Kinderspital Zürich

09. Februar 2016 12:08; Akt: 12.02.2016 10:35 Print

Erster Betrieb lockt mit 15-Sekunden-Bewerbung

von S. Spaeth - Im Kampf um Angestellte drehen erste Arbeitgeber den Spiess um: Kandidaten werden nach einer Drei-Klick-Bewerbung von der Personalabteilung kontaktiert.

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In keiner Branche ist das Personal derzeit so gesucht wie im Gesundheitswesen. Aktuell sind in Gesundheits- und Pflegeberufen rund 5100 Jobs offen, wie die neusten Zahlen von Pflege-Berufe.ch zeigen. Darum geht das Kinderspital Zürich (Kispi) neue Wege: Um sich für einen Job zu bewerben, braucht es nur noch drei Klicks. Damit dauert die Bewerbung noch 15 Sekunden.

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Das Kispi schafft im laufenden Jahr in der Pflege 30 neue Arbeitsplätze. Darüber hinaus werden aufgrund der natürlichen Fluktuation rund 80 weitere Stellen zu besetzen sein – kein einfaches Unterfangen. «Wir wollen die einfachste Bewerbung in der ganzen Gesundheitsbranche anbieten», sagt HR-Leiter Matthias Bisang zu 20 Minuten. In einem Online-Tool müssen Bewerber lediglich Name und Kontaktdaten sowie den Bereich, in dem sie arbeiten möchten, ausfüllen. Innerhalb von zwei Arbeitstagen werden Interessierte dann vom Personaldienst kontaktiert.

Probetag als wichtiger Faktor

«Bei uns sollen sich auch Kandidaten melden, die grundsätzlich wechselwillig sind, vom Aufwand einer umfassenden Bewerbungsmappe mit Motivationsschreiben aber abgeschreckt werden», sagt Bisang. Zudem erhofft sich Bisang bessere Karten im Wettbewerb ums richtige Personal, steht das Kispi doch in Konkurrenz zum Universitätsspital Zürich, zur Klinik Hirslanden und zum Triemli.

Die Kispi-Personalabteilung vereinbart nach einem Telefongespräch möglichst rasch einen Probetag. Im persönlichen Kontakt sehe man Eignung, gegenseitige Sympathie sowie Motivation der Pflegepersonen am besten, sagt Bisang. Zeugnisse und Diplome überprüft das Kinderspital erst in einem nächsten Schritt. Will heissen: Für die Bewerber fällt der Aufwand erst dann an, wenn sie dem neuen Job einen beträchtlichen Schritt näher sind.

«Mit der 15-Sekunden-Bewerbung des Kinderspitals Zürich wird der Spiess im Bewerbungsverfahren sozusagen umgedreht», sagt HR-Experte Jörg Buckmann zu 20 Minuten und spricht von einem für die Schweiz neuen Ansatz. Der langjährige VBZ-Personalchef und Fachbuchautor ist heute selbstständiger Recruiting Spezialist und berät neben zahlreichen Grosskunden auch das Kinderspital. Die Schnellbewerbung ist laut Buckmann die konsequente Folge für Arbeitgeber, die zu wenig geeignetes Personal finden. «In der Regel fehlt den HR-Verantwortlichen der Mut zu diesem Schritt», so Buckmann.

Viele offene Jobs in der IT

Das Kinderspital Zürich beschäftigt total rund 2300 Angestellte, 600 davon sind Pflegefachpersonen. Dass diese Art der Personalsuche auf andere Bereiche ausgedehnt wird, ist eher undenkbar, denn der Arbeitsmarkt ist lediglich bei den Pflegefachleuten derart ausgetrocknet.

Rund 3400 offene Stellen gibt es schweizweit laut Jobriese.ch auch im Bereich Informatik und Telekom. «Wir stellen fest, dass die Hürden für die Bewerber selektiv heruntergesetzt werden», sagt der auf IT-Jobs spezialisierte Personalberater Roland Köcher von der Goldwyn Partners Group AG. Die Bewerbung mit drei einfachen Klicks sei aber auch für die IT-Branche ziemlich neu. Die Firmen würden eher versuchen, die Spezialisten aktiv zu umgarnen und sie mit dem zukünftigen Team zusammenzuführen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dipl. am 09.02.2016 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dipl. Pflegefachperson

    Steigert zuerst mal die Löhne, Nacht und Sonntagzulagen. Und spart bei der Direktion ein. Danke

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  • R.Saubermann am 09.02.2016 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    3 Klicks reichen nicht aus...

    Ich kenne viele Personen auf dem Gesundheitswesen die nicht mehr in dieser Branche arbeiten möchten. Da vieles nicht stimmt und nicht funktioniert und der Profit zu lasten des Patieten geht. VIelleicht auch mal an diesem Problem arbeiten und dann findet man vielleicht auch wieder Personal.

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  • The Spectator am 09.02.2016 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Dann gebt mir eine IT Stelle....

    Es gibt viele Jobs in der IT Branche, und dennoch kriege ich seit 3 Jahren keinen Job. 28 Jahre alt, ECDL Diplom Informatiker Kenntnisse ect...erhalte immer nur absagen. Und dann sowas lesen zu müssen, da lüpft es mir den Hut! Ich will arbeiten kriege aber keine Stelle, trotz LAP, Diplomen und einigen Jahren erfahrung! Traurig

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Florance am 12.02.2016 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Scha(n)de!

    Der Pflegeberuf (HF) hat markant an Attraktivität verloren. Ich habe das Pflegehandwerk von der Pieke auf gelernt. Heute "studiert" man/frau diesen Beruf und verbringt dann 70% am PC unter anderem um erbrachte Leistungen zu Lepen... welche Leistungen?? Nicht in allen Bereichen zwar, aber in der Psychiatrie ganz sicher.

  • Rusty am 10.02.2016 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Auch arbeitslos...

    Detailhandelsfachmann, mit 4 Jahren Ausbildung. 2 Jahre lang in meiner Branche keinen job gefunden. Weil der Verkauf am personal spart und die Schweizer ja lieber ins ausland einkaufen gehen!

  • Lohnorientierung am 10.02.2016 00:26 Report Diesen Beitrag melden

    nach 20 Jahren Lohn 7'500 Fr.

    Lohnorientierung: nach 20 Jahren sollte eine Krankenschwester/ Psychiatrieschwester/ Kinderkrankenschwester mind. 7'500 Fr. erhalten. Eine Fage nach 10 Jahren mind. 5'000, (eher mehr) erhalten. Hilfsschwester/pfleger kriegen ja fast dasselbe wie Fage!? In jedem Betrieb gibt es eine Lohnskala, Im Kanton Zürich sogar eine offizielle Lohnskala, unbedingt danach fragen. Wenn man im Büro mehr Lohn kriegt, gehen eben viele ins Büro, weil man/frau energiemässig nicht mehr kann.

  • Nic am 09.02.2016 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Man spricht immer über Pflege -wie schlecht sie bezahlt wird. Ein Spital funktioniert jedoch nur, wenn jeder Mitarbeiter geschätzt wird und gleiche Bedingungen für alle gibt. Es gibt noch mehr Personen, die in schichtsystem und am Wochenende schaffen - und dies ohne Zulagen und deutlich niedrigerem Gehalt.

  • bma am 09.02.2016 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und andere gesundheitsberufe?

    hier geht es v.a. um pflegeberufe, aber es sieht auch in den bereichen der labors schlecht aus. auch hier, schlechter lohn, dienste und null dankbarkeit. nicht mal streiken darf man, weil 'zu wichtig', aber hauptsache kleiner lohn. interessieren tut's niemanden, da labormitarbeiter nicht im vordergrund resp. direkt mit patienten arbeiten.

    • Lily am 10.02.2016 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bma

      Bin auch gelernte BMA. Habe aufgrund mehreren Faktoren ins Büro gewechselt, will aber wieder zurück. Lohn ist nicht alles, man sollte die Tätigkeit die man ausübt auch gerne machen.

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