Wirtschaftskrise

23. Dezember 2008 14:14; Akt: 23.12.2008 14:43 Print

Entlassungsstopps auch in der Schweiz?

von Cyprian Zajac - Um der grössten Krise in der Geschichte Deutschlands entgegenzuwirken, schlugen mehrere grosse Unternehmen vor, 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Dafür solle der Staat grosszügig Gelder für Kurzarbeit und Weiterbildung zur Verfügung stellen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Solche Jobgarantien sind in der Schweiz wenig wahrscheinlich. Die meisten Schweizer Unternehmen wollen sich in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld nicht auf die Äste hinaus wagen. So will die Migros zu diesem Thema keine Stellung nehmen. Zu spekulativen Szenarien gäbe der Grossverteiler keine Auskünfte.

Auch Coop ist zurückhaltend. «Wir haben nach heutigem Stand aus wirtschaftlichen Gründen keine Entlassungen für 2009 vorgesehen. Allerdings kann dies angesichts der wohl für alle noch komplett unvorhersehbaren wirtschaftlichen Entwicklung wohl kaum jemand fürs ganze Jahr 2009 garantieren und deshalb auch wir nicht», erklärt Pressesprecher Karl Weisskopf.

Ähnlich unverbindlich gibt sich Sunrise: «Bei Sunrise sind keine Entlassungen geplant. Obwohl wir den Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung nicht absehen können, sind wir zuversichtlich.» Die Swisscom verzichtet ganz auf ein Statement.

Raiffeisen antwortet: «Raiffeisen geht auch 2009 von einem soliden Wachstum aus. In diesem Sinn ist keine Reduktion des Stellenplans vorgesehen.»

Cablecom verweist dagegen auf die Medienmitteilung von letzter Woche, in der ein Stellenabbau im nächsten Jahr angekündigt wurde.

International: Komplexe Lage

Nicht ganz klar ist die Situation bei globalen Konzernen. So kündigte die ABB an ihre Halbleiterfertigung in Lenzburg auszubauen. Wiederum plant das Unternehmen gemäss aktueller Pressemeldung eine Restrukturierung und bildet Rückstellungen in Höhe von 850 Millionen Dollar.

Pressesprecher Lukas Inderfurth beschreibt die Situation folgendermassen: «ABB Schweiz hat einen hohen Auftragsbestand. Diesen gilt es, 2009 abzuarbeiten. Dafür brauchen wir die Mitarbeitenden, die wir derzeit haben. ABB Schweiz ist sowohl von den Produkten und Systemen her wie auch geografisch gut aufgestellt. Natürlich beobachten wir die Entwicklung der Weltwirtschaft sehr sorgfältig und behalten uns eventuelle Massnahmen vor. Derzeit sind wir für 2009 vorsichtig optimistisch.»

Beim Software-Riesen Microsoft ist die Lage nicht ganz klar. Barbara Josef von Microsoft Schweiz informiert: «Wir gehen momentan nicht von Entlassungen aus. Ich bin zuversichtlich,
dass wir 2009 sogar neue Jobs schaffen werden.» Letzte Woche meldete Microsoft Schweiz die Eröffnung des neuen Development Centers in Zürich. Damit schaffte das Unternehmen zusätzliche Arbeitsplätze.

Es gibt auch Ausnahmen

Bei einigen Unternehmen müssen die Angestellten nicht um ihre Stellen bangen.

Das Solarunternehmen Sputnik Engineering AG aus Biel wird 2009 keine Mitarbeiter entlassen. Im Gegenteil: «Wir schaffen nächstes Jahr 120 neue Stellen», erklärt Sputnik-Geschäftsleiter Christoph von Bergen. «Wir haben auch bei der turbulenten Wirtschaftslage nichts zu befürchten. Die Solarbranche ist eine Zukunftsbranche. Davon sind wir schon lange überzeugt.»

Die PostFinance plant ebenso einen Expansionskurs: «Wir wollen auch 2009 weiter wachsen und planen erneut über 100 Vollzeitstellen in der ganzen Schweiz zu schaffen, hauptsächlich im Verkauf und im Kundendienst.» Die PostFinance hat sich in den letzten elf Jahren enorm entwickelt und rund 1200 Vollzeitstellen geschaffen.

Entlassungsstopp: Kein sinnvolles Instrument

Die Idee einiger deutscher Unternehmen, im nächsten Jahr auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, sieht Willy Hautle, Chefökonom der ZKB, als falsches Mittel um gegen die Krise anzukämpfen. Er führte in «20 Minuten» aus: «In einer Rezession muss ein Unternehmen Vorkehrungen zum Schutz der Profitabilität treffen. Eine Massnahme ist der Abbau von Personal.»