Lehrlingsmangel

16. September 2019 13:16; Akt: 16.09.2019 13:48 Print

Jetzt gibt es die Schnupperlehre für Eltern

von Barbara Scherer - Gymi statt Lehre: Das ist der Wunsch vieler Eltern für ihre Kinder. Eine Schnupperlehre für Eltern soll dem nun entgegenwirken.

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Firmen tun sich zunehmends schwer, ihre Lehrstellen zu besetzen. Dieses Jahr sind rund 3000 Stellen, die offen geblieben, schätzt die Online-Lehrstellenbörse Yousty.

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Eine Schnupperlehre für Eltern, das finde ich ...

Der Grund: Viele Jugendliche ziehen das Gymi einer Berufslehre vor. Dahinter steckt auch oft der Wunsch der Eltern, dass ihre Sprösslinge eine akademische Laufbahn beschreiten.

Erste Firmen beginnen deshalb, bei ihrer Suche nach Auszubildenden stärker bei den Eltern anzusetzen. So zum Beispiel die EKZ Eltop, die Tochtergesellschaft der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich: Das Unternehmen hat eine Schnupperlehre eigens für Eltern ins Leben gerufen. Das Ziel: Sie sollen sich für die Berufslehre begeistern.

«Eltern sind die wahren Influencer»

Das Schnuppern für Erwachsene funktioniert gleich wie ein Schnuppertag für Jugendliche. Die Eltern werden einen ganzen oder halben Tag von einem Lehrmeister betreut und begleiten einen Elektroinstallateur bei einem Serviceauftrag oder auf der Baustelle. Dabei können die Eltern den Wunschberuf ihrer Kinder ganz genau unter die Lupe nehmen.

Personalexperte Jörg Buckmann hat das Konzept der Kampagne mitentwickelt. Er weiss, welch grosse Rolle Väter und Mütter bei der Berufswahl spielen: «Befragungen zeigen immer wieder, dass Eltern die wahren Influencer in dieser Phase sind», erklärt Buckmann.

Fehlendes Wissen

Oftmals kennen Eltern aus dem Ausland das duale Bildungssystem der Schweiz auch zu wenig. Folglich ist für sie der Weg ans Gymi der einzige.

«Werden die Eltern richtig informiert, sind viele erstaunt, wie viel von ihren Kindern in einer Lehre gefordert wird», sagt Sophia Siegenthaler, Projektleiterin Kommunikation bei EKZ Eltop. Dabei biete die Schnupperlehre den Eltern einen «einzigartigen Einblick in den möglichen Berufsalltag ihrer Kinder».

Bislang bietet das Unternehmen die Schupperlehre nur für den Beruf des Elektroinstallateurs an. Damit will es dem Nachwuchsmangel in der Handwerkerbranche den Kampf ansagen. Denn gerade dort fehlt es an Lehrlingen. «Berufe, in denen man anpacken muss und dreckig wird, sind bei den Jugendlichen weniger beliebt als Bürolehren», sagt Siegenthaler.

Dies bestätigt auch Michael Kraft, Leiter Bildung beim Kaufmännischen Verband. Die KV-Lehre finde im Vergleich zu handwerklichen Lehren schneller Nachwuchs. Trotzdem: «Für Eltern ist es gerade beim KV wichtig zu sehen, dass die Ausbildung eine gute Alternative zum gymnasialen Weg ist», so Kraft.

Jugendliche müssen selber entscheiden können

Dass Eltern sehr involviert sind in die Berufswahl ihrer Kinder, ist auch Kraft bekannt. Daher stelle die Schnupperlehre für Eltern eine gute Ergänzung zu Infoanlässen dar. «Doch letztendlich müssen die Jugendlichen selbst entscheiden, ob sie die Lehre absolvieren wollen.»

Die Schnupperlehre könnte auch dazu führen, dass die Meinung der Eltern noch mehr Gewicht erhält, wenn es um die Berufswahl geht. «Das wäre kontraproduktiv. Allerdings hängt es von den Eltern ab, wie viel Einfluss sie auf ihre Kinder nehmen wollen», so Kraft. Er schätze daher auch Veranstaltungen nur für die Jugendlichen: «So können die Jugendlichen einmal unter sich sein und eine Entscheidung für sich treffen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mara am 16.09.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Firmen sollen Weiteranstellung garantier

    Unternehmen die Lehrlinge ausbilden sollten sich verpflichten jeden Lehrling für mind. 2 Jahre nach der Ausbildung voll zu übernehmen zu schweizer Löhnen. Das würde das Problem nämlich lösen. Wozu eine 4-jährige Lehre auf dem Bau absolvieren, wenn ich schon vorher weiss, dass ich nachher keinen Job bekomme, weil ein Portugiese viel billiger arbeitet?

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  • CaptainLonestarr am 16.09.2019 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnuppern für Eltern

    Mit diesem Angebot erreicht man leider nur interessierte Eltern und nicht diejenigen die es nötig hätten

  • Nick_Name am 16.09.2019 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee

    Leider werden aber wohl gerade jene Eltern keinen Gebrauch davon machen, die für ihre nur höchstbegabten Lieblinge schon die Elite-Karrieren definiert haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elektriker, Maurer, Sanitär am 17.09.2019 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein wunder...

    Solange die Löhne weiterhin so tief bleiben und dieser ständige Zeit druck mit "bilig" bauen bleibt wird sich das ganze leider nicht ändern... Wiso ständig wie ein Verrückter schuften wen es auch einfacher geht... Mit 15/16 so in die Arbeitwelt zu starten verdient und will niemand..

  • Bliib anonym am 17.09.2019 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Stromer meister

    Wenn der Lernende was taugt, wird der Bertieb ihn ohne zu zögern weitersnstellen

  • Luzifer am 17.09.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Asbest inklusive

    Naja der Bau... Ständig Asbestfasern einatmen... Da gibt es sinnvollere Berufe

  • tommas am 17.09.2019 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Handwerk

    lehnt blos kein Handwerk,das ist nichts wert.da sind die Ausgebildeten Leute nachher zu teuer. Und mit 50 ist schluss. Auserdem sind die Fremdsprachenanforderung sehr hoch alo minimum span,porto,serb,alban,ital. Ich bin selber seit 30 jahren im Handwerk,und3 qulifikationen.

    • Kris am 17.09.2019 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tommas

      Da stimme ich zu. ich bin zwar erst 25, aber wenn man etwas höheres erreichen will, dann führt der weg nur ins büro. Da man werkstatt befleckt ist, wirds enorm schwierig. Ich bereue es eine polymechaniker lehre gemacht zu haben. Kein einziger in meinem Alter will das machen. Jeder will weg von Handwerk. Man fühlt sich so als ob man gefangen ist und nichts weiteres im Leben machen kann. Kein Aufstiegspotenzial. Hängt natürlich vom Betrieb ab, aber wiso soll man es sich schwerer machen? Meine Kinder können machen was sie wollen, aber gutes vom Handwerk kann ich nicht erzählen.

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  • M. Utti am 17.09.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Dilemma

    Ich habe selber die klassische Schweizer Karriere gemacht: Welschlandjahr - KV - höhere Fachsschule. Ich war und bin von der Qualität unseres dualen Bildungssystems total überzeugt. Jetzt sind meine eigenen Kinder dran, und ich komme ins Zweifeln. Was nützt ihnen die super Berufsqualifikation, wenn sie gegen lauter Deutsche mit Abi, und Franzosen mit Bacc konkurrieren müssen? Wozu die ganze Mühe mit Lehre, Berufsmatur und Weiterbildung, wenn andere es fast gratis bekommen? Und es stimmt, die Allgemeinbildung kommt in der Berufsschule zu kurz. Es ist ein Dilemma zwischen Wunsch und Realität.

    • Rob de Bob am 17.09.2019 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M. Utti

      Wie recht sie haben. Die Konkurrenz aus ganz Europa ist zu gross um die Berufe interessant für unsere Junge zu machen.

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