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18. September 2018 14:28; Akt: 18.09.2018 14:28 Print

Bald kosten Elektroautos weniger als Benziner

von R. Knecht - Batterie statt Auspuff: Elektroautos etablieren sich als Alternative zum Benzinfahrzeug. Die Gründe, warum E-Autos bald zum Alltag gehören dürften.

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Elektrischer Schwede im Schnee: Selbst ein Volvo verliert bei tiefen Temperaturen an Reichweite. Der Winter ist für alle Autofahrer mühsam. Doch Besitzer eines E-Autos werden besonders hart geprüft, denn die Temperaturen schlagen direkt auf die Leistung ihrer Fahrzeuge. Zwischen 40 und 70 Prozent Reichweite verlieren Stromer wie Tesla bei tiefen Temperaturen. Im Schnitt muss man mit einem Reichweitenverlust von 50 Prozent rechnen. Doch man kann dem Energieverlust entgegenwirken. Mit etwas Voraussicht und cleverem Verhalten kann man einen Teil des Reichweitenrverlusts verhindern. Hilfreich ist es etwa, das E-Auto bereits vor der Fahrt zu heizen – und zwar am besten während des Ladevorgangs. So kommt die Heizenergie über das Ladekabel und nicht aus der Antriebsbatterie. Das verringert den Reichweitenverlust. Auch kann die Abfahrtszeit bei vielen Elektroautos während des Ladens eingestellt und damit die Batterie aufgewärmt werden. Das sollte man nutzen, denn eine kalte Batterie ist nicht annähernd so effizient wie eine warme Batterie. Allein mit dieser Methode kann man die Reichweite um bis zu 20 Prozent erhöhen. Das Energieproblem im Winter ist den Autoherstellern nicht verborgen geblieben. Einige davon haben darauf mit integrierten Wärmpepumpen reagiert. Im neuen Renault Zoe etwa ist eine drin. Beim Hyundai Kona gibt es sie serienmässig, allerdings erst ab der Ausstattungsstufe «Style». VW und BMW hingegen verlangen beim eGolf sowie in den Stromern BMW i3 und BMW i3s derzeit noch einen Aufpreis. Laut BMW soll sich die Reichweite durch die Wärmepumpe um mehr als 30 Prozent erhöhen.

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Reine Elektroautos sind auf Schweizer Strassen noch recht selten. Zwar sieht man hier und da einen Tesla oder etwa ein strombetriebenes Modell von VW, BMW oder Renault. Gegen Ende 2017 machten die rund 13'000 reinen Elektrofahrzeuge in der Schweiz jedoch lediglich knapp 0,3 Prozent der gesamten Personenwagenflotte aus, wie eine Auswertung des Importeurverbands Auto Schweiz zeigt.

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Doch viele der Hürden, die der Elektromobilität bisher im Weg standen, sind bereits überwunden oder dürften es demnächst sein. Das sind die vier Hauptgründe, warum E-Autos in Europa kurz vor dem Durchbruch stehen:

• Preis
Kostentreiber beim Elektroauto sind die Batterien. Laut der Beratungsfirma McKinsey sind die Preise für Lithium-Ionen-Akkus seit 2010 um fast 80 Prozent gefallen. Anschaffungskosten von umgerechnet 96 Franken pro Kilowattstunde seien die kritische Grenze, ab der ein E-Auto preislich mit Benzinern mithalten könne, sagt ein McKinsey-Analyst zu Welt.de. Es sei zu erwarten, dass dieser Wert Mitte 2020 unterschritten wird. «Da geht noch einiges beim Preis», sagt auch Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, zu 20 Minuten. Durch die Massenproduktion von E-Autos werde die Herstellung künftig noch günstiger werden.

• Auswahl
McKinsey rechnet damit, dass es bei den E-Autos bis 2025 100 neue Fahrzeugtypen geben wird. Grosse Hersteller würden dabei sämtliche Fahrzeugklassen berücksichtigen und so immer mehr Nutzergruppen ansprechen. Das Angebot werde auch die Nachfrage ankurbeln. Die grössere Auswahl wird laut Herrmann zudem zu mehr Wettbewerb auf dem Markt führen, was den Preis noch weiter drücken wird.

• Reichweite und Ladestation
Ein gängiges Argument gegen Elektroautos ist, dass deren Reichweite pro volle Ladung kleiner ist als die eines Benziners mit vollem Tank. Dabei dürfte dieser Unterschied kaum ins Gewicht fallen: Laut dem Bundesamt für Statistik legen Schweizer im Schnitt rund 24 Kilometer pro Tag im Auto zurück. Kaum eine Fahrt sei länger als 100 Kilometer, so Herrmann. Mit ausgewiesenen Reichweiten um 200 Kilometer pro Ladung ist das kein Problem für aktuelle Modelle. «Reichweite ist schon bald kein Thema mehr», sagt Herrmann. Dies auch, weil es immer mehr Schnellladestationen gebe.

• CO2-Regulierung
Die EU verlangt von Autokonzernen, dass deren Personenwagen bis 2021 im Schnitt pro Kilometer maximal 95 Gramm CO2 ausstossen. Herrmann glaubt, dass die Grenzwerte danach noch weiter reduziert werden – der Umweltausschuss der EU hat sich bereits dafür ausgesprochen. Der Schweiz bleibe dabei nichts anderes übrig, als mit der EU mitzugehen. Hersteller kommen auch unter Druck, weil Dieselfahrzeuge, die eine bessere CO2-Bilanz als Benziner aufweisen, in Europa kaum mehr gefragt sind. Hersteller können ihre Durchschnittswerte enorm drücken, wenn sie auf reine Elektroautos setzen, da die Fahrzeuge selbst kein CO2 ausstossen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 18.09.2018 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stromproblem

    Und wie bitteschön soll all dieser Strom hergestellt werden? Denn wenn man mit Strom von Kohlekraftwerken herumfährt, ist die Ökobilanz auch für die Katz.

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  • James am 18.09.2018 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    [X] Nein, es fehlt überall an der dafür nötigen Infrastruktur.

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  • Pesche Karambuli am 18.09.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was macht der Staat? Genau nichts :)

    Wo bleibt eigentlich die Staatliche Unterstützung für Mieter um die Zuleitung der Elektrischen Energie in Mietshäuser umzubauen? Auch Regelungen das der Vermieter Verpflichtet dies ohne großes herum gedruckse wie sonst immer zu Genehmigen. Nicht nur immer Geld ein sacken auch mal was zurück geben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Range Fahrer am 19.09.2018 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurze Frage und Anregung

    Kann mir mal einer erklären warum Benzin praktisch nichts kostet aber ein tesla Akku 20000.-? Könnte es sein das Benzin absolut ressourcenschonend ist der Akku aber nicht. Und ich denke man könnte mit viel viel weniger Aufwand und kosten die verbrenner CO2 neutral und feinstaubfrei machen als ein Akku herzustellen. Es müsste ja nicht 100 Prozent sauber sein, einfach ein vernünftiges Mass dass auch bis 300000km es immer noch besser wäre als ein Akku herzustellen. Der nötige netzausbau, die nötigen neue KW die müssten schon jetzt auf die 175000 km noch rauf. Wie auch jedes solardach.

  • Lea Mee am 19.09.2018 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Probiert es aus!

    Mietet oder organisiert euch für einen Tag ein E-Auto (und sei es nur ein iOn/C-Zero/i-MiEV). Ich habs gemacht, nach einem Tag E-Auto bin ich am Abend wieder in meinen Benziner gestiegen... und ich dachte beim Losfahren, der wäre kaputt. Ich freue mich seither auf den Tag, wenn mein Benziner den Geist aufgibt. Ab dann fahre ich Elektro :)

  • Martin am 19.09.2018 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Stromproblem gelöst :)

    Lieber Patrick, schau mal das hier an: Es braucht ziemlich viel Energie (elektrische und andere), um Benzin und Diesel NUR SCHON herzustellen. Und natürlich wird dabei auch bereits CO2 ausgestossen. Wenn man all diese Energie statt für die Treibstoffherstellung direkt für den Antrieb der Elektroautos nutzen würde, ergäbe sich bereits fast ein Nullsummenspiel (man rechnet mit ca. 1kWh Herstellungsenergie pro Liter Treibstoff, damit fährt ein Elektroauto bereits etwa 5-10km).

    • Illumination am 19.09.2018 20:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Genau - und nach Ihrem Modell würde es auch keine Akkus mehr brauchen, genial .. (Ironie off)

    • Range Fahrer am 19.09.2018 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Absolut in keinem Verhältnis zu dem wo es braucht ein Akku herzustellen. Nur weil bei der Produktion eines Akkus CO2 Filter eingebaut sind braucht es dennoch unglaublich Mengen an chemischen und thermischen Abläufe damit dann mal so ein Akku soviel kostet. was wir da für Ressourcen und Energien reinstecken müssen das er 20000 Fr. Kostet ist unglaublich. Damit kann ich für 100000Liter Benzin jegliche kosten abdecken wo dessen Erzeugung, transport und und verursacht. Benzin ist absolut ressourcenschonend deshalb kostet es ja nichts.

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  • Peter am 19.09.2018 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    beim E-Auto wird alles hinterfragt. Hat sich auch jemand Gedanken gemacht woher unser Öl kommt? Wie und unter welchen Bedingungen wird es gefördert? Ist das Fördeland demokratisch? Wie viele Kriege wurde deswegen geführt? Warum ist die USA im Irak einmarschiert? Dann benütze ich doch lieber CH Strom oder hakt von unseren Nachbarn.

    • Range Fahrer am 19.09.2018 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Sehr klug, aber sicher nicht für einen 20000.- teuren Akku zu laden. Machen sie sich mal Gedanken warum dieser soviel kostet. Sehr Ressourcen schonend? Wohl eher nicht. Braucht es viel Energie für die ganzen tehmischen und chemischen Abläufe zu machen und werden da unglaublich viele Ressourcen verbraucht? Bei den kosten wohl schon. Kann diese Produktion CO2 arm sein? Mit ein paar co2 Filter kein Problem.

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  • T.Manfred am 19.09.2018 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    E-Auto mit Solar zum Aufladefunktion

    Wenn man so auf E-Autos abfährt warum Bald statt schon Heute Billiger werden an was liegt es? Besser wäre es wenn der Staat für E-Autos die Stromkosten übernehmen würde und E-Autos Gratis anbieten würde statt viel Geld für Unnütze Dinge aus zu geben. E-Auto der Zukunft mit eigenem Solar zum Aufladen der Batterien, warum wurde an so was nicht gedacht?