Wechselkurs-Probleme

27. Mai 2014 22:24; Akt: 27.05.2014 22:24 Print

Ein Euro-Strafzins würde auch die Schweiz treffen

von Laura Frommberg - Die Europäische Zentralbank dürfte schon bald neue Massnahmen gegen die Deflation einleiten. Das wird sich auch auf die Schweiz auswirken.

storybild

EZB-Präsident Mario Draghi: Bereit zu handeln. (Bild: Keystone/Arne Dedert)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Währungshüter in Frankfurt sind bereit zu handeln. Das machte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Konferenz der Europäischen Zentralbank in Portugal deutlich. Man sorge sich um die Preisstabilität in der Eurozone, eine Deflation gelte es zu verhindern, so Draghi. Auch Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, fordert, dass die Zentralbank ihren gesamten Werkzeugkasten ausschöpft. Genau das dürfte nun geschehen.

Am Markt erwartet man, dass die EZB an ihrer nächsten Sitzung am 5. Juni einen Mix aus verschiedenen Massnahmen ankündigt. Dazu gehört einerseits eine weitere Senkung des Referenzzinssatzes von 0,25 auf rekordtiefe 0,15 Prozent. Aber auch ein sogenannter Negativzins dürfte eingeführt werden. Das ist so etwas wie eine Steuer, die Banken zahlen, wenn sie ihre überschüssige Liquidität bei der Zentralbank lagern.

Normalerweise würden sie dafür Zinsen erhalten. Doch die EZB will, dass die Banken das Geld zur Kreditvergabe nutzen und in Umlauf bringen. Der Strafzins für Einlagen soll sie dazu anspornen.

Wirklich sinnvoll ist das nicht, findet Felix Brill, Chefökonom von Wellershoff und Partner. «Die diskutierten Massnahmen sind nicht sehr effektiv», kommentiert er. Im Grunde sehe die Situation in der Eurozone nämlich gar nicht so schlecht aus, wie sie oft dargestellt werde. In vielen Ländern habe die Wirtschaft zur Erholung angesetzt. «Und die Inflation liegt mit rund einem Prozent zwar noch unter dem Ziel von knapp zwei Prozent, aber von einem japanischen Schreckens-Deflations-Szenario ist das noch weit entfernt.» Zudem werde ein Negativzins von rund minus 0,1 Prozent oder eine Leitzinssenkung auf 0,15 Prozent kaum mehr als symbolische Auswirkungen haben. «Für alles andere sind die Veränderungen zu marginal.»

Probleme für die Schweiz

Solche Schritte der EZB würden Deflations- und Wechselkursprobleme der Eurozone lösen, meint hingegen ZKB-Ökonom David Marmet. «Doch für kleine Volkswirtschaften wie die Schweiz würde es Probleme schaffen.» Denn der Franken dürfte auf die Massnahmen insofern reagieren, dass er gegenüber dem Euro an Wert gewinnt und sich so dem Mindestkurs von 1.20 Franken wieder annähert. «Die Schweizerische Nationalbank wäre gezwungen, zu reagieren», so Marmet. So wäre es entweder möglich, dass sie ihre Bilanz ausweitet – oder, dass auch sie Negativzinsen einführt.

Doch muss das den Schweizer Konsumenten überhaupt kümmern? Ja, erklärt Marmet. «Ein allgemein niedriges Zinsniveau dürfte auch dazu führen, dass der Zins bei Sparkonten auf nahezu null fällt.» Und das wiederum kurbelt den Konsum an, weil Sparen sich in so einem Moment kaum noch lohnt.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien