Rechnung

24. Januar 2018 18:04; Akt: 24.01.2018 18:04 Print

Ein WEF-Teilnehmer braucht 6000 Fr pro Tag

von D. Benz - Event-Ticket, Hotelzimmer, Trump-Burger: Wer am Kongress in Davos teilnehmen will, muss viel bezahlen. 20 Minuten hat nachgerechnet.

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Das WEF ist ein kostspieliger Anlass. 20 Minuten hat überprüft, welche Kosten auf einen Topmanager in Davos zukommen. Souvenir (Sackmesser): 30 Franken. Tagungsgebühr: 4500 Franken. (Für Manager von Firmen, die eine WEF-Jahresmitgliedschaft über 600'000 Franken bezahlen, kostet der Anlass noch 18'000 Franken, wie «The Guardian» schätzt. Pro Tag demnach 4500 Franken.) Zimmer im Hotel Viktoria: 800 Franken. Frühstück: 30 Franken. Mittagessen (Trump-Burger): 23,50 Franken. Taxifahrt mit Uber Black: 35 Franken. Arbeitsraum im Hotel Waldhuus: 1000 Franken. Abendessen in luxuriösen Fonduestübli: 222 Franken pro Person, wenn der ganze Saal mit 36 Personen gemietet wird. Spikes für mehr Halt im Schnee: 40 Franken. Whiskey im Post Hotel: 13 Franken. Einige weitere Impressionen aus Davos: Mega-Puff am WEF, nichts ging mehr vorwärts. Die Parkplatzsituation in Davos ist ziemlich angespannt. Kleine Showeinlage vom Bollywood-Schauspieler Shah Rukh Khan. Tania Bryer vom Sender CNBC ist begeistert. Heute scheint die Sonne, die Sicht ist perfekt. Die Schweizer Polizei fotografiert das Kongresszentrum aus der Vogelperspektive. Narendra Modi, indischer Premierminister, am Eröffnungstag des WEF. Der indische Premierminister Narendra Modi freut sich mit Alain Berset über den winterlichen Ausblick. Ein Beweisfoto zum Posten. Ja, wir sind am WEF! Alain Berset lächelt für die Kameras. Ein Leser-Reporter sichtet einen Erlkönig von Jaguar in Davos. Offensichtlich handelt es sich dabei um den neuen Jaguar iPace mit Elektroantrieb, der ab Ende 2018 auf den Markt kommt. Die passenden Schuhe zur Uhr: modisch gekleidet am WEF. So viel Schnee gibt es in Südafrika nie zu sehen. Südafrikas Vizepräsident Cyril Ramaphosa freut sich über die Schneemassen vor seinem Hotel. Ob sich die Davoser Tierwelt auch für das WEF interessiert? Der britische Musiker und Komponist Elton John zeigt seine Brille der deutschen Hilde Schwab, Vorsitzende und Mitbegründerin der Schwab Foundation. Die australische Schauspielerin und UNHCR-Goodwill-Botschafterin Cate Blanchett, rechts, erhält den Crystal Award von der deutschen Hilde Schwab, links, Vorsitzende und Mitbegründerin der Schwab-Stiftung für soziales Unternehmertum, im Rahmen der Crystal Award Ceremony am Vorabend der 48. Jahrestagung des World Economic Forum WEF in Davos. Schwer bewaffnet und gut getarnt: Dieser Polizist behält Davos im Überblick. Bühne frei für Bundespräsident Alain Berset und Isabelle Chassot, Direktorin des Bundesamtes für Kultur, vor der Kulturministerkonferenz. Den mazedonischen Kulturminister Robert Alagjozovski hätten sich viele wohl anders vorgestellt. Aber eindrücklich ist sein Zopf auf jeden Fall. Handwerker geben den Räumlichkeiten den letzten Schliff, damit am 23. Januar das 48. Weltwirtschaftsforum beginnen kann. Dieses Jahr lautet das Motto: Creating a Shared Future in a Fractured World (Gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt). Die Polizei ist nicht nur für die Sicherheit der VIPs zuständig. Wie das Bild hier zeigt, werden die Beamten auch zur Schneeräumung eingesetzt und tauschen aus diesem Grund Maschinenpistolen gegen Schneeschaufeln ein.

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Manager lassen sich einen Tag am World Economic Forum (WEF) viel kosten. Alleine der Mitglieder-Beitrag für Workshops, Diskussionsrunden oder schon nur für das Netzwerken im Foyer des Kongresshauses ist astronomisch. Hinzu kommen Unterkunft und Essen in Davos. 20 Minuten hat nachgerechnet, was ein WEF-Manager für einen Tag hinblättern muss.

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• Ticketpreis fürs WEF
Je nach Mitglieder-Kategorie zahlen Unternehmen eine unterschiedlich hohe jährliche Grundgebühr. Die 100 strategischen Partner wie etwa Credit Suisse, Alibaba oder KPMG zahlen laut Schätzungen von «The Guardian» je rund 600'000 Franken im Jahr. Damit ist man aber noch nicht effektiv am WEF. Wer an den Veranstaltungen vor Ort teilnehmen will, muss für die vier Tage ein zusätzliches Ticket haben, das rund 18'000 Franken kostet. Pro Tag muss demnach jeder Manager in dieser Mitglieder-Kategorie gut 4500 Franken zahlen.

• Frühstück
Manager, die den WEF-Tag weg vom Trubel gemütlich starten wollen, gehen in Davos in einem Café frühstücken. So etwa im Kaffee Klatsch. Dort erhält man ein Frühstück für rund 30 Franken. Dafür kriegt man ein Spiegelei mit Speck, eine Brioche, Butter, Honig, einen Orangensaft und einen Cappuccino.

• Textilreinigung
Hat man sich das Hemd und den Anzug schon beim Frühstück mit Kaffee ruiniert, bringt man ihn am besten in die Reinigung. Bei der Argo Wäscherei kostet das Saubermachen und Bügeln von Hemd, Veston, Hose und Krawatte rund 45 Franken.

• Mittagessen
In der Mittagspause gehen viele Manager ins Sunnys 58. Das Restaurant ist für seine Burger bekannt. Fürs WEF wurde die Speisekarte angepasst. Der Mittag-Hit ist aktuell der Trump-Burger für 18 Franken: doppeltes Rindfleisch, zweimal Käse, Speck und als Krönung noch Käse auf dem Deckel-Brötchen. «Das sind die Haare von Trump», erklärt die Kellnerin. Zum Burger kann man noch Pommes Frites für 5.50 Franken und eine Stange für einen Fünfliber bestellen.

• Fahrt mit Uber
Zwar gibt es für WEF-Teilnehmer extra Shuttle-Busse. Doch manchmal muss es schneller gehen. So bucht man ein Uber-Fahrzeug. Der US-Fahrdienst bietet in Davos nur seinen Limousinen-Service Uber Black an. Eine Fahrt zwischen Davos Platz und Davos Dorf kostet rund 35 Franken.

• Spikes
Davos versinkt im Schnee. Manager aus aller Welt rutschen über die glatten Strassen. Daher sind Spikes, die man an die schicken Schuhe schnallen kann und mehr Halt im Schnee bieten, für WEF-Teilnehmer ein Muss. «Spikes sind momentan der Renner», sagt ein Verkäufer bei Ochsner Sport. Die spitzigen Dinger gibt es für 40 Franken.

• Souvenirs
Manager aus Indien, den USA oder aus Afrika kaufen häufig ein Andenken aus der Schweiz. Der Souvenir-Laden an der Davoser Promenade ist schon fast ein Mekka für Fans des Schweizerkreuzes. Ein T-Shirt gibt es ab 17, ein Sackmesser für 30 Franken und Kappen für 15 Franken. «Das sind unsere begehrtesten Souvenirs während den WEF-Tagen», sagt die Verkäuferin.

• Arbeitsraum im Hotel
Viele Unternehmen mieten sich einen Arbeitsraum in einem Hotel und starten gemeinsam in die WEF-Woche. Die Mietpreise sind aber hoch. «Wir haben mit der Firma in einem Vierstern-Hotel für einen Raum für rund zwei Stunden 1000 Franken bezahlt», erzählt ein Manager aus den USA. In einem zehnköpfigen Team macht das 100 Franken pro Geschäftsmann.

• Abendessen
WEF-Teilnehmer aus dem Ausland wollen auch mal richtig schweizerisch essen gehen. «Wir vermieten jetzt ganze Säle für einen Fondueplausch», sagt der Wirt eines stadtbekannten Restaurants. Für den Raum mit 36 Plätzen bezahlen die Manager eine Pauschale von 8000 Franken. Pro Kopf gerechnet sind das rund 220 Franken.

• Drink in der Bar
Den Abend ausklingen lassen kann man etwa in der Lounge im Post Hotel. Im schummrigen Licht nehmen dort die Manager noch einen Drink zu sich. «Begehrt ist Whiskey der Marke J. Walker Black Label», so die Barkeeperin. Kosten: 13 Franken.

• Hotelzimmer
Während des WEF gehen die Preise für Hotelzimmer jeweils durch die Decke. «Wir bezahlen für eine Nacht im Hotel Viktoria 800 Franken», erzählt im Kongresshaus ein weiterer Manager aus den USA. Das ist allerdings nichts im Vergleich zu den exorbitanten Preisen, die für private Unterkünfte verlangt werden. Ein Schweizer Unternehmer belegt mit seinen drei Firmenpartnern eine Privatwohnung mit drei Zimmern. «Die ganze Woche kostet rund 20'000 Franken», sagt er. Aber immerhin könne man in Davos selber übernachten.

Wer es sich am WEF gut gehen lassen will, muss teils tief in die Tasche greifen. Unter dem Strich fällt ein Tagesbudget von knapp 6000 Franken an. Wer die Kosten klein halten will, kann vor allem beim Essen sparen – und bei den unzähligen Gratis-Buffets in den Event-Sälen zuschlagen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sowieso am 24.01.2018 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    wiederlich

    Reicher Mann und armer Mann standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: »Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich

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  • Anidaat /Caumasee am 24.01.2018 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Am Schluss zahlt der 08/15 Bürger

    Wird alles vom Normalbürger bezahlt.. Bei den Politikern bezahlen das die jeweiligen Bürger des Landes mit den Steuern, bei den CEO's 6 Künstlern bezahlen wir das durch die überhöhten "Produktepreise".

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  • Herr Max Bünzlig Live am Stammtisch am 24.01.2018 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ein normaler Büetzer braucht maximal 60.-- SFr. am Tag, in den Ferien

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zuger am 27.01.2018 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wucherpreise

    Die Nachfrage bestimmt die Preise, alles klar. Trotzdem finde ich diese Wucherpreise widerlich undfrech. Wie im Kanton Zug. Da können sich bald nur noch Expats eine Wohnungsmiete leisten. Junge Zuger müssen in den Nachbarkanton mit den 3A im Namen ausweichen.

  • Infanterist am 25.01.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armee?

    Warum sehe ich keine AdAs auf den bildern?

  • Nigel mansel am 25.01.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    So muss werbung sein für die schweiz, teuerunfreuntlich und gierig

  • Guscht am 25.01.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte freundlicher

    Dann dürften die einheimischen Dörfler schon ein wenig zu zuvorkommender und freundlicher sein! Davos für mich privat? Nein Danke!

  • Sandy am 25.01.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ein WEF braucht es eigentlich nicht!

    So kaputt ist die Welt inzwischen. Normale Menschen verdienen weniger in einem Monat.