Schnäppchenjagd

08. Juni 2017 08:56; Akt: 08.06.2017 08:56 Print

Einkaufstouristen soll es an den Kragen gehen

von Isabel Strassheim - Handel und Politik wollen das Einkaufen der Schweizer in ausländischen Supermärkten bremsen. Hierfür gibt es drei Varianten.

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10 Milliarden Franken gingen dem Schweizer Handel 2016 durch den Einkaufstourismus verloren. Das ist rund ein Zehntel der gesamten Detailhandelsumsätze der Schweiz. Im laufenden Jahr dürfte es genauso viel sein, wie die Credit Suisse schätzt. Das Fremdgehen beim Shoppen hat sich bei Schweizern etabliert. Drei Vorschläge wollen das nun ändern:

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1. Niedrigere Freibeträge
Die Schweizer Mehrwertsteuer entfällt aktuell bei Einkäufen unter 300 Franken. Dieser Freibetrag soll auf 50 Franken gesenkt werden. Dies sieht ein Vorstoss des SVP-Ständerates Werner Hössli vor, der nun bei der zuständigen Kommission liegt. Das bedeutet: Für ein gekauftes Fernsehgerät im Wert von 299 Franken würden dann 24 Franken Steuern anfallen. Der Personalaufwand beim Schweizer Zoll würde sich mit dem neuen System verfünffachen. Für die Einkaufstouristen bliebe auch mit niedrigerem Freibetrag eine Ersparnis: Denn der Wechselkurs- und Preisvorteil in den deutschen oder französischen Supermärkten besteht weiterhin.

2. Immer Mehrwertsteuer bezahlen
Wer sich nach dem Einkauf die ausländische Mehrwertsteuer erstatten lässt, soll Schweizer Mehrwertsteuer zahlen. Der Freibetrag entfällt in diesem Fall. Das fordert die Interessengemeinschaft Detailhandel, ein Zusammenschluss von Migros, Coop, Manor und Denner. «Einen Einkauf ganz ohne Mehrwertsteuer soll es nicht mehr geben, denn der benachteiligt die Inlandskonsumenten», sagt IG-Sprecher Patrick Marty. Den Aufwand für die Erhebung durch den Schweizer Zoll will die IG durch digitale Lösungen wie etwa eine App klein halten. Einkaufstouristen haben aber noch immer einen Vorteil, denn die Mehrwertsteuer beträgt im Ausland mehr als doppelt so viel wie die 8 Prozent (Lebensmittel 2,5 Prozent) in der Schweiz.

3. Tiefere Preise dank Initative
Diese Option geht den Einkaufstourismus von der anderen Seite an: Die Preise im Schweizer Detailhandel sollen sinken, zumindest diejenigen von importierten Produkten. Das fordert die unter anderem von der Stiftung für Konsumentenschutz lancierte Fair-Preis-Initiative. Sie dürfte spätestens nächsten März eingereicht werden. Ihr Ansatz: Schweizer Händler müssen derzeit Waren aus dem Ausland oft zu einem Preis einführen, zu dem sie dort an Konsumenten verkauft werden. Dieser sogenannte Schweiz-Zuschlag müsse entfallen. Auch die IG Detailhandel sieht das Problem. «Wir als Handel sind gefordert, bei den ausländischen Lieferanten niedrigere Preise durchzusetzen.» Aber selbst dann: Für die Schweizer Produkte bleiben die Preise hoch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Händler Tom am 08.06.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unfair

    Warum gehen die Leute ins Ausland einkaufen? Weils dort um einiges günstiger ist. Anstatt den Konsumenten weiter zu belasten, lieber Konkurrenzfähig werden und endlich faire Preise schaffen

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  • Elias Truttmann am 08.06.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    typisch Lobby-Politiker

    hier wird wieder mal ein Problem beackert, welches im Grunde genommen gar keines ist. die wahren Probleme werden derweil links liegen gelassen (z.B. Prämienexplosion Krankenkassen) oder diletantisch angegangen (Rentenreform)

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  • Remo am 08.06.2017 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Stimme verlohren

    Liebe SVP, ihr habt gerade eben meine sicher Stimme verlohren. Greift einmal die Billag, die Renten oder die KK an. Dann haben die normalen Einkommen wieder etwas Luft zum die Kleider, Schuhe und die Putzmittel in der Schweiz zu kaufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Snooker am 10.06.2017 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Die Schweiz bekommt die Quittung auch noch. Das Fass ist voll.

  • Net am 10.06.2017 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich wünsche allen, die über der Grenze einkaufen, dass sie auch Löhne wie über der Grenze erhalten. Ich finde diesen Egoismus erbärmlich, so kann es mit unserem Wohlstand ja nur Bach ab gehen!

  • Giarrizzo Roberto am 10.06.2017 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Tut mir leid Herr Hösli aber es ist nicht die Aufgabe des Staates zu Regulieren. Ich bin gerne bereit in der Schweiz einzukaufen bei 10-20% höheren Preisen , Aber nicht wenn viele Preise fast doppelt so hoch sind. Wir haben eine freie Marktwirtschaft. Auch die Schweiz musd wettbewerbs fähig sein.

  • AndyLyss am 10.06.2017 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht

    Ich wollte mir ein paar Hosen kaufen. In der CH nur in der Länge 32 zu bekommen. Im grossen Kanton. Jede Länge und auch zwischengrössen in der Weite problemlos zu bekommen. Warum also hier kaufen, wenn ich sie eh nicht bekomme. InSohwer bodymilk in D 400 ml pro Flasche in der CH nur 200 ml und noch teurer. Import also noch nicht mal in der CH produziert. Warum hier kaufen?

  • Christoph Lazar am 10.06.2017 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnis

    Mehr Geld dem Menschen in der Tasche lassen. Muss billag fast 500 Stützen kosten für Teleshopping und Werbung? Auto Steuer durchschnittlich auch 500? Eine Visite beim Arzt 150 für 15 Minuten?

    • Snooker am 10.06.2017 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christoph Lazar

      genau deiner Meinung.

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