Der Smaragdkönig

15. März 2010 11:10; Akt: 26.04.2010 09:45 Print

Einer ist noch reicher als der Reichste

von Sandro Spaeth - Der Mexikaner Carlos Slim Helu gilt als reichster Mann der Welt. In der Forbes-Rangliste hat er Bill Gates von der Spitze verdrängt. Einer überstrahlt dennoch alle: Kolumbiens Smaragdkönig Victor Carranza.

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Dank seinem Gespür für den Kauf von niedrig bewerteten Firmen hat es der Mexikaner Carlos Slim Helu bis ganz nach oben geschafft. Sein Vermögen wird in der aktuellsten Rangliste des Wirtschaftsmagazins «Forbes» auf 53,5 Milliarden Dollar geschätzt. Damit hat der Telekom-Unternehmer sogar die langjährige Nummer eins, Microsoftgründer Bill Gates (53 Mrd.), hinter sich gelassen.

Noch mehr Geld auf die hohe Kante gelegt als Gates und Carlos Slim Helu hat aber der kolumbianische Smaragdkönig Victor Carranza. Auf welchen Betrag sich sein Vermögen genau beziffert, ist unklar. Niemand weiss es genau – oder will es bekanntgeben, denn das Geld stammt aus der Unterwelt. Über seine Edelsteinsammlung sagte der öffentlichkeitsscheue Carranza einst: «Sie ist so mächtig, dass nicht einmal Bill Gates sie mir abkaufen könnte.» Victor Carranza ist «el rey de las esmeraldas» - der König der Smaragde. Sein grösster Stein soll zwei Kilo wiegen.

Blut klebt an Carranzas Hände

Klar ist, Carranza hat sein Geld nicht nur auf legalem Weg verdient. An seinen Händen klebt nebst Smaragderde auch Blut, schreibt die Autorin Jeanette Erazo Heufelder in ihrem Buch über Don Victor. In den Legenden der Inka-Indianer sind die Smaragde die Tränen der Götter – doch Tränen vergossen hat Carranza nie. Er gilt als brutal. Auf seinem Land wurde ein Massengrab gefunden. Carranza selbst wird verdächtigt, eine Folterschule betrieben zu haben. Zudem soll er Beziehungen zu rechtsgerichteten kolumbianischen Paramilitärs pflegen.

Don Victor zahlt keine Steuern

Offiziell ist Carranza Besitzer von mehreren Smaragdminen und an den Bergbaugesellschaften Tecminas, Coexminas de Muzo und Esmeracol de Coscuez beteiligt. Von seinen Arbeitern wird er wie ein Held verehrt und in Balladen besungen. Immerhin sorgt er in einem von Arbeitslosigkeit gebeutelten und vom Drogenhandel regierten Land für 50 000 Jobs. Die kolumbianische Regierung hatte sich nach dem Bürgerkrieg (1948 bis 1963) aus der Smaragdregion zurückgezogen und vor 20 Jahren Carranzas Minengesellschaft eine Konzession über 50 Jahre ausgestellt. Seither ist Don Victor Herrscher über das Land und muss nicht einmal Steuern bezahlen.

Der 71-jährige soll mit seinem Imperium 60 Prozent des weltweiten Handels mit dem «grünen Gold» beherrschen. Jährlich verlassen Carranzas Minen Edelsteine im Wert von 400 Millionen Doller. Nochmal so viele sollen in den Schwarzmarkt gelangen. Im Jahr 2003 verpflichtete sich die weltweite Diamantenindustrie zwar nur noch legal geschürfte und mit entsprechenden Zertifikaten versehene Steine anzufassen. Doch auch damit konnte der Handel mit «Blutdiamanten» nicht ausgetrocknet werden.

Seine Drogen sind die Edelsteine

Für viele Südamerikaner ist Carranza einer der ganz grossen Mafiabosse. In seinem Gebiet sollen in den letzten Jahren laut kolumbianischen Quellen 80 Drogenlabors ausgehoben worden sein. Mit Drogenhandel will Carranza selbst aber nichts zu tun haben. Seine Drogen seien die Edelsteine, behauptet er.

Nur wenige Südamerikaner haben den Milliardär je zu Gesicht bekommen oder wissen, wo sich der scheue Edelsteinkönig Carranza gerade aufhält. Don Victor fürchtet sich nämlich vor Killern und wird rund um die Uhr von seiner 2000 Mann starken Privatarmee bewacht. Grund dafür ist ein auf Don Victor ausgesetztes Kopfgeld der linken Guerilla-Armee Farc über 10 Millionen Dollar.

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