Apple-Fabrik

18. Mai 2013 14:17; Akt: 18.05.2013 14:22 Print

Erneut Selbstmord-Serie bei Foxconn

Die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Elektronikfirma Foxconn in China treiben weitere Arbeiter in den Tod. In den vergangenen Wochen sind drei Junge verstorben.

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In einer Fabrik in China hat Foxconn die Anzahl der Mitarbeiter von 110'000 auf 50'000 reduziert. Grund dafür ist der Einsatz von Robotern. Der chinesische Zulieferer Foxconn ist berüchtigt für seine zweifelhaften Arbeitsbedingungen. So stand das Unternehmen im Verdacht, Studenten gezwungen zu haben, Playstation 4 zu fertigen statt ein studiumrelevantes Praktikum anzubieten. Ein Reporter der chinesischen Zeitung «Southern Weekend» ging den Arbeitsbedingungen und den Gründen für die Selbstmorde von elf Mitarbeitern auf die Spur. Er fand bald heraus, dass Foxconn den Selbstmord von 30 weiteren Mitarbeitern verhindert hatte - in einem Zeitraum von nur drei Wochen. Um bei Foxconn angestellt zu werden, muss der Kandidat als Erstes einen Arbeitsfähigkeitstest absolvieren. Dabei werden Mathematik und Englisch geprüft. Wer 20 von 100 Punkten erreicht, bekommt eine Stelle. Katastrophale Bedingungen fand Reporter Liu Zhiyi bei Foxconn nicht vor. Vielmehr stellte er fest, dass die Löhne äusserst niedrig sind ... ... und sich Arbeiter mit diesen Bezahlungen nie die hauseigenen Produkte wie ein iPad leisten können. Der Journalist stellte allerdings fest, dass keine Kollegialität oder Freundschaft unter den 400'000 Mitarbeitern besteht. Da die Arbeiter Tag ein, Tag aus mit monotoner Arbeit beschäftigt sind, ... ... nehmen die Angestellten ihre Kollegen nicht mehr als Individuen wahr. Es gibt einige Arbeiter, die nicht einmal den Namen ihrer nächsten Kollegen kennen, ... ... selbst wenn sie zusammen in den Foxconn-eigenen Appartements wohnen. Die Arbeiter dürfen einmal täglich eine 10-Minuten-Pause im gemeinsamen Schlafzimmer machen. Um den Zimmerschlüssel zu bekommen, müssen sie ihren Badge abgeben. Wer innerhalb der vereinbarten Zeit nicht zurück ist, wird bestraft. Foxconn versucht nun nach der Selbstmord-Serie die «Würde der Angestellten» mit einer saftigen Lohnerhöhung sicherzustellen. Das Unternehmen kündigte gleichzeitig an, keine Entschädigungen mehr an Hinterbliebene von Mitarbeitern zu zahlen, die Selbstmord begangen haben.

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Nach mindestens 13 Selbstmorden im Jahr 2010 haben sich in den vergangenen Wochen drei weitere Mitarbeiter der Elektronikfirma Foxconn in China in den Tod gestürzt. Die zwei jungen Männer und die junge Frau, die sich das Leben nahmen, hatten in einer Foxconn-Fabrik in Zhengzhou gearbeitet.

Die Suizide ereigneten sich seit dem 24. April. Der jüngste Vorfall habe sich am Dienstag ereignet. Die Gründe für die Todessprünge seien unklar, teilte die US-Menschenrechtsgruppe China Labor Watch am Samstag mit.

Löhne in China um fast 70 Prozent angehoben

Das taiwanische Unternehmen Foxconn, das unter anderen Apple, Nokia und Sony beliefert, steht seit 2010 unter Beobachtung. Die damalige Selbstmordserie führten Aktivisten auf harte Arbeitsbedingungen zurück.

Seitdem wurde die Löhne in China um fast 70 Prozent angehoben. Foxconn ist der Weltmarktführer bei Computerkomponenten und beschäftigt in China bis zu 1,1 Millionen Menschen.

(aeg/sda)