Landwirtschaft

18. Juli 2017 12:22; Akt: 18.07.2017 12:23 Print

Ende August droht die Bio-Butter auszugehen

Die Nachfrage nach Bio-Produkten ist derart gross, dass die Bauern mit der Produktion nicht mehr nachkommen. Jetzt trifft es die Butter.

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Weil die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln stetig steigt, werden immer wieder gewisse Produkte knapp. Der aktuelle Lieferengpass betrifft die Bio-Butter. «Zwar werden in den nächsten Jahren weitere Produzenten von der konventionellen Milchproduktion auf Biomilch umstellen», bilanziert Bio Suisse. Um die drohende Knappheit bei der Milch abzuwenden, fordert Bio Suisse eine Preiserhöhung um drei Rappen pro Liter Milch. Dass Bio-Produkte regelmässig knapp werden, liegt daran, dass die Nachfrage nach biologisch produzierten Lebensmitteln seit 2011 um 44 Prozent zugenommen hat. Zwar ist die Zahl der Höfe und der Anbauflächen in diesem Zeitraum ebenfalls gestiegen. Um die steigende Nachfrage zu decken, reicht es jedoch nicht aus. Dass das Angebot nachhinkt, liegt auch daran, dass jene Betriebe, die im letzten Jahr auf Bio umgestellt haben, sich noch in der sogenannten Umstellphase, die zwei Jahre dauert, befinden. Sie können ihre Produkte daher erst nächstes Jahr als Bio-Produkte vermarkten. «Wegen der mehrjährigen Umstellungszeit, dauert es länger, bis die entsprechenden Produkte auf den Markt gelangen und mithelfen, die gestiegene Nachfrage zu decken», sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband. Doch warum stellen angesichts der grossen Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln nicht noch mehr Höfe auf die biologische Produktion um? «Die Bio-Suisse-Richtlinien sind bereits während der Umstellung vollumfänglich einzuhalten», sagt Biasio. Die Problematik: Während der Landwirt schon Bio-Qualität produziert, kann er seine Produkte noch nicht zu höheren Preisen absetzen.

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386 Bauernbetriebe haben sich auf Anfang Jahr dazu verpflichtet, ihre Produktion auf den Bio-Standard umzustellen – laut der Organisation Bio Suisse ist das ein Rekord. Insgesamt arbeiten derzeit 6140 Bauernhöfe nach den Bio-Standards.

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Trotz des jährlichen Zuwachses an Produzenten und Anbaufläche werden Bio-Produkte jedoch regelmässig knapp: Während es in der Vergangenheit zu Engpässen bei Bio-Poulet, -Getreide oder -Apfelsaft gekommen ist, droht jetzt ein Mangel bei der Bio-Butter. «Die Verfügbarkeit auf Ende August ist in Frage gestellt», sagt Ania Biasio, Sprecherin von Bio Suisse zum «Landwirtschaftlichen Informationsdienst».

Grund für den Butter-Engpass ist das knappe Biomilch-Angebot. Da im Sommer die meiste Biomilch von Bergkühen direkt auf der Alp verarbeitet wird, setzen die Hersteller die verbleibende Bio-Milch für die Produktion von Frischprodukten wie Trinkmilch oder Joghurt ein.

Bio Suisse fordert Preiserhöhung, um Bauern für Bio zu begeistern

Dass Bio-Produkte regelmässig knapp werden, liegt an der grossen Nachfrage: Sie hat seit 2011 um 44 Prozent zugenommen. «Die Hälfte der Konsumenten kauft täglich oder mehrmals wöchentlich biologische Produkte. Das kann in einzelnen Produktkategorien auch einmal zu fehlenden Mengen führen», sagt Bio-Suisse-Sprecherin Ania Biasio. Zusätzlich zur steigenden Nachfrage führten auch saisonale Schwankungen, etwa die sinkenden Milchmengen durch geringere Futterqualität, oder Frostschäden zu Angebotsengpässen.

Zwar würden in den nächsten Jahren weitere Produzenten von der konventionellen Milchproduktion auf Biomilch umstellen, bilanziert Bio Suisse in einem aktuellen Bericht. Dennoch reiche das nicht, um die drohende Knappheit bei der Milch abzuwenden. Die Anzahl der Produzentinnen und Produzenten, die sich aus der Milchproduktion zurückziehen, sei nicht zu unterschätzen. Ausserdem seien andere Bio-Betriebszweige zum Teil attraktiver. Bio Suisse fordert darum eine Preiserhöhung um drei Rappen pro Liter Biomilch.

Bauern können erst nach zwei Jahren Bio-Preise verlangen

Dass das Angebot nachhinkt, liegt auch daran, dass jene Betriebe, die im letzten Jahr auf Bio umgestellt haben, sich noch in der sogenannten Umstellphase befinden. Sie dauert zwei Jahre. die Landwirte können ihre Produkte daher erst nächstes Jahr als Bio-Produkte vermarkten. «Wegen der mehrjährigen Umstellungszeit dauert es länger, bis die entsprechenden Produkte auf den Markt gelangen und mithelfen, die gestiegene Nachfrage zu decken», erklärt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband.

Doch warum stellen angesichts der grossen Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln nicht noch mehr Höfe auf die biologische Produktion um? Es liegt auch an den Kosten, die für die Umstellung anfallen. «Die Bio-Suisse-Richtlinien sind bereits während der Umstellung vollumfänglich einzuhalten», sagt Biasio. «Das heisst, Bio-Bauern stehen vor der Herausforderung, ihren Betrieb beispielsweise ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Hilfsmitteln erfolgreich zu führen, und es können hohe Anfangsinvestitionen anfallen.» Die Problematik: Während der Landwirt schon Bio-Qualität produziert, kann er seine Produkte noch nicht zu höheren Preisen absetzen.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adrian am 18.07.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wo denn?

    Ich arbeite bei einem der Grössten Bio Händler in der Schweiz und wir haben noch massenweise Butter - Klingt für mich das einer den Preis treiben will, weil im Moment merkt man das "Sommerloch".

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  • sepp am 18.07.2017 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ehm.käser

    leider ist nicht immer überral bio drin wo bio drauf steht merkt euch das.

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  • Naturschützerin v. Bödeli am 18.07.2017 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht immer Bio, aber aus der Region

    Wir kaufen nicht alles BIO, dafür aber aus der Region. Wenn ich also Butter oder Milch von Grindelwald oder Meiringen beziehe, habe ich doch ein gutes Gefühl: Wenig Fahrkilometer, Produkte die hier im Oberland Ost wirklich zur Verfügung (Hauptrohstoff: Milch) stehen und zudem noch schmecken. Bei jedem Beck gibt es sie zu kaufen und preislich völlig ok. Das ist mein Beitrag. Leider sind wir wegen fehlender Fläche in Bezug auf Gemüse/Früchte ein bisschen benachteiligt. Dafür gibt's wie gesagt Käse und Milchprodukte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Milchmax am 27.07.2017 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bio import

    Züger Oberbüren importiert viel Biomilch aus Deutschland. Der wird schon wissen was man da macht.

  • Köchin am 22.07.2017 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wir essen nur Kochbutter

    Ein Insider hat mir mal gesagt, dass Kochbutter sehr oft oder fast immer auch überschüssiger Tafelbutter aus dem EU Raum besteht. Man kauft diese Spottbillig auf und verkauft sie sauteuer als Kochbutter. Mit der Differenz verdient man sich eine goldene Nase oder betreibt Quersubventionen.

  • Oma am 21.07.2017 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preiserhöhung

    Solche Informationen werden immer gemacht um die Preise zu erhöhen. Das ist aber auch schon alles.

  • Alfred A. am 20.07.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Garade wieder etwas viel Radau um Bio

    Es betrifft ja mich nicht. Ich gehe allem auf dem BIO drauf steht konsequent aus dem Weg. Der Lärm um Knappheit von Bio Produkten kann mir völlig egal sein.

  • Peach Pan am 19.07.2017 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selfmade

    Bio oder nicht, egal. Ich beziehe meine Milch von Nachbars Hof. Aus der abgeschöpften Nidel stelle ich meine eigene Butter her. Auch wenn diese nicht unter Bio geht, bin ich überzeugt, dass dies nachhaltiger ist, als das was im Laden überteuert als Bio angeboten wird