Beschattungsaffäre

06. Februar 2020 13:27; Akt: 06.02.2020 13:27 Print

Ethos fordert Abgang des CS-Präsidenten

Das Vertrauen sei dahin, findet Ethos-Chef Vincent Kaufmann. An die Spitze gehöre jemand, der von aussen komme.

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Er soll gehen: Nach dem Beschattungsskandal bei der CS sei das Vertrauen in Verwaltungsratspräsident Urs Rohner weg. Das findet Vincent Kaufmann, Direktor von Ethos. Die Credit Suisse hat mindestens zwei ihrer Top-Manager überwachen lassen. Im Februar 2019 wurde Peter Goerke – zum damaligen Zeitpunkt Mitglied der Konzernleitung – im Auftrag der Credit Suisse von einer Drittfirma beschattet. (Symbolbild) Als Konsequenz hat die CS den ehemaligen COO Pierre-Olivier Bouée fristlos entlassen. Bouée war bereits nach der Beschattungsaffäre gegen Iqbal Khan von seinem Amt zurück- und aus dem Verwaltungsrat ausgetreten. (Im Bild Iqbal Khan) CEO Tidjane Thiam war über die Beschattung Goerkes nicht informiert. Die verantwortlichen Personen verneinten bei der Befragung durch den Verwaltungsrat und die Homburger AG im Zuge der Khan-Affäre die Überwachung von weiteren CS-Mitarbeitern. Sie waren bei der Organisation und Durchführung der Beschattung Goerkes darauf bedacht, keine nachweisbaren Spuren in den Systemen der Bank zu hinterlassen. (Symbolbild) «Ob Thiam den Hut nehmen müsste, darüber kann man diskutieren», so Reputationsexperte Bernhard Bauhofer. Die Mindestkonsequenz sei aber lediglich, dass die CS Massnahmen ergreift, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Bauhofer ist überzeugt, dass die CS aus diesen Vorfällen die nötigen Konsequenzen zieht, um die Reputation des Unternehmens künftig besser zu schützen. Der Hintergrund ist eine Beschattungsaffäre. Die CS liess Topbanker Iqbal Khan überwachen, weil sie glaubte, er nehme Kunden zur UBS mit. Doch auch privat eskalierte zwischen Thiam und Khan ein Streit – offenbar auch wegen Baulärms. Die beiden sind Nachbarn. Dazu kam es an einer Cocktailparty von Thiam. Nachdem Khans Beschattung bekannt wurde, büsste das Finanzinstitut fast 2 Milliarden Franken an Börsenwert ein. Mittlerweile hat sich der Kurs erholt – am Montag startete die Bank aber im Minus.

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Im Machtkampf an der Spitze der Credit Suisse fordert der Schweizer Stimmrechtsberater Ethos den Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Es sei nicht wünschenswert, dass der Präsident wie geplant ein weiteres Jahr bleibe, sagte Ethos-Chef Vincent Kaufmann zur Nachrichtenagentur Reuters. «Können wir uns ein weiteres Jahr der Spannungen zwischen dem Präsidenten, dem CEO, den Medien und dem Vertrauen von Mitarbeitern und Kunden leisten? All dies lässt uns glauben, dass wir einen schnelleren Wandel brauchen.» Ethos war Rohner gegenüber seit 2017 kritisch eingestellt.

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Ein neuer, von aussen kommender Verwaltungsratspräsident sei dann in einer besseren Position, das Management herauszufordern. Sollte Vorstandschef Tidjane Thiam entgegen bisheriger Beteuerungen nachgewiesen werden können, dass er von der Überwachung zweier Spitzenmanager wusste, müsse auch er gehen, sagte Kaufmann. Der Beschattungsskandal müsse sich zudem in den Boni niederschlagen.

Unterstützung für Thiam

Ein Wechsel an der Konzernspitze wäre eine weitere Eskalation der Beschattungsaffäre, die Credit Suisse seit Herbst in Atem hält. Rohner und weitere Verwaltungsräte der Schweizer Grossbank sind Insidern zufolge angesichts immer neuer Enthüllungen und der laufenden Untersuchung der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) zur Einsicht gelangt, dass ein Befreiungsschlag notwendig werden könnte. Das Gremium berät dieser Tage unter anderem zu dem Thema.

Inzwischen haben sich drei Grossaktionäre zu Wort gemeldet und für Thiam Stellung bezogen. «Es ist jetzt offensichtlich, dass der Verwaltungsratspräsident Tidjane raus haben will», erklärte Harris-Associates-Anlagechef David Herro. Thiam habe die Bank gut aufgestellt. «Wenn einer der beiden gehen muss, dann sollte es nicht der CEO sein.» Harris hält eigenen Angaben zufolge rund acht Prozent an Credit Suisse.

Der US-Hedgefonds Eminence Capital, der nach eigenen Angaben fast ein Prozent der Aktien sowie Kaufoptionen auf weitere Anteile hält, schrieb diese Woche an Rohner und erklärte, er sei zunehmend enttäuscht über die Massnahmen des Verwaltungsrates. «Wenn der Verwaltungsrat beschliesst, eine persönliche Agenda gegenüber dem CEO zu verfolgen, anstatt als umsichtige Treuhänder zu agieren, werden wir Präsident Rohner und den Rest des Verwaltungsrates für ein Verhalten zur Verantwortung ziehen, das unserer Meinung nach wertschädigend für die Aktionäre ist», hiess es in einem Reuters vorliegenden Schreiben von Eminence. Medienberichten zufolge stärkte auch die Anlagegesellschaft Silchester Thiam den Rücken.

Der Staatsfonds Qatar Holding mit einer Beteiligung von mehr als fünf Prozent sowie die saudische Olayan-Gruppe mit rund fünf Prozent haben sich bisher nicht öffentlich zur Spionagefrage geäussert. Credit Suisse wollte sich nicht äussern.

(reuters/vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alles wird gut am 06.02.2020 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beide unfähig

    Wer glaubt, dass der CEO nichts von diese Affären gewusst haben will, der glaubt sicher auch an Osterhasi & Co. Es gehören beide abgewählt und zwar ohne goldenen Fallschirm, da schlichtweg unfähig.

  • Fertig Lustig am 06.02.2020 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte auswechseln

    Also ich find es sollten beide gehen, Herr Rohner und Herr Thiam. Es brauch zwei neue Besen Made in Seitzerland. Der Eine setzt sich schlecht durch, der Andere weiss nicht was in der Bank los ist. Da hab ich als Kunde null Vertrauen.

  • Willi Müller am 06.02.2020 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Never ending story

    Wenn ich nur schon das Wort Top-Banker lese kommt mir die Galle hoch. Schmeisst doch diese Typen raus und Ruhe ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Moni.I am 06.02.2020 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bank

    Nicht Herr Rohner muss gehen sondern Mister Thiam.

  • hgidl am 06.02.2020 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WischiWaschi

    Na ja, da kann ich Ethos aber auch nicht ganz für voll nehmen. Rohner soll gehen und TT bleiben? Beide Personen haben in der Affäre ihre Rolle gespielt und eine sehr schlechte Falle gemacht. Konsequenterweise müssten beide gehen! Das ist wieder so eine WischiWaschi Forderung.

  • Zurri am 06.02.2020 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urs Rohner absetzen

    Absetzen, und so ein Zeichen setzen!

  • mn am 06.02.2020 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    banker

    Ich finde das beschämend als Banker möchte ich nicht mit so Leuten gleichgestellt werden.

  • Alles wird gut am 06.02.2020 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beide unfähig

    Wer glaubt, dass der CEO nichts von diese Affären gewusst haben will, der glaubt sicher auch an Osterhasi & Co. Es gehören beide abgewählt und zwar ohne goldenen Fallschirm, da schlichtweg unfähig.