Illegale Absprachen

15. Februar 2011 17:43; Akt: 15.02.2011 17:43 Print

Ermittlungen bei Telekom und VW wegen Korruption

Fahnder nehmen die Deutsche Telekom und VW unter die Lupe. Der Verdacht: Der Telekomriese wollte als Sponsor des VfL Bochum an Millionenaufträge von VW kommen.

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Gab es illegale Absprachen zwischen der Deutschen Telekom und Volkswagen? (Bild: Keystone)

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Razzien bei zwei der grössten deutschen Konzerne: Im Fadenkreuz der Ermittler stehen Manager und Mitarbeiter von Volkswagen und der Deutschen Telekom. Laut Informationen der «Süddeutschen Zeitung» sollen Telekom-Manager versucht haben, durch die Verlängerung eines Sponsoringvertrages mit dem Bundesligisten VfL Wolfsburg an VW-Aufträge zu gelangen. Pikant: Volkswagen hält seit Dezember 2007 hundert Prozent an der VfL Wolfsburg-Fussball GmbH.

Konkret sollen die Telekom-Manager angeboten haben, einen Mitte 2010 auslaufenden Sponsoringvertrag im Wert eines einstelligen Millionenbetrags beim Fussballclub zu verlängern, sofern VW als Gegenleistung Aufträge von mehreren hundert Millionen Euro an die Telekom-Tochter T-Systems vergebe. Diese bietet Informatik und Telekomdienstleistungen für Grosskunden an. Die geplante Vertragsverlängerung ist am Ende nicht zustande gekommen. Beide Seiten hätten zudem versucht, als Ausgleich für den gescheiterten Sponsorenvertrag einen Ankauf von grösseren Ticket-Kontingenten des VfL Wolfsburg durch T-Systems zu organisieren.

Bis fünf Jahre Haft für Manager

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sind derartige Absprachen illegal. Offiziell trennt Telekom scharf zwischen Kundenanwerbung und Sponsoring. Damit wird vermieden, dass Manager Aufträge an Land ziehen, indem sie neuen Kunden ein Sponsoring in Aussicht stellen. Wäre dies geschehen, hätten sich die Manager der «Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr» strafbar gemacht. Dafür drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren, in schweren Fällen sogar fünf Jahre.

Ermittler haben vergangene Woche in vier deutschen Städten insgesamt acht Büros durchsucht, darunter Räumlichkeiten von T-Systems, VW und vom VFL Wolfsburg. Im Verdacht stehen fünf Personen: zwei ehemalige T-Systems-Manager und ein Berater sowie zwei Angestellte aus dem VW-Einkauf.

VfL vom Abstieg bedroht

Die Ermittlungen ausgelöst hat angeblich die Spitze der Deutschen Telekom, der Unregelmässigkeiten bei der Tochterfirma T-Systems aufgefallen sind. T-Systems Vertriebschef Joachim Langmack musste bereits im Nobember 2010 seinen Sessel räumen, nachdem der Verdacht aufgekommen war, dass Vorschriften verletzt wurden.

Vom Verfahren nicht betroffen ist der Fussballclub selbst. Die Turbulenzen kommen aber in einem schlechten Moment. Der VfL liegt trotz Spielereinkäufen von 60 Millionen Euro vor Anfang Saison auf Rang 16 der aktuellen Bundesliga-Tabelle und kämpft gegen den Abstieg. Vergangene Woche wurde Trainer Steve McClaren durch den Deutschen Pierre Littbarski (Weltmeister 1990) ersetzt. Immerhin nahm der VfL mit Spielertransfers auch viel Geld ein, allein aus dem Verkauf von Edin Dzeko zu Manchester City 37 Millionen Euro.

(sas)