Weissgeldstrategie

30. Dezember 2011 16:40; Akt: 30.12.2011 16:41 Print

Ein Steuerrechner für Steuersünder

von Balz Bruppacher - Besondere Bescherung der Schweizer Banken an ihre Schwarzgeld-Kunden: Seit Weihnachten können diese online kalkulieren, wie teuer sie das aufgeweichte Bankgeheimnis zu stehen kommt.

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(Bild: Colourbox)

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Der Abschied vom Geschäft mit unversteuerten Vermögen gehört seit zwei Jahren zum rhetorischen Repertoire von Bankiers und Behördenvertretern – etwa so, wie früher die Unantastbarkeit des Bankgeheimnisses. Der Steuerstreit mit den USA zeigt aber deutlich: Die Botschaft der Weissgeldstrategie ist nicht überall rechtzeitig angekommen.

Eine neue Dienstleistung der Schweizerischen Bankiervereinigung versinnbildlicht nun aber besser als alle schönen Worte den Paradigmenwechsel. In den letzten Tagen hat der Bankendachverband auf seiner Homepage einen Steuerrechner aufgeschaltet. Deutsche und britische Kunden, die unversteuertes Geld in der Schweiz haben, können damit errechnen, wie teuer sie die Regularisierung dieser Schwarzgelder zu stehen kommt.

Ungefähre Angabe

Die Abkommen mit Deutschland und Grossbritannien sind zwar seit Monaten in allen Details bekannt. Die Formeln zur Berechnung der Einmalzahlung für die Regularisierung der Vergangenheit sind aber kompliziert und erinnern an eine Mathematikaufgabe. Da leistet der Steuerrechner praktische Hilfe. «Die Schweizerische Bankiervereinigung stellt das nachfolgende Berechnungstool kostenlos zur Verfügung», heisst es in den Erläuterungen, und weiter: «Mit Hilfe dieses Tools kann errechnet werden, wie hoch der mutmasslich geschuldete Steuerbetrag ungefähr ausfallen wird.»

Der Aufbau des Instruments macht auch einige Eckwerte der Steuerdeals mit Berlin und London deutlich. Etwa die Bedingung, dass die Vergangenheitsbewältigung nur für jene Kunden möglich ist, die vor dem 31. Dezember 2010 eine Kontobeziehung in der Schweiz hatten und die diese bis zum 31. Mai 2013 aufrechterhalten. Einfache Rechenbeispiele zeigen auch, dass die Steuerbelastung grundsätzlich umso niedriger ausfällt, je länger die Kontobeziehung bestanden hat. In den Abkommen mit beiden Ländern ist ein Steuersatz von 34 Prozent auf den Altlasten verankert. Schon bei der Unterzeichnung der Verträge wurde aber darauf hingewiesen, dass die effektive Steuerbelastung für die meisten Kunden auf Grund der Berechnungsmechanik zwischen 20 und 25 Prozent des Gesamtvermögens liegen werde.

Abkommen noch nicht unter Dach und Fach

Der Steuerrechner ist mit den üblichen Haftungsvorbehalten versehen. Nicht erwähnt ist der politische Vorbehalt, dass die Abkommen noch von den Parlamenten der betroffenen Länder ratifiziert werden müssen. Hier gibt es bekanntlich noch einige Hürden zu überwinden. Laut jüngsten Verlautbarungen zeichnen sich jedoch Wege zur Nachbesserung ab, die neben Berlin und London auch die EU-Kommission in Brüssel besänftigen könnten. Dann könnte der Befreiungsschlag des Finanzplatzes aus der Schwarzgeld-Ära doch noch gelingen.

«Für mich ist es in höchstem Masse moralisch vertretbar, Vermögenswerte von fiskalisch Verfolgten vor dem Zugriff der Behörden zu schützen», sagte einst der prominente Privatbankier Hans-Dieter Vontobel. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Statt Steueroptimierung für Steuerflüchtlinge bieten die Banken jetzt Steuerrechner für Steuersünder an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marcel am 30.12.2011 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so weit sind wir nun...

    das wir jenen noch die möglichkeit geben auzurechnen ob es sich lohnt!!! ein gefundenes fressen für alle ...

  • Sabrina am 30.12.2011 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH deckt Schuldenlöcher

    Schandfleck?!? Der Wohlstand der CH ist geprägt von diesen vergangenen Einnahmequellen! Mit diesen Steuerregulatoren kommt wieder mehr Staat ins Spiel! Warum nicht endlich die Privatwirtschaft arbeiten lassen! Die CH ist ein anerkannter und renommierter Finanzmarktplatz! Diese Massnahmen und Regulatoren führen zu Arbeitslosen und somit zu Sozialen Probleme- doch dies verstehen die Bankgeheimnis Gegner nicht! Die deutschen und anderen Länder hätten lieber von Beginn an eine tragbare Fiskalpolitik gelebt! Die CH muss überall Schuldenlöcher decken! Unfähiger Bundesrat kein Rückgrat für die CH!!!!

  • CH-Bürger am 30.12.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    soll das tool im www etwa besänftigen?

    das bankgeheimnis ist ein schutz der privatsphäre für den bankkunden und das ist auch gut so, wäre da nicht die nachgiebigkeit unserer lieben und netten landesführung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Köppel am 01.01.2012 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerverbrecher

    Der Begriff "Steuersünder" verniedlicht ein Verbrechen, nämlich Diebstahl am Staat. Man müsste von "Steuerverbrechern" sprechen. Ein Killer wird ja auch nicht als "Todessünder" bezeichnet.

    • Tom G. am 02.01.2012 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      das ist Unsinn

      Es sei denn, man stellt sich auf den Standpunkt, dass das Einkommen des Bürgers grundsätzlich dem Staat gehört.

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  • suchender am 30.12.2011 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit dem Bankgeheimnis

    Der Staat sorgt z.B. für die Sicherheit, Strassen und vieles mehr, ohne das wäre es nur schwer möglich in einem Land Geld zu verdienen. Diese Investitionen müssen bezahlt werden und da der Staat nicht Geld aus dem Nichts erschaffen kann bezahlt man Steuern. Wer die Steuern nicht bezahlt oder dabei betrügt, bestielt den Staat und wird von der Schweiz noch geschützt. Das ist meiner Meinung nach falsch und muss aufhören. Man geht ja auch nicht mit einem Einkaufswagen voller Zeug im Coop an die Kasse und bezahlt nur einen Schokoriegel...

    • E. Hrlich am 30.12.2011 22:20 Report Diesen Beitrag melden

      Doch etwas zu einfach

      In vielen Städten und Kantonen reichen die Steuern leider nicht für die von Ihnen erwähnten "Investitionen" - sie reichen nicht einmal, um alle Beamtenlöhne zu bezahlen.

    • Steuerzahler am 30.12.2011 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht weg mit dem Bankgeheimniss

      Ja aber klaut der stadt selber tut mir leid wir bezahlen sooo viel Steuern und dann reichts nicht für die Beamtenlöhne,sorry das ist ein NO GO,Bankgeheimniss soll ruhig soll bleiben!

    • Eva Maier am 31.12.2011 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Trotz mehr Einnahmen, nichts geht mehr 

      Genau! Auch wenn der Staat mehr einnehmen würde, würde nichts ändern. Es fließt in die Beamtentaschen.

    • Tom G. am 02.01.2012 16:02 Report Diesen Beitrag melden

      im Coop

      suche ich, und nur ich, selbst aus, was in meinen Einkaufswagen kommt. Der Staat hingegen zwingt mir viel nutzloses Zeug auf das ich dann aber trotzdem bezahlen muss. Der Vergleich hinkt.

    einklappen einklappen
  • Sabrina am 30.12.2011 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH deckt Schuldenlöcher

    Schandfleck?!? Der Wohlstand der CH ist geprägt von diesen vergangenen Einnahmequellen! Mit diesen Steuerregulatoren kommt wieder mehr Staat ins Spiel! Warum nicht endlich die Privatwirtschaft arbeiten lassen! Die CH ist ein anerkannter und renommierter Finanzmarktplatz! Diese Massnahmen und Regulatoren führen zu Arbeitslosen und somit zu Sozialen Probleme- doch dies verstehen die Bankgeheimnis Gegner nicht! Die deutschen und anderen Länder hätten lieber von Beginn an eine tragbare Fiskalpolitik gelebt! Die CH muss überall Schuldenlöcher decken! Unfähiger Bundesrat kein Rückgrat für die CH!!!!

  • Alija am 30.12.2011 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ip Adressr

    Jeder soll sein versteckte Vermögen ausrechnen können. Wenn die Behörde schlau ist dann verfolgt Sie versteckt die IP Adresse. Da wäre mal eine Idee

    • Marco U am 31.12.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Einfache Mittel

      Proxy/Tunnels benutzen, oder einfach das Tool "TOR" runterladen und benutzen... Glaube nicht das es sich lohnen würde wenn man jeder IP Adresse nachgeht, viele wollen das Tool nur aus neugier sehen, der Aufwand um die IP Adressen zu filtern wäre gross

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  • CH-Bürger am 30.12.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    soll das tool im www etwa besänftigen?

    das bankgeheimnis ist ein schutz der privatsphäre für den bankkunden und das ist auch gut so, wäre da nicht die nachgiebigkeit unserer lieben und netten landesführung.