Automarkt

11. September 2018 13:43; Akt: 11.09.2018 13:47 Print

Diesel-Verkäufe in ganz Europa brechen ein

Die Verkäufe von Dieselautos sind in Europa stark zurückgegangen. Die Autobauer müssen sich daher auf CO2-Strafzahlungen einstellen.

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Das Misstrauen der Konsumenten gegenüber Autos mit Dieselmotor zeigt sich in Zahlen: Im ersten Halbjahr 2018 ist der Diesel-Anteil an Neuwagen in Europa um über 8 Prozent gesunken. Der Gesamtanteil bei den neu verkauften Autos beträgt noch 36 Prozent. Auch die Schweiz trägt zu dieser Entwicklung bei, wie eine Studie der Universität Duisburg zeigt. Hierzulande ist der Dieselanteil bei Neuwagen um 11 Prozentpunkte gefallen – von rund 38 auf 27 Prozent.

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Auslöser sind laut der Studie der Dieselskandal und drohende Fahrverbote für Dieselautos mit den Abgasnormen Euro-1 bis Euro-5. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge, die vor September 2015 in Verkehr gesetzt wurden. Erst letzte Woche hat ein deutsches Gericht entschieden, dass ältere Dieselautos und noch ältere Benziner ab Anfang 2019 nicht mehr in Frankfurt fahren dürfen. Damit soll die Stickstoffoxid-Belastung reduziert werden.

Milliarden-Strafzahlungen drohen

Laut Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer gibt es im Dieselauto-Markt ein strukturelles Problem: «Es gibt kaum Gründe dafür, dass sich die Marktanteile wieder erholen.» Durch das Wegfallen der Verkäufe von Dieselfahrzeugen könnten die Autobauer nicht genug CO2 einsparen. Was nach einem Paradox klingt, erklärt Andreas Burgener, Direktor vom Branchenverband Auto Schweiz, so: «Neue Diesel-Autos sind auf Langstrecken immer noch deutlich CO2-freundlicher als Benziner.» Da sich die Autokäufer als Alternative zu Dieselfahrzeugen eher für Benziner als für ein Elektroauto entscheiden, steigt für die Autobauer das Risiko für Milliarden-Strafzahlungen wegen der Verletzung von CO2-Zielen.

Der Diesel-Absatzeinbruch ist nicht das einzige Problem der Autoindustrie. Nach Ankündigung der deutschen Kanzlerin Angela Merkel soll bis Ende September entschieden werden, ob wegen der CO2-Ziele eine Nachrüstung von älteren Dieselmotoren nötig ist. Um diese Frage zu klären, wurde eine Expertenrunde eingesetzt, die sich nach Recherchen der «Welt» noch immer uneinig ist.

Wer zahlt die Nachrüstungen?

Besonders beim Punkt, wer eine allfällige Nachrüstung der Motoren bezahlen soll, herrsche in der Expertenrunde kein Konsens: Soll die Industrie dafür aufkommen? Die Autohalter? Oder die Steuerzahler? Abhängig vom Modell und vom Aufwand beim Einbau belaufen sich die Kosten laut der Zeitung für die Umrüstung pro Auto zwischen 1000 und 11'000 Euro.

Auto-Schweiz-Direktor Burgener glaubt nicht, dass Dieselautos durch diese Entwicklungen in den nächsten 20 Jahren vom Markt verschwinden werden. Was er sich wünscht, ist mehr Sachlichkeit in der Diesel-Diskussion: «Man muss sich bewusst werden, dass die deutschen Fahrverbote ältere und nicht neuere Dieselautos betreffen.»

In der Schweiz sind schätzungsweise eine Million ältere Dieselautos unterwegs, die die aktuelle Euro-6-Abgasnorm nicht erfüllen. Sie müssten bei Reisen nach Deutschland umgerüstet werden.


(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max König am 11.09.2018 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Wetten, dass das der unschuldige Autobesitzer zahlen muss?

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  • Andy am 11.09.2018 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diesel

    Eigentlich sind alle die sich für ein Dieselmotor entschieden haben ( gut für die Umwelt ) von den Herstellern betrogen worden. Darum müssten die Millionen an die Geschädigten zurückbezahlt werden !

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  • Fredy am 11.09.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hersteller hören auf

    Gewisse Hersteller hören ja auf mit der Dieselproduktion. Da kann man auch keinen Diesel mehr kaufen. Volvo, Nissan und Toyota machen Schluss damit und die haben hohe Verkaufszahlen also merkt man das auch sofort.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Naturmensch am 13.09.2018 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich gewöhn mich schon mal dran.

    Ich bezahl jetzt schon mal freiwillig die 9 Fr. Steuern pro 100 km, damit der Umstieg auf Elektro nicht so krass trifft. Ich denke so in 5 Jahren wenns keine Diesel und Benzinsteuer mehr gibt muss diese Steuer auf die stromerautos rauf. Irgendwie müssen ja die Strassen und der Unterhalt bezahlt werden.

  • Unternehmer am 13.09.2018 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diesel ist Schnee von gestern

    Moderne Autos haben schon lange keine Dieselmotoren mehr. Nur wer noch auf die deutschen Produkte steht, sieht sich mit der alten Technik konfrontiert. Der Grund liegt doch nur im Stand der Technik. Soviel zum Slogan Vorsprung durch Technik. Leider der falsche Spruch...

  • Sunpower am 12.09.2018 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Move Green

    Die Elektromobilität wird in China als eine Jahrhundertchance verstanden. Wir verschlafen es auch hier wieder einmal. Ach Europa, wie traurig.

    • Inkgonito Spastiko am 12.09.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Sie mit ihrem Elektroschrott. Wer entsorgt am schluss deb ganzen batterie abfall? Sie?

    • Sunpower am 12.09.2018 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Recycling

      Die Batterien kann man später wenigstens noch dem Recycling zuführen, beim verbrannten Benzin und Diesel ist das unmöglich und zusätzlich haben wir das Stickoxid noch an der Backe.

    • Naturmensch am 13.09.2018 00:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Nein in China haben 890 Mio Leute noch kein Auto und noch weniger strassen. Mir ist lieber die dürfen gar nie fahren. Ich habe 5 Autos, ich brauch die nächsten 10 Jahren sicher kein neues Auto

    einklappen einklappen
  • Sunpower am 12.09.2018 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ritter des Pedals

    Die Zeichen sind klar da. Schliesslich gehören Dampflokomotive auch der Vergangenheit an.

  • Markus am 12.09.2018 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektro gehört die Zukunft

    Werde nur noch Elektroauto fahren. Nach 22 Monaten und 95000 km. Begeistert wie am 1. Tag. Über 90% Wirkungsgrad hat sonst kein Antrieb. Elektro gehört die Zukunft. Zudem haben bei mir als Deutscher Die Deutschen Autobauer das Vertrauen endgültig verspielt. Nur Lug und Trug.