Swatch-Abschluss

06. März 2013 17:53; Akt: 06.03.2013 18:37 Print

Endlich mal ein fesselnder Geschäftsbericht

von Sandro Spaeth - Ein Geschäftsbericht als Schmankerl, das ist ein Novum: Mit Swatch publiziert eine der grössten Schweizer Firmen seinen «Bricht» in Mundart. Die Rede ist von «Urä», «Margge» oder «Gwünn».

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Eigentlich sind Geschäftsberichte etwas Langweiliges: Sie sind vor allem viel Papier – gemacht für Spezialisten, Analysten und Journalisten – oder Aktionäre mit viel Zeit: Der Bericht der UBS umfasste letztes Jahr 522 Seiten, jener von Novartis 296 Seiten. An die Aktionäre versendet werden die mehrere Zentimeter dicken Bücher längst nicht mehr. Zu teuer, zu aufwändig, zu verschwenderisch.

Meist lohnt sich der Blick in die Geschäftsberichte nicht – jedenfalls nicht für den normalen Aktionär. Die News sind längst draussen. Und nach Ungereimtheiten durchforstet werden die Berichte höchstens von Enthüllungsjournalisten.

Beim diesjährigen Swatch-Bericht ist es etwas anders. Zwar umfasst auch er über 200 Seiten, ist aber in verschiedensten Mundartdialekten gehalten.

Das ist einzigartig - und ein weiterer Geniestreich der Crew um den ehemaligen Marketingmann und heutigen CEO Nick Hayek. Die Swatch Group nützt den «Gschäftsbricht» als Bekenntnis zur Schweiz. «Das isch wahri Swissness, womit mer eusi Landslüüt es bezli uufrüttle», schreibt Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek im Vorwort, das in der Mundart-Version «S’Geleitwort vo dr Presidäntin» heisst.

Einmaliger Sonderfall

Den in Dialekt gehaltenen Geschäftsbericht verstehe man als positive Provokation, schreibt Hayek weiter. Mit einem Augenzwinkern gemeint sein dürften die veränderten Kantonswappen auf dem Titelblatt – und auch dass sich Swatch als 27. Kanton bezeichnet. «Kei Staat, sondern e Geischteshaltig» – heisst denn auch der Slogan, den der Uhrenkonzern neben das eigene Kantonswappen stellt.

Bei Swatch dürfte die Dialektausgabe des Geschäftsberichtes der Sonderfall bleiben: Schon auf dem Titelblatt steht nämlich: «Einmalige Dialäkt-Usgaab». Eigentlich schade.

Den Geschäftsbericht als pdf finden Sie hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Braschel am 06.03.2013 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schön zu sehen

    Dass es noch Firmen gibt, welche nicht nur aus steuerlichen Gründen in der Schweiz sind.

  • tomthebong am 06.03.2013 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Voll geil! :-)

    Das ist doch einmal eine Marketing-Meisterleistung! Obwohl es sicherlich nicht ganz ernst gemeint ist, rückt sich Swatch dadurch mächtig ins Rampenlicht! Grandios.

  • fizei am 06.03.2013 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Franzosen

    Heimatverbunden? Und in Boncourt, 5 Minuten von der französischen Grenze entfernt zwei Fabrikhallen bauen?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Adamster am 06.03.2013 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaufgrund 

    Ihr habt mich erreicht, bravo das ist eine sehr gelungene Aktion. Meine aktuelle Uhr hat ein defektes Glas, ich werde mir dafür eine Swatch leisten!

  • Wissen am 06.03.2013 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    20Min

    Tolle Aktion :) Wieso dürfen eigentlich bei 20-Minuten Online keine Kommentare im Dialekt verfasst werden ?

  • Konrad Duden am 06.03.2013 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Dialektologie

    Ist ja alles gut und recht, aber nach dem Durchstöbern der vielen Kommentare muss ich einfach fürs Protokoll wieder mal festhalten: DAS Schweizerdeutsch gibt es nun einmal wirklich nicht! Schweizerdeutsch ist nur der Oberbegriff für die vielen schönen hoch- und höchstalemannischen Dialekte (nur Basler Dialekt = niederalemannisch), die in unserem Land gesprochen werden. Ausserdem hat es schon seine Gründe, dass wir in der Schweiz immer noch das Prinzip der medialen Diglossie kennen: Schriftsprache = Schweizerhochdeutsch; mündl. Kommunikation in den genannten Dialekten.

  • Till Sitter am 06.03.2013 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Latein

    Und warum nicht in Latein, wie der Bundesbrief.

  • buerki werner am 06.03.2013 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Super Guet!!

    Swatch hat den Mut so zu Schreiben wie wir Reden gelernt haben. Der Bundesrat hat mal versprochen dass die 4 Landessprachen gefördert werden. Der schlimmste Fremdwörter und Englischschreiber ist der Bund. Wenn ich ein Rundschreiben bekommen habe, ist das Schreiben beim ersten Fremdwort in den runden Ordner gefallen.