Finma-Chef

18. August 2010 17:16; Akt: 18.08.2010 17:24 Print

Erste Namen für Haltiner-Nachfolge

Nach dem Rückzug von Finma-Chef Eugen Haltiner machen sich Experten und Politiker GEdanken über dessen Nachfolge.

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Eugen Haltiner sei die Nähe zu den Grossbanken immer wieder vorgeworfen worden, sagte der Solothurner Nationalrat Pirmin Bischof, der für die CVP in der Wirtschaftskommission sitzt, gegenüber der SDA. Vom FINMA-Präsidenten erwarte man aber profunde Kenntnisse vor allem der Grossbanken, wodurch Leute aus deren Dunstkreis bei der Nachfolge automatisch im Vordergrund stünden.

Der Schlüssel liegt für Bischof in der Persönlichkeit und nennt als Beispiel Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand. «Eine solche Persönlichkeit schafft Vertrauen gegenüber der Bevölkerung, aber auch gegenüber den Banken», sagte Bischof.

Der FDP-Nationalrat Philipp Müller weist auf das Problem der Entlöhnung hin. Einem solchen Wunschkandidaten, der die «Tricks dieser Herrschaften» kenne und trotzdem unabhängig sei, müsse man einen Vertrag mit langfristigen Perspektiven und einen sehr guten Lohn anbieten können. Auch er nennt SNB- Präsident Hildebrand als Beispiel.

Banken die Stirn bieten

Hansruedi Wandfluh, Präsident der nationalrätlichen Wirtschaftskommission, nennt Fachwissen und Unabhängigkeit ebenfalls als wichtigste Anforderungen an einen Haltiner-Nachfolger. «Es braucht jemanden, der sich gegenüber den Banken, wenn nötig aber auch gegenüber der Politik, durchsetzen kann», sagte der Berner SVP- Politiker.

Für SP-Nationalrat Roger Nordmann kommt die Unabhängigkeit noch vor der Fachkompetenz. Der FINMA-Präsident müsse die Branche zwar gut kennen, Bankenspezialist müsse er aber nicht unbedingt sein, sagte der Waadtländer. Über Haltiners Rücktritt zeigte sich Nordmann äusserst zufrieden, hatte er doch im Parlament genau dies mit politischen Mitteln zu erreichen versucht.

Anders als Haltiner

Der Nachfolger werde das Präsidentenamt anders gestalten müssen als Eugen Haltiner, sagte Hans Geiger auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Laut dem emeritierten Professor am Institut für schweizerisches Bankenwesen soll der oder die Neue weniger im Vordergrund stehen als der Direktor - «man sollte kaum wissen, wer der Präsident ist, und in der Krise soll er die Probleme aus der zweiten Linie heraus angehen können».

Für Geiger kommt der Nachfolger idealerweise von einer Privatbank. «Das sind keine angestellten Manager, sondern sie tragen Verantwortung», sagte Geiger.

Er könnte sich vom Format her Konrad Hummler oder Ivan Pictet vorstellen. Hummler ist Teilhaber der Bank Wegelin und Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, Pictet war bis Juni Seniorpartner der Genfer Privatbank Pictet.

Ein guter Ruf im Ausland

Bei entsprechender Eignung kann ein Kandidat laut Geiger auch aus der Verwaltung kommen. Als Beispiel nennt er Peter Siegenthaler, den ehemaligen Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, der Mitte Jahr pensioniert wurde und nun den Kantonalbankenverband präsidiert.

Über Namen spricht der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse nicht. Zwei wichtige Anforderungen soll Haltiners Nachfolger aber mitbringen, wie Geschäftsleitungsmitglied Thomas Pletscher zur SDA sagte: Er soll durch seine internationale Vernetzung einen international guten Ruf der Finma gewährleisten.

(aeg/sda)