Copy-Paste und File-Sharing

02. März 2011 10:43; Akt: 02.03.2011 10:58 Print

Ein bisschen Guttenberg steckt in allen

von Hans Peter Arnold - Im Internet wird geklaut, was das Zeug hält. Dabei haben viele User nicht einmal ein schlechtes Gewissen, wie eine Studie beweist.

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Inception - mehr als 10 Millionen Mal illegal im Internet heruntergeladen.

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«Wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.» So lautet der Originaltext von Artikel 139 des Schweizerischen Strafgesetzbuches. Kein Zweifel: Der Gesetzgeber geht gegen Diebe nicht zimperlich vor. Und strafbar ist Diebstahl im Internet ebenso, handle es sich um Software oder generell um immaterielle Werte. Doch viele Internetnutzer scheinen mit zwei verschiedenen Ellen zu messen, wie eine neue Studie beweist. Die Piraterie im Internet sehen viele Nutzer als Kavaliersdelikt.

Demnach halten 70 Prozent der Befragten die geklauten Downloads urheberrechtlich geschützter Werke für mehr oder weniger akzeptabel, wie eine Umfrage des renommierten Instituts Rockwool Foundation Research in Kopenhagen ergab. Nur rund 30 Prozent beurteilen das so genannte Filesharing als gänzlich inakzeptabel. 15 bis 20 Prozent der Nutzer meinen, das Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Werken sei völlig akzeptabel.

Keine Veränderung der Einstellung

Immerhin: 75 Prozent der Nutzer würden jedoch nicht selber zusätzlich profitieren, indem sie die geklaute Ware weiterverkaufen. «Die Ergebnisse der dänischen Studie zeigen, dass es für Rechteinhaber und Anti-Piraterie-Gruppen fast unmöglich ist, die Haltung der Öffentlichkeit zu verändern», lautet das Fazit des News-Blogs TorrentFreak. Man müsse vielmehr die Anreize für Piraten verringern. Dieselbe Studie hat vor zehn Jahren zu ähnlichen Ergebnissen geführt.

Die Moralstandards der Gesellschaft hätten sich nicht gewandelt, schreibt Pressetext.com, welche die Resultate der Studie ebenfalls weiterverbreitet und kommentiert hat. Abschreckende Strafen in der Musikbranche gegen Filesharer seien nicht nachhaltig gewesen. In der Filmindustrie würden sich die Anbieter zwar auf rechtliche Schritte gegen einschlägige Filesharing-Seiten im Web konzentrieren, um ihre Schliessung zu erzwingen. Sie stünden jedoch einer enorm hohen Zahl gegenüber.

Schweiz: Schaden von über 100 Millionen Franken

Der Blockbuster «Inception» wurde rund 14 Millionen Mal illegal heruntergeladen. Trotzdem setzten die Kinos damit über 800 Millionen Dollar um. Allerdings leidet gemäss Pressetext.com die gesamte Verwertungskette eines Films an den Auswirkungen der Piraterie und nicht nur die Umsätze grosser Studios.

Die Urheberrechtspiraterie sei eine weit verbreitete Form von Wirtschaftskriminalität und führe jährlich allein in der Schweiz zu Schäden von deutlich mehr als 100 Millionen Franken, schätzt die Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE). Sie wird von Andreas Wigger (Walt Disney Schweiz) präsidiert. Die Internetpiraterie bedrohe die Existenz von Künstlern, gefährde Produktionsfirmen der Film- Musik- und Softwareindustrie und vernichte Arbeitsplätze, etwa in Kinos, in der Werbung oder in der Logistik. Dem Staat würden zudem bedeutende Steuereinnahmen entgehen. SAFE ist Teil eines internationalen Netzwerkes von Anti-Piraterie-Organisationen unter dem Dach der Motion Pictures Association.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Super-Juser am 02.03.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Art. 139 StGB hat mit Filesharing nichts zu tun!

    1. Ein digitales Gut ist keine bewegliche Sache 2. Es fehlt an der Bereicherungsabsicht 3. Analogien sind im Strafrecht nur zu Gunsten des Beschuldigten zulässig. Art. 139 StGB ist somit im Zusammenhang mit Filesharing nicht erfüllt. Bitte Artikel korrigieren oder dem digitalen Orkus übergeben.

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  • Peter am 02.03.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schadenssumme aus der Luft gegriffen

    Die Schadenssumme ist von mir aus gesehen aus der Welt gegriffen. Ich denke nicht, dass jeder Film, jedes Album oder jede Software, welche jemand aus dem Internet herunterlädt diese auch kaufen würde. Seit ich Filme im Internet anschaue gehe ich nicht weniger ins Kino als zuvor. Und ich denke da bin ich nicht der einzige.

  • der hamburger am 02.03.2011 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    pause muss weg

    ich würde gerne dazu beitragen, den schaden durch die piraterie bei den dvds für die schweiz zu mindern, dann müssen aber auch die film wie beim rest der welt durchgehend und ohne pause gezeigt werden !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni am 03.03.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig gelacht, jetzt weht ein ander

    Wind.

  • der hamburger am 02.03.2011 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    pause muss weg

    ich würde gerne dazu beitragen, den schaden durch die piraterie bei den dvds für die schweiz zu mindern, dann müssen aber auch die film wie beim rest der welt durchgehend und ohne pause gezeigt werden !

  • hans am 02.03.2011 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Oben/Unten

    wieso stellen wir die Frage niche einmal den anderen Weg herum. Wer oder welches Gernium hat eigentlich diese Dr. Arbeit abgenommen und kontrolliert. Die Uni hat geschlampt und die schuld liegt bei 100% beim Absolvent?

  • t. stern am 02.03.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Know the difference

    "fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnehmen" = Diebstahl Eine Sache kopieren damit sie der ursprüngliche Eigentümer noch hat = Piratrie Know the difference

  • Peter am 02.03.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schadenssumme aus der Luft gegriffen

    Die Schadenssumme ist von mir aus gesehen aus der Welt gegriffen. Ich denke nicht, dass jeder Film, jedes Album oder jede Software, welche jemand aus dem Internet herunterlädt diese auch kaufen würde. Seit ich Filme im Internet anschaue gehe ich nicht weniger ins Kino als zuvor. Und ich denke da bin ich nicht der einzige.