Tunesische Zentralbank

17. Januar 2011 10:57; Akt: 17.01.2011 17:39 Print

Es wurde kein Gold geklaut

Die tunesische Ex-Präsidentengattin Leila Trabelsi soll Gold im Wert von 57 Millionen ins Ausland geschafft haben. Das berichtet die Zeitung «Le Monde». Doch die tunesische Zentralbank dementiert.

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Leila Trabelsi (rechts) in einer Aufnahme aus dem Jahr 2007 mit ihrer Tochter. (Bild: AFP)

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Die Ehefrau des gestürzten tunesischen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali hat laut Medienberichten kurz vor der Flucht ins Exil noch 1,5 Tonnen Gold von einer Bank abgeholt. Leila Trabelsi habe dafür persönlich die Zentralbank in Tunis aufgesucht.

Dies berichtete die französische Zeitung «Le Monde» im Internet unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Mit Goldbarren im Wert von rund 45 Millionen Euro (rund 57 Millionen Franken) habe sie das Land vermutlich mit einem Flugzeug in Richtung Dubai verlassen. Mittlerweile soll sie sich zusammen mit ihrem Mann im saudi-arabischen Dschiddah am Roten Meer aufhalten.

Die tunesische Zentralbank wies die Angaben, die sich auf französische Geheimdienstinformationen aus tunesischen Quellen stützten, umgehend zurück. Die Goldreserven seien in den vergangenen Tagen nicht angetastet worden, sagte ein Vertreter der Zentralbank. Auch die Devisenreserven seien unberührt.

Suche nach Geldern in der Schweiz

Gelder der Familien Ben Ali und Trabelsi werden auch bei Banken in Europa vermutet. Politiker und Oppositionelle fordern, dass die Behörden auch in der Schweiz mutmassliche Konten aufspüren.

Das Eidg. Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) erklärte am Sonntag, die Situation in Tunesien werde sehr aufmerksam verfolgt. Die Schweiz behalte sich vor, «geeignete Massnahmen» zu ergreifen. Dazu zähle auch, Konten zu blockieren.

Es liege vorderhand kein Rechtshilfeersuchen aus Tunesien vor, weder für die Familie Ben Ali noch für den Ex-Präsidenten selbst, sagte Folco Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz am Montag auf Anfrage. Hierfür müsste die Justiz in Tunis erst ein Strafverfahren gegen den früheren Machthaber und seine Entourage einleiten.

Korrupte Elite

Leila Trabelsi und ihr Clan waren bereits vor ihrer Flucht aus Tunesien als geld- und machtgierig verschrien. Die Trabelsi-Familie gilt als korrupt und in kriminelle Machenschaften verstrickt.

Nach dem Sturz des Präsidenten am Freitag hatten aufgebrachte Tunesier systematisch ihre Villen in den feinen Vororten von Tunis geplündert. Der als Symbol für Korruption geltende Geschäftsmann Imed Trabelsi wurde von Unbekannten erstochen. Er war ein Neffe von Ben Alis Frau Leila.

Ben Ali war am Freitag nach 23 Jahren an der Macht gestürzt worden und hat sich nach Saudi-Arabien abgesetzt. Auslöser seines unfreiwilligen Abgangs waren Massenproteste gegen Korruption und hohe Arbeitslosigkeit. Sie hatten sich in der vergangenen Woche zu einem Volksaufstand ausgeweitet. Übergangspräsident Foued Mebazaa soll nun Neuwahlen vorbereiten.

(sda)