Skandale und Druck

28. Dezember 2012 14:28; Akt: 31.12.2012 12:15 Print

Ein Bankenplatz geht durchs Fegefeuer

Das Jahr begann mit dem Rücktritt von SNB-Präsident Hildebrand und endete mit einer Rekordbusse für die UBS. Aber auch dazwischen war einiges los auf dem Schweizer Bankenplatz.

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2012 fegten etliche Stürme über den Bankenplatz Schweiz. (Bild: Keystone)

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2012 wird als ereignisreiches Jahr für den Schweizer Bankensektor in die Geschichte eingehen. Der Nationalbankpräsident trat zurück, die Privatbank Wegelin brach zusammen und das Bankgeheimnis kam immer stärker unter Druck. Die UBS musste wegen jahrelanger Manipulationen des Libor-Zinssatzes 1,4 Milliarden Franken zahlen.

Im Zuge einer Affäre um private Devisengeschäfte warf der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, am 9. Januar das Handtuch. Er stolperte über US-Dollar-Geschäfte, die unmittelbar vor der Einführung des Euro-Mindestkurses auf seinem Konto bei der Bank Sarasin getätigt wurden. Hildebrand beteuerte, seine Frau habe die Transaktionen getätigt.

Hildebrand kann Unschuld nicht beweisen

Der Thurgauer Anwalt und SVP-Kantonsrat Hermann Lei spielte der «Weltwoche» Bankdaten zu, die ein Sarasin-Mitarbeiter gestohlen haben soll. In der Ausgabe vom 5. Januar warf das Blatt Hildebrand daraufhin vor, selbst mit Devisen gehandelt zu haben.

Der SNB-Präsident bestritt dies bis zum Schluss. Er könne seine Unschuld aber nicht beweisen, erklärte er, als er kurze Zeit später von seinem Posten zurücktrat. Er begründete den Rücktritt damit, dass die Affäre die Glaubwürdigkeit der Notenbank zu beeinträchtigen drohe.

Vizepräsident Thomas Jordan übernahm interimistisch die Führung der SNB. Im April wurde er vom Bundesrat zum neuen Präsidenten der Nationalbank ernannt. Philipp Hildebrand seinerseits wechselte in die Privatwirtschaft und wurde im Oktober stellvertretender Vorsitzender beim Vermögensverwalter Blackrock.

Wegelin stolpert über Ex-UBS-Kunden

Nur kurze Zeit nach Hildebrands Rücktritt wurde der Finanzplatz erneut erschüttert: Nachdem drei Mitarbeiter in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt worden waren, verkaufte die traditionsreiche Bank Wegelin Ende Januar alles ausser dem US-Geschäft an die Raiffeisenbank.

Wenig später erhob das amerikanische Justizministerium auch gegen Wegelin selbst Klage. Die Privatbank hatte offenbar Kunden der UBS übernommen, die ihr Geld vor dem Fiskus versteckten und fürchteten, von den US-Behörden ertappt zu werden.

USA ermittelt gegen Schweizer Banken

Neben regelmässigen Anklagen gegen Schweizer Banker in den USA prägte eine Flut von Auskunftsgesuchen aus Washington das Jahr 2012. Die amerikanischen Behörden ermitteln gegen mindestens elf Schweizer Banken, darunter die Credit Suisse, Julius Bär sowie die Zürcher und Basler Kantonalbanken.

Umstritten war die Lieferung von Bankdaten, welche die Namen von Mitarbeitern und Daten zu Transaktionen umfassten. Im Dezember unterzeichneten die Schweiz und die USA ein Abkommen zum US-Steuergesetz FATCA. Dieses erlaubt Washington die Besteuerung der Vermögen von Amerikanern im Ausland.

Das Dokument garantiert, dass sämtliche Konten von US-Bürgern bei Schweizer Banken den amerikanischen Behörden gemeldet werden. Verweigert ein Kunde seine Zustimmung zur Meldung, muss das Finanzinstitut 30 Prozent auf Zahlungen aus den USA erheben. Eine solche prohibitive Quellensteuer käme laut Finanzdepartement einem faktischen Ausschluss schweizerischer Finanzinstitute vom grössten Kapitalmarkt der Welt gleich.

Deutsche Opposition versenkte Abkommen

Auch mit Grossbritannien und Österreich einigte sich die Schweiz auf Abkommen in der Steuerpolitik. Sie treten am 1. Januar 2013 in Kraft. Das Abkommen über eine Abgeltungssteuer mit Deutschland scheiterte hingegen am Widerstand der deutschen Oppositionsparteien, die den Vertrag in der Länderkammer des Parlaments ablehnten.

Die Verhandlungen mit Griechenland und Italien laufen noch. Auch der französischen Regierung will die Schweiz die Abgeltungssteuer schmackhaft machen. Präsident François Hollande bezeichnete diese aber bereits als Amnestie für Steuersünder.

Libor-Skandal

Im Dezember zeigte sich, dass die UBS viel tiefer in den Skandal um die Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes verwickelt ist, als sie in den vergangenen Monaten glauben machte. Die grösste Schweizer Bank schloss deshalb einen Vergleich mit den Behörden in den USA und in Grossbritannien ab, bezahlte eine Busse von 1,4 Milliarden Franken und bekannte sich in Japan des Betrugs schuldig. «Wir bedauern dieses unangemessene und unethische Verhalten zutiefst», liess sich Konzernchef Sergio Ermotti zitieren.

Wegen der Bussen sowie weiterer Rückstellungen stellt die UBS für das vierte Quartal einen Reinverlust von zwei bis zweieinhalb Milliarden Franken in Aussicht. Zahlreiche fehlbare Mitarbeitende wurden entlassen, wie es im Bericht der Finma heisst.

(whr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • daniel lüti am 28.12.2012 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Banker im Limit

    Arroganz, Abzocker, Betrug, Verschleiern -> Banker. Ja, jetzt ist halt genug.

  • Georges Dubi am 28.12.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Unschuldig?

    So viel ich weiss, müssen keine Unschuldigen durchs Fegefeuer!

  • Julius Bankus am 28.12.2012 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bankennation

    Eine Bankennation wird abgeschafft ist wohl treffender

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gargamel am 28.12.2012 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Systemrelevanz durchbrechen

    Es darf nicht sein, dass eine normale Unternehmung - und nichts anderes sind Banken - "Systemrelevant" sind und eine ganze Wirtschaft oder gar die globale Wirtschaft gefährden. Daraus müssen wir die Lehren ziehen. Die Globalisierung des Geldes ist fehlgeschlagen. Abzockerinitiative annehmen, die Schweiz wird dann auch uninteressant für überzahlte "Manager" bzw. Verbracher. Was wir brauchen sind Unternehmer, die sich tatsächlich für die Firmen interessieren, die sie führen! Systemwechsel ist angesagt!

  • Marc Thomas am 28.12.2012 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bankgeheimnis schadet der Schweiz

    Die schweizer Grossbanken konnten den Hals nicht voll genug kriegen und nun steht ihnen bald das Wasser an demselbigen. Dieses Mal wird der Staat sie hoffentlich nicht wieder raus kaufen. Sie haben sich selbst zu zu schreiben, das sie in grossen Teilen der Welt ihren einst guten Ruf verspielt haben. Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Sollen sie ihre Probleme selbst lösen. Weg mit einem Bankgeheimnis das nur den Unehrlichen und Betrügern dient. Es schadet der Schweiz nur noch.

  • Herr Zweifel am 28.12.2012 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen weg!

    Jede Woche ein neuer Skandal um UBS und Co, das ist doch beschämend! Dass sich duese Banken und die verantwortlichen dort nicht abgrundtief schämen verstehe ich nicht! Jeder andere Betrieb würde intern aufräumen und mit alken Mitteln das Vertrauen wieder herzustellen versuchen aber nicht die Banken, die betrügen wacker beim Libor, lassen den Adoboli mehrere Milliarden in den Sand setzen und entlassen dann schnell mal 10% der Belegschaft...solche Unternehmen können doch auf Dauer wirtschaftlich nicht funktionieren, wer traut diesen Banken denn noch?

    • Insider am 29.12.2012 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Laaaaange

      Die Gier ist Treiber hinter dem ganzen. Sowohl bei den Banken als auch bei Kunden und/oder Aktionären. Alle wollen mehr. Und sie Kriegen mehr. Das ganze funktioniert schon sehr lange so. Es wird auch noch sehr lange so weitergehen. Viele "Erfolgreiche" Banker die ich aus nächster Nähe kenne, sind im medizinischen Sinne Psychopathen. Die schlafen gut und tief, weil sie kein gewissen haben. Für "normale" Menschen ist das unvorstellbar, weil sie ein gewissen haben.

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  • Pavel Herzig am 28.12.2012 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bankster

    Ein Diletant raubt eine Bank aus, ein richtiger Gauner macht eine auf. Darum heisst der Beruf ja jetzt auch Bankster. Schlimm ist nur, dass man heute im Ausland als Schweizer einen schlechten Ruf hat, man sollte die Bankster dafür belangen können.

    • Bank(st)er am 28.12.2012 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Teppichétage

      Hmm... Nein ich denke der korrekte Begriff ist "Bankkaufmann", bzw. "Bankkauffrau". 99% aller Bankangestellter können nichts für die Fehler der Teppichétage... Wie wäre es wenn Sie dies mal bedenken?

    • Frank am 29.12.2012 19:13 Report Diesen Beitrag melden

      Moral

      Nach Toucholski ist aber auch jeder Soldat ein potentieller Mörder, oder? Hier stellt sich doch die Frage nach Moral. Oder nicht? Ich finde das wort Bankster auf jedenfall in Ordnung. Steuerbetrug und Steuerhinterziehung in der Schweizer Verfassung? --> Das hat auch mit Moral zu tun und nicht mit der Bekämpfung eines Finanzplatzes.

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  • Hans Schmutz am 28.12.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Also...

    ... ich persönlich würde mir mehr Sorgen machen, wenn es keine Spitäler, Bauern, Feuerwehr, Einkaufscenter usw. geben würde. Banken sind wohl das ziemlich unnötigste in einem System. Soll sich die Nationalbank um die Grundaufgaben einer Bank kümmern - selbstverständlich nur unkostendeckend, dann gäbs auch mal Kredite zu vernünftigen Zinsen und damit auch die Möglichkeit für den kleinen Mann etwas eigenes aufzubauen. Sollen sich die "Pleite-Top-Manager" ihre überrissenen Gehälter in den USA holen, wenn sie den Hals nie voll genug kriegen.

    • Kreditnehmer am 28.12.2012 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ich brauche einen Kredit

      Wenn das so ist, hätte ich gerne einen 0% Kredit von Ihnen über 1'000'000 SFr. Bin leider schon etwas verschuldet, aber ich verspreche Ihnen, dass ich das Geld zurückzahlen werde...! Ich denke Sie würden mir diesen Kredit nicht gewähren, oder? Also bitte überlegen Sie soch nochmals, was Sie da genau geschrieben habe...

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