Schlechtere Bonität

16. November 2011 18:29; Akt: 17.11.2011 12:23 Print

Eine Ohrfeige für die Raiffeisenbank

von Sandro Spaeth - Dass UBS und CS ins Visier der Ratingagenturen geraten sind, erstaunt nicht. Nun hat Moody’s aber die erfolgreiche Raiffeisen abgestraft. Was ist los mit der sympathischen Bank vom Lande?

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Der erfolgsverwöhnte Raiffeisen-Boss Pierin Vincenz dürfte ab dem Moody’s Urteil «not amused» sein. (Bild: Keystone)

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Bisher war Raiffeisenchef Pierin Vincenz meist in Feierlaune. Seine Bank war die grosse Gewinnerin in der Finanzkrise. Gleich zu Tausenden waren die Kunden von den Grossbanken zur sympathischen Bank vom Lande gezogen. Verwaltete Raiffeisen 2007 noch Kundenvermögen von 118 Milliarden Franken, waren es Ende Juni 2011 bereits 144 Milliarden.

Viel Freude gemacht hat dem 55-jährigen Boss mit Bündnerdialekt auch das Hypothekengeschäft. Zehn Mal in Folge legte die Bank stärker zu als der Gesamtmarkt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 3,7 Prozent. Der Gesamtmarkt wuchs lediglich um 2,5 Prozent. Die Hypothekarforderungen der Raiffeisen-Gruppe betragen mittlerweile 124 Milliarden Franken – oder anders gesagt: Beinahe jeder vierte Immobilienkredit in der Schweiz stammt von den Raiffeisenbanken.

Am späten Dienstagabend dürfte sich Vincenz’ Laune aber rasant verschlechtert haben: Die Ratingagentur Moody’s hat das Raiffeisens finanzielle Stärke von «Aa1» auf «Aa2» gesenkt. Damit liegt die Genossenschaftsbank zwei Stufen unter der Höchstnote. Der Ausblick wurde auf Negativ gesenkt. Begründung für die Zurückstufung ist laut Moody’s das aggressive Wachstum der Bank im Bereich der Hypothekarausleihungen.

Zu viele langfristige Hypotheken

«Das rasante Wachstum im Hypothekenbereich ist risikobehaftet», sagt der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger zu 20 Minuten Online. Die US-Bonitätshüter warnen in der Beurteilung zudem vor eingegangenen Zinsrisiken. Will heissen: Raiffeisen hat laut Geiger zu viele langfristige Festhypotheken vergeben, diese aber Grösstenteils kurzfristig finanziert. «Steigen die Zinsen an, wird die Erfolgsrechnung der Genossenschaftsbank leiden», sagt der Bankenprofessor. Dies wäre umso gravierender, da das Geschäft mit Hypotheken für die Raiffeisen das wichtigste Standbein darstellt.

Zudem warnt Moody’s vor einer Überhitzung des Schweizer Immobilenmarktes. Raiffeisen habe sich möglicherweise zu stark auf dem Hypothekarmarkt engagiert und verfüge damit über höhere Risiken, sollte die Immobilienblase platzen. Schon öfters auf die Gefahr einer Immobilienblase hingewiesen, hatten die Finanzmarktaussicht Finma und die Schweizerische Nationalbank.

Moody’s widerspricht Raiffeisen

Dass Raiffeisen mehr Risiken eingeht als die Konkurrenz und aggressiv um Häusle-Bauer buhlt, ist in der Branche kein Geheimnis. «Wir erhalten im Beratungsalltag immer wieder Rückmeldungen von Kunden, die bei der Raiffeisen auch dann noch Hypotheken erhalten, wenn andere Institute eine Finanzierung abgelehnt haben», sagt Lorenz Heim, Immobilienexperte beim VZ Vermögenszentrum.

20 Minuten Online erreichte den Hypothekarspezialisten an einem Immobilienkongress: «Die Zurückstufung von Raiffeisen war bei vielen Teilnehmern ein Thema. Hinter vorgehaltener Hand war niemand erstaunt über das Verdikt», erzählt Heim. Auch 20 Minuten Online weiss von einem Hauskäufer, der bei zahlreichen Banken als zu grosses Risiko abgelehnt wurde, von Raiffeisen aber einen Kredit erhielt.

Raiffeisen-Konzernchef Vincenz hat eine laxe Kreditvergabe bisher immer abgestritten und betont, dass die Richtlinien und Belehnungsstandards unverändert streng seien. «Das tiefere Rating zeigt nun klar, dass Moody’s Risiken sieht», sagt Heim. Die Ratingagentur widerspreche Raiffeisen damit deutlich.

In St. Gallen gibt man sich wegen des Urteils der US-Bonitätshüter einigermassen gelassen. Das Urteil mache zwar keine Freude, man würde deswegen aber nicht in Aktivismus ausbrechen», sagt Raifffeisen-Sprecher Franz Würth zu 20 Minuten Online. «Wir nehmen das Ganze einfach zur Kenntnis». Zudem betont Würth, dass «Aa2» noch immer ein ausgezeichnetes Rating sei.

Anfang einer Abwertungsreihe?

Betreffend zu grosser Risiken wiegelt Würth ab: «Die durchschnittliche Raiffeisen-Hypothek ist kleiner als 350 000 Franken – zudem sind unsere Ausfälle äussert gering». In der Tat: Trotz rasantem Hypothekarwachstum lagen die Ausfälle der Raiffeisenbanken laut Daten der Schweizerischen Nationalbank in den letzen drei Jahren unter 0,05 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Regionalbanken waren die Ausfälle im selben Zeitabschnitt auf 0,2 Prozent gestiegen.

Womöglich ist die Ohrfeige an die Adresse der Genossenschaftsbank aber erst der Anfang einer ganzen Reihe von Abwertungen: «Es ist vorstellbar, dass nach Raiffeisen auch weitere Banken herabgestuft werden könnten, weil das Schweizer Hypothekargeschäft kritischer beurteilt wird als früher», meint Immobilenexperte Heim. Erst am vergangenen Montag hatte Moody’s das Langfrist-Rating der Credit Suisse im Hinblick auf eine möglich Zurückstufung unter Beobachtung gestellt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Wüthrich am 17.11.2011 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ratings wertlos

    Da lassen wir uns von irgendwelchen dubiosen amerikanischen Ratingagenturen bewerten und merken nicht, dass besagte Agenturen besser vor der eigenen Türe wischen sollten. Gierig saugen wir deren Urteile auf und fressen den vom Pleitegeier ebenfalls umzingelten Amis aus der Hand. Diese Ratings sind keine einzige Pressemeldung wert (bzw. eigentlich doch, denn die Meldungen werden immerhin gelesen und sogar kommentiert). Wir müssen aufpassen, dass es nicht irgenwann die amerikanische Währung ist, die uns alle in den Abgrund reisst.

  • Belustigter Leser am 17.11.2011 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Da kann man nur lachen

    Die Raiffeisenbank in der Schweiz hat es nicht einmal nötig, sich von Standard & Poor's raten zu lassen. Ziel ist es doch, sich nicht an den Kunden zu bereichern. Es müssen keine fetten Gewinne für fette Bonuszahlungen erwirtschaftet werden. Aa1 und Aa2 heisst: "sehr gute Bonität". Moody's weiss wohl kaum, wievile Hypothekarkredite durch 3a-Säule-Konti still abgesichert sind. Raiffeisen treibt seine Kunden und Mitglieder nicht in den Konkurs. Zinsausfälle sind schon fast eine Rarität.

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  • Tom Grey am 17.11.2011 01:01 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache

    Die Bewertung basiert auf der Angst, dass die Zinsen steigen und die Bank so die vergebenen Hypotheken zu den Konditionen nicht halten könnte. Solange aber der Euro derart taumelt (und das wird noch lange dauern) werden die Zinsen nicht markant steigen. Alles Panikmache von den Rating-Agenturen. Eigentlich sollte man die nicht beachten oder gleich von Amtes wegen schliessen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sam Lang am 17.11.2011 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    teurere Refinanzierung

    heisst das, dass sich Raiffeisen jetzt teurer Refinanzieren muss? Hat wohl jemandem nicht gepasst, der Erfolg von Raiffeisen.....

  • Reto B. am 17.11.2011 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Fröhliches Vincenz-Bashing

    Solange wir die Raiffeisen nicht mit Milliarden stützen müssen, ist alles im grünen Bereich. Und wenn ich das so lese sind wir auch noch icht bei NINA-Hypotheken wie in den USA angekommen. Ich gehe mal davon aus, dass das Risiko zwar hoch, aber tragbar ist.

  • Supermario am 17.11.2011 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen und Sarasin?

    Das Geschäftsmodell der Raiffeisenbank ist jedenfalls - trotz der wohl eher unerwarteten Herabstufung - immer noch intakt. Nur sollte sich der CEO dessen auch bewusst sein; sich mehr oder minder direkt ans Investment-Banking heranmachen (mit Sarasin) würde dem Image wohl deutlich mehr schaden, als finanziell nützen.

  • Stefan am 17.11.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Entspricht nicht der Realität!

    Bin gerade an einem EFH und einem MFH bauen. Aber Raiffeisen gehört mit Abstand NICHT zu den günstigsten Anbietern von Hypotheken. Da könnt ihr hier schreiben was ihr wollt!

  • Mathias am 17.11.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sympathische Bank?

    Ich weiss nicht, was an der Raiffeisen sympathisch sein soll. Die kochen mit Wasser, genau so wie die Konkurrenz. Und um von den angeblich attraktiven Konditionen wirklich voll profitieren zu können, muss man Genossenschafter werden. So ein Anteil kostet mehrere Tausend Franken. Klar, das zahle ich mal eben aus dem Kaffikässeli. Da habe ich es doch eher mit der Postfinance. Die sind wirklich attraktiv. Es ist Zeit, dass der Postbank endlich die schon lange zustehende Banklizenz zugesprochen wird - aber genau so Typen wieder Vincenz verhindern das.

    • temel am 17.11.2011 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      sympathische bank

      lieber mathias du hast leider keine ahnung. ein anteilsschein bei raiffeisen kostet chf 200 und ist mit 6% verzinst. den anteilsschein kann man jederzeit wieder zurückgeben.

    • Thomas am 17.11.2011 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      Anteilschein

      Ein Anteilschein der Raiffeisenbank kostet 200 Franken. Bei einigen Banken 500. Zudem besteht manchmal die Möglichkeit mehrere Anteilscheine zu zeichnen. Der Verwaltungsrat setzt jedoch eine Obergrenze. Um von den Mitgliedern-Vorteilen zu profitieren reicht die Zeichnung eines Anteilscheines. Eine Banklizenz für die Postfinance würde wohl die Schliessung von ländlichen Banken (Regionalbanken, Raiffeisenbanken) zur Folge haben.

    • Sabine am 17.11.2011 15:33 Report Diesen Beitrag melden

      @ Mathias

      Nur zur Info: Genossenschafter wird man mit einem einmaligen Betrag von CHF 200.00 - also nix mit mehreren Tausend Franken!

    • pescheli schwarz am 17.11.2011 15:33 Report Diesen Beitrag melden

      @ Mathias

      Bullshit! Ich bin Genossenschafter. Hat mich Fr. 200.- (!!) für einen Anteillschein gekostet und der wird auch noch höher verzinst als das Geld auf dem Konto.

    • Eurohoper am 17.11.2011 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      Genossenschaftsschein mehrer tausend???

      Soviel ich weis kostet ein Genossenschaftsschein bei der Raiffeisen sFr. 200.- Mit einem Schein ist man dabei!

    • Martin am 17.11.2011 15:58 Report Diesen Beitrag melden

      bitte bei der Wahrheit bleiben

      Anteil an Genossenschaft kostet mehrere tausend Franken? Ich weiss ja nicht, wo sie diese Information her haben. Aber so ein Anteischein ist ab Fr. 200.-- erhältlich ...

    • Scheiwiller Urs am 17.11.2011 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Mehrere tausend Franken?

      Ich bin Raiffeisen-Hopotheknehmer. Ich musste lediglich einen Genossenschaftsschein von CHF 200.-- einkaufen. Ausserdem wurde dieser in den letzten 2 Jahren ausserordentlich verzinst, jeweils mit 7%. Zeigen Sie mir sonst eine andere Bank, die solches leistet.

    • Marco am 17.11.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Ahnungsloser?

      Der Genossenschaftsanteil kostet ganze 250.--, gute Rendite inkl., sowie jedes Jahr ein wirklich gutes! Nachtessen nach der GV.

    • P. Rüegg am 17.11.2011 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      Mehrere 1000 Franken?

      Herrlich, da hat sich aber jemand gut informiert ;-) In aller Regel kostet ein Anteilschein CHF 200.00, einzelne Raiffeisen haben Anteilscheine über CHF 500.00. Ausserdem werden diese Anteilscheine zwischen 5 und 6% verzinst! Benötigen wir wirklich noch eine Bank (Postfinance) mit Staatsgarantie? Meines Erachtens sind die Risiken für den Schweizer Bürger mit den bisherigen Banken mit (faktischer-)Staatsgarantie genügend hoch!

    • Kunde am 17.11.2011 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      erst denken, dann schreiben

      an deiner Stelle würde ich mich mal bei einer Raiffeisen erkundigen wie hoch der Genossenschaftsanteil wirklich ist. Mein Anteil hat nur 300 Franken gekosten

    • Steven C. am 19.11.2011 08:48 Report Diesen Beitrag melden

      Beschränkte Nachsusspflicht CHF 8'000

      @ Scheiwiller Urs Wirklich eine tolle Verzinsung mit 7 %:-))) Welche Anlage macht wohl mehr Sinn? Anlage 1 Investition von CHF 200 in einen Genossenschaftsschein Verzinsung 7 % = CHF 14 Maximales Risiko CHF 8'000 Gewinnfaktoren: Verzinsung Anlage 2 Kauf einer Aktie der Zürich Versicherung für CHF 199.20 (Schlusskurs vom 18.11.) Dividendenrendite 8.53 % = CHF 17 Maximales Risiko CHF 199.20 Gewinnfaktoren: Dividende + Kursentwicklung * Als Gensossenschafter unterstehe ich der beschränkten Nachschusspflicht bis CHF 8'000. Für mich keine Frage. Mit Leistung hat das nichts zu tun!

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