vor allem kleine und mittelgrosse Firmen mit Geld zu versorgen. Zudem stellten weltweit führende Notenbanken die Versorgung des Finanzsystems mit der Weltreservewährung US-Dollar sicher. Bisher waren die Massnahmen an den Aktienmärkten aber weitgehend verpufft.

Die EZB ist aber nach Worten von Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau fest entschlossen, ein Auseinanderdriften der Eurozone zu verhindern, sagte der französische Notenbankchef in einem Interview mit der Zeitung «Les Echos» am Mittwoch.

(sda)