Abo-Modell

02. September 2019 13:10; Akt: 02.09.2019 13:33 Print

Jetzt kann man Prämien per Kreditkarte bezahlen

von S. Spaeth - Eine Tochterfirma der Helvetia lanciert das «Netflix der Versicherung». Alles ist online, keine Kündigungsfrist, bezahlen mit Kreditkarte. Der Konsumentenschutz ist skeptisch.

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Die Helvetia-Tochter Smile geht in die Offensive und verspricht «Versicherung ohne Blabla». Dazu gehört auch das flexible Monatsabo. Die Versicherung kann monatlich jeweils per Ende Monat gekündigt werden. Bei traditionellen Anbietern laufen Policen meist über lange Zeitperioden: fünf oder zehn Jahre beim Hausrat, fünf Jahre beim Auto. Bei Smile beträgt die Vertragslaufzeit ein Jahr. Bei Smile können Kunden die Prämien per Kreditkarte zahlen. Derzeit läuft eine grosse Werbekampagne. Der Versicherer hat bereits 130'000 Kunden. Smile verspricht: «Die Versicherung soll so einfach werden wie Netflix.» «Der Vergleich mit den Abos der Streamingdienste hinkt gewaltig», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Ist eine Versicherungsdeckung lückenhaft, könne das zu grossen finanziellen Schäden führen. Gut weg kommt die Smile-Offensive bei Babette Sigg vom Konsumentenforum (KF): «Es war stets unbegreiflich, dass sich Versicherungen mit diesen elend langen Kündigungsfristen so lange halten konnten.» Ob Hausrat- oder Autoversicherung: «Die Kunden sollen bei uns bleiben, weil sie echt zufrieden sind und nicht, weil sie mit Langzeitverträgen gebunden sind», sagt Smile-CEO Pierangelo Campopiano. «Klassische Anbieter können wegen der Smile-Offensive unter Druck geraten. Da der Markt gesättigt ist, sind Verschiebungen unvermeidlich», sagt Comparis-Versicherungsexpertin Andrea Auer. Bei Smile arbeiten 65 Personen. Keine davon ist ein klassischer Berater, der die Kunden besucht und hohe Provisionen für lange Versicherungsverträge erhält. Smile ist eine Tochterfirma der Helvetia. Im Bild: Helvetia-CEO Philipp Gmür.

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Dieser Anbieter will anders sein. «Versicherung ohne Blabla», schreibt die Helvetia-Tochter Smile im Rahmen ihrer neuen Kampagne. App statt Papierkram, keine Unterschriften, Beratung per Whatsapp – und Duzis mit den Kunden. «Stehst du auf Fesselspiele?», fragt die Versicherung im Werbespot provokativ. Worauf das Insure-Tech-Unternehmen hinaus will: Smile schafft die Kündigungsfrist ab und setzt neu auf flexible Monatsabos. Das heisst: Wer kündigt, kommt ohne Aufpreis auf Monatsbasis raus.

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Bei traditionellen Anbietern laufen Policen meist über lange Zeitperioden: fünf oder zehn Jahre beim Hausrat, fünf Jahre beim Auto. Anders bei der Helvetia-Tochter mit 130'000 Kunden: «Wir wollen das Netflix der Versicherung sein», sagt Smile-CEO Pierangelo Campopiano im Gespräch mit 20 Minuten. «Die Kunden sollen bei uns bleiben, weil sie echt zufrieden sind und nicht, weil sie mit Langzeitverträgen gebunden sind.» Zur Offensive, die Smile mit einer millionenteuren Kampagne auf Plakatwänden, online und im TV begleitet, gehört auch das monatliche Bezahlen der Prämien per Kreditkarte. Zudem müssen Dokumente nicht unterschrieben werden, denn als Zustimmung gilt das Begleichen der Rechnung.

Konsumentenschutz sieht Gefahren

Konsumentenschützerin Sara Stalder ist skeptisch: «Der Vergleich mit den Abos der Streamingdienste hinkt gewaltig», sagt die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Ist eine Versicherungsdeckung lückenhaft, könne das zu grossen finanziellen Schäden führen. In den schnell abgeschlossenen Verträgen sieht Stalder mehr Gefahren als Chancen. «Wenn solche Abschlüsse rasch getätigt, aber auch aufgelöst werden können, gilt das für beide Seiten.» Die Versicherung könne im Schadenfall rasch jemanden ausschliessen. Kürzere Vertragslaufzeiten begrüsst Stalder aber. «Es braucht eine gesetzliche Regelung, damit lang bindende Verträge nicht mehr zulässig sind.»

Gut weg kommt die Smile-Offensive bei Babette Sigg vom Konsumentenforum (KF): «Es war stets unbegreiflich, dass sich Versicherungen mit diesen elend langen Kündigungsfristen so lange halten konnten», sagt sie zu 20 Minuten. Die KF-Präsidentin geht davon aus, dass Smile andere Anbieter unter Druck bringen wird. Damit rechnet auch Comparis-Versicherungsexpertin Andrea Auer: «Da der Markt gesättigt ist, sind Verschiebungen unvermeidlich.» Dieser Grad an Flexibilität im Zusammenhang mit der Prämienzahlung per Kreditkarte sei für die Schweiz neu.

Rückendeckung vom Mutterhaus

Bei Smile arbeiten 65 Personen. Keine davon ist ein klassischer Berater, der die Kunden besucht und hohe Provisionen für lange Versicherungsverträge erhält. «Für uns war es strukturbedingt einfacher, auf ein flexibles Modell ohne lange Laufzeiten zu setzen», sagt Smile-CEO Campopiano. Gibt das Vorpreschen bei Laufzeiten und Kündigungsfristen keinen Stress mit dem Mutterhaus Helvetia? «Wir haben den Vorteil, dass wir als eigenständiger Brand auftreten können, um digitalaffine Zielgruppen zu erschliessen.» Konzernintern spüre Smile viel Rückenwind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ryan B. am 02.09.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Endlich eine Versicherung die es geschnallt hat. Bravo! Wir lassen uns nicht mehr binden!

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  • Sunny am 02.09.2019 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig mit Provisionen für Berater

    Die verwöhnten Berater werden bald kalte Füsse bekommen. Die Knelbelverträge haben ihnen hohne Provisionen beschert.

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  • Oliver am 02.09.2019 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Befürchtungen

    Der Kommentar von Konsumentenschützerin Sara Stalder hinkt gewaltig: Wer das Versicherungsgesetz kennt weiss, dass in jedem Schadenfall einen Versicherungsvertrag von beiden Seiten gekündet werden kann - egal für wie lange eine Versicherung abgeschlossen wurde (VVG Art. 42). Somit ist Ihre Befürchtung zwar berechtig, hat aber nichts mit dem neuen "Netflix"-Modell zu tun sondern ist bei allen Versicherungen bereits gang und gäbe. Konsumentenschützer sind ja eigentlich eine gute Sache und ich bin auch froh, wenn jemand auf "unserer" Seite steht. Doch bitte zuerst Kritik überprüfen ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bob der Sparfuchs am 03.09.2019 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Toll! Aber nix neues!

    Das ist doch nicht neu ? Meine Splitsurance Haushaltsversicherung funktioniert schon seit einem Jahr nach dem Modell.

    • claude am 03.09.2019 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bob der Sparfuchs

      stimmt. da bin ich auch. sind mega!

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  • Pino am 03.09.2019 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Well done!

    Innovativ und zeitgemäss!

  • Bedenklich am 03.09.2019 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden aus der Wäsche schauen

    Macht euch das nicht angst? Die Berufe werden durch Computer ersetzt. Lieber Staat ich hoffe ihr habt genug Geld. Die Arbeitslosen kommen! Jeder Beruf wird ersetzt. 1 Computer wird nie das Herz haben wie ein Mensch. Mir ist das Menschliche was Wert!

    • mariodoretto am 03.09.2019 17:19 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Sorge

      Irgend jemand muss die Computer bedienen, das kann aufwändiger sein und mehr als eine Arbeitskraft in Anspruch nehmen. Es werden teilweise schon Stellen abgebaut, gleichzeitig aber neue geschaffen.

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  • Cavi33 am 03.09.2019 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausrede Falschberatung fällt weg

    War auch mal bei Smileys und zufrieden, hatte nie einen Schadenfall. Somit ist das kein Argument und nur der Endpreis zählt, da waren sie wirklich günstig. Wenn unsere Superpolitiker aber das VVG ändern wollen dann rate ich zu einer solchen Versicherung. Bei Abschluss eines Vertrages sollte man aber schon einige Grundkenntnisse von Versicherungen haben, das ist bei den meisten nicht der Fall.

  • Dako am 03.09.2019 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Kreditkarte?

    Ich soll einen Kredit aufnehmen und dafür Gebühren Zahlen damit ich die Versicherungsbeiträge zahlen kann... Solange ich zahlen muss um zahlen zu können werde ich solche Firmen meiden.

    • mariodoretto am 03.09.2019 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      Pflicht?

      Man kann, muss aber nicht monatlich und mit der Kreditkarte bezahlen. Die Wahl liegt wie ich verstehe immer noch beim Kunden.

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