Religion in Firmen

23. März 2012 07:29; Akt: 23.03.2012 11:19 Print

Erst Christ, dann CEO

von Elisabeth Rizzi - Coming-out der Manager: Heute startet das «1. Forum Christlicher Führungskräfte». Das Ziel: das Christentum in die Firmen zurückzuführen. Experten halten das für problematisch.

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Schweizer Firmen sollen ihre christlichen Werte wieder entdecken und sie nach aussen tragen.

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Am Freitag und Samstag findet in der Bernexpo das «1. Forum Christlicher Führungskräfte» statt. Erwartet werden 500 Teilnehmende. Unter den Referenten und im Patronatskomitee finden sich klingende Namen wie Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler, Baumeisterverbandspräsident Werner Messmer, der ehemalige Seco-Direktor Jean-Daniel Gerber, Herzspezialist Thierry Carell oder der CEO der Bobst Gruppe, Jean-Pascal Bobst. Unterstützt wird die Veranstaltung unter anderen vom Präsidenten des Evangelischen Kirchenbundes, Gottfried Locher und von Felix Gmür, Bischof des Bistums Basel.

Spitz werden die Ohren, wenn man Forums-Geschäftsleiter Paul Beyeler über die Ziele der Veranstaltung sprechen hört. «Wir sind ein christliches Land mit christlicher Tradition und vertreten eine bestimmte Kultur und einen Glauben; nicht militant, aber doch entschieden. Firmen und Leute aus anderen Weltgegenden und Religionen sollten hierzulande mit dieser Kultur leben», sagt er. Teilnehmende sollten am Forum motiviert werden, in Gesellschaft und Betrieben christliche Werte zu vertreten, ein Netzwerk zu starten und Zeichen zu setzen: «Es geht um die Rückkehr christlicher Werte in Geschäftsleben und Führung.»

Betonung christlicher Werte

Nach Beyelers Weltbild sind andere Religionen nicht ausgeschlossen. Aber man wolle an der Veranstaltung bewusst die christlichen Werte betonen. Firmen müssten nicht überall Kreuze aufhängen. «Gegen ein Unternehmen, das zu Weihnachten die Bibel an seine Angestellten verschenkt, ist aber sicher nichts einzuwenden», so der Freikirchler.

Experten halten solches Gedankengut für fragwürdig. Norbert Thom, der an der Uni Bern den Lehrgang «Intercultural Human Resource Management» leitet, meint: «Gegen Firmen, die auf christlichen Werten basieren, ist nichts einzuwenden. Menschenwürde, Vergeben und Verantwortung übernehmen sind schliesslich auch in anderen Religionen geachtet. Aber sobald es um Rituale wie Kreuze aufhängen oder Bibellesen geht, muss man aufpassen.» In freien wirtschaftlichen Unternehmen müsse absolute Religionsfreiheit herrschen.

Nathalie Amstutz geht noch weiter. Sie leitet an der Hochschule Nordwestschweiz den Studiengang «CAS Diversity- und Gleichstellungskompetenz». «Es ist problematisch, wenn der Verantwortungsdiskurs in Unternehmen als christlicher Diskurs dargestellt wird», findet sie. Im Geschäftsleben gehe es schliesslich darum, weltliche Leitplanken für verantwortungsvolles Handeln zu entwickeln, die politisch und religiös neutral seien. Dass sich mit Bigler und Messmer auch Vertreter von Verbänden unter das Dach der Veranstaltung stellen, ist aus Amstutz’ Sicht wegen der Berücksichtigung der religiösen und politischen Neutralität heikel.

«Nicht eigene Kultur verleugnen»

Bigler verteidigt sich: «Das Patronatskomitee ist breit abgestützt. Ausserdem ist das mein eigenes und kein Verbandsengagement. Letzteres wäre auch nicht angemessen.» Messmer gibt sich missionarischer: «Toleranz und Achtung fördert man nicht, indem man die eigene Kultur verleugnet. Die Schweiz baut auf der christlichen Kultur auf und hat andere Werte als die Kulturen, die heute über unser Land hereinbrechen wollen.» Der Ruf nach dem Staat sei nur deshalb so laut, weil man sich hierzulande nicht mehr auf gemeinsame Werte einigen könne.

Bei Trisa, einem Unternehmen, das sich öffentlich zu christlichen Werten bekennt, klingt es etwas differenzierter. «Unsere Kultur baut auf christlichen Werten auf. Aber Werte wie Ehrlichkeit und Verantwortung zielen nicht explizit auf die christliche Konfession ab», so CEO Adrian Pfenniger. Weil Teile der Mitarbeiterschaft aus anderen Kulturkreisen kämen, würde man auch klar davon absehen, Kreuze aufzuhängen oder Bibeln zu verteilen. «Das wäre ein Affront.» Trisa nimmt übrigens nicht am Forum teil.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

"Experten halten das für problematisch". Wer definiert eigentlich, wer ein Experte ist, und wer nicht ? Wer definiert Werte ? All das richtet sich nach dem eigenen Weltbild. Unserer Gesellschaft, insbesondere der Wirtschaft, würde eine Rückkehr zu ihren christlichen Wurzeln ganz bestimmt nicht schaden. – matthias BÖLSTERLI

Was mir an solchen Diskusionen immer sauer aufstösst, ist die Tatsache, dass religiöse Menschen immer zu wissen meinen was richtig und was falsch ist. Nicht und anderstgläubige sind sowiso falsch und haben keine Ahnung von Werten. Warum? Warum sollte ich als nichtreligiösen Mensch keine Ahnung von Anstand und Respekt haben? Das ist doch kein Vorecht von gläubigen Menschen. Solange ich also in so einer Firma am Sonntag nicht in die Kirche muss und ich meinen Lohn pünktlich bekomme ist es mir Wurst was die Glauben.. – Jan.C

Ich bin agnostischer Schweizer und denke, damit zu einer Mehrheit der Schweizer zu gehören, die sich zu gar keiner bzw. keiner bestimmten Religion wirklich zugehörig fühlen. Mir ist bewusst, dass meine Wertvorstellungen mit dem Christentum zusammenhängen. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir Heute die Kirche nicht mehr brauchen um diese aufrecht zu erhalten. – Agnostiker

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Niza am 23.03.2012 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Religionsfreiheit

    Eigentlich leben wir ja in einem christlichen Land, aber sobald man in der Öffentlichkeit über Jesus spricht, die Bibel liest oder vor dem Essen betet, wir man komisch angeschaut oder sogar gehasst. Wo bleibt da die Religionsfreiheit? Wir müssen in unserem Land, unser Glaube verstecken.

  • Markus Hänni am 23.03.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Erfolg dem christlichen Forum!!!

    Ich bin mir bewusst, dass die Kirchengeschichte ein grausames Kapitel ist und es nicht wegzudiskutieren ist, dass dieses Organ leider von Menschen oft missbraucht wurde. Doch viele Kommentatoren scheinen mir im alten Testament hangen geblieben zu sein. Ich bin erstaunt, wie wenig das neue Testament hier zum Zuge kommt und wie viele Menschen heutzutage nicht mehr wissen, was Ostern, Pfingsten usw bedeuten. Ich persönlich glaube an ein Leben nach dem Tod und an einen Schöpfer dieser Erde.

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  • Andreas M. Walker am 25.03.2012 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Christen-Bashing

    Wenn weibliche Führungskräfte sich versammeln, über ihre gemeinsame Wertebasis diskutieren, evaluieren, welche Bedeutung ihre Werte für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben, dann finden wir das selbstverständlich alle gut und unterstützen das, denn wir wollen ja schliesslich nicht intolerant sein. Wenn schwule Führungskräfte sich versammeln, dann finden wir das selbstverständlich alle gut und unterstützen das, denn wir wollen ja schliesslich nicht intolerant sein. Wenn christliche Führungskräfte sich versammeln, um über ihre gemeinsamen Werte zu diskutieren ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • pitsch am 25.03.2012 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstaendiges Wirtschaften

    "experten alten das fuer probematisch" - Experten fuer was? eine auf Werten wie Anstand und Ehrlichkeit fussende Wirtschaft taete dem Gier- und Ego-Wirtschaften gerade heute gut.

  • Andreas M. Walker am 25.03.2012 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Christen-Bashing

    Wenn weibliche Führungskräfte sich versammeln, über ihre gemeinsame Wertebasis diskutieren, evaluieren, welche Bedeutung ihre Werte für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben, dann finden wir das selbstverständlich alle gut und unterstützen das, denn wir wollen ja schliesslich nicht intolerant sein. Wenn schwule Führungskräfte sich versammeln, dann finden wir das selbstverständlich alle gut und unterstützen das, denn wir wollen ja schliesslich nicht intolerant sein. Wenn christliche Führungskräfte sich versammeln, um über ihre gemeinsamen Werte zu diskutieren ...

    • Peter Müller am 26.03.2012 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      zweiter Teil des Satzes

      ...dann ist das etwas anderes, denn Schwule und Frauen treffen sich, um Integration zu diskutieren und Christen treffen sich, um Intoleranz zu diskutieren.

    • ingo am 26.03.2012 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ja

      und wenn Atheisten das tun? Geoutete Atheisten haben es in einigen Ländern oft sehr sehr schwer und werden diskriminiert.

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  • Pam am 25.03.2012 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu suchen...

    Religion ist eine private Angelegenheit und hat in der wirtschaft nichts zu suchen. Wählte man statt "christlich" das Wort "ethisch", könnten Chefs aller Religionen und Nichtreligionen angesprochen werden. Jede Religion hat die gleichen Grundsätze. Indem man eine christliche Konferenz einberaumt zeigt man schon wie weltverschlossen und engstirnig man denkt. Ich möchte nicht unter einem Chef arbeiten, der seinen Glauben den Mitarbeiten aufdoktriniert.

  • Georg Caprez am 25.03.2012 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Das Kreuz auf rotem Grund

    Unsere Bundesverfassung wird immer noch mit den Worten "Im Namen Gottes des Allmächtigen" eingeleitet. Und unsere Landesfahne besteht immer noch aus einem weissen Kreuz auf rotem Feld. Warum sollte nicht auf den Ursprungs dieses Symobls hingewiesen werden dürfen? Und noch etwas: Seit sechs Jahren besteht weltweit ein Schlammassel um das Geld. Warum? Würden nur zwei Aussagen der Bibel ernster genommen, wäre dies nicht so. "Du sollst nicht stehlen" und "Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist und gebt Gott, was Gottes ist. Georg Caprez

    • Tommy am 26.03.2012 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      Verfassung korrigieren!

      Anscheinend muss unsere Bundesverfassung dringend korrigiert werden! Es kann ja nicht sein, dass wir die Trennung von Kirche und Staat propagieren und uns in der Verfassung trotzdem auf Gott berufen! Und als Christ solltest du die Bibel ja nicht auf 2 Aussagen reduzieren. Dann müssten wir auch wieder anfangen Hexen zu verbrennen und einen Kreuzzug machen!

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  • Oski am 25.03.2012 04:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kreuze tragen um den Hals

    Was ich erstaunlich finde ist, dass fast jeder zweite heutzutage ein Kreuz um den Hals trägt. Es ist total in. Was wenn nicht Christus verbindet Ihr damit? Ich verstehe das nicht so ganz. Wenn alles Christen wären die Heute ein Kreuz tragen, dann wäre es gut um uns bestellt.