2,2 Mio. Fr. Jahressalär

03. Januar 2020 12:19; Akt: 03.01.2020 13:00 Print

Ex-CEO von Sunrise erhält noch 6 Monate Lohn

von Dominic Benz - Olaf Swantee ist nicht mehr an der Spitze von Sunrise. Tritt er nun mit einem goldenen Fallschirm ab? Und wie geht es mit dem Telecomkonzern nun weiter?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Knall bei Sunrise: Olaf Swantee tritt per sofort von seinem Posten als CEO des Telecomkonzerns zurück. Der Abgang kommt nach der geplatzten Übernahme der Konkurrentin UPC im Herbst. Geht Swatee freiwillig oder machte der Verwaltungsrat nach dem Übernahme-Debakel Druck? Die wichtigsten Antworten.

Umfrage
Sind Sie Kunde von Sunrise?

Warum tritt Swantee zurück?

Den Grund für den Rücktritt nennt Sunrise nicht. In der Mitteilung vom Freitagmorgen schreibt das Unternehmen lediglich, dass Swantee sich entschieden habe, zu gehen. Dennoch ist klar: Der Abgang hat mit der gescheiterten UPC-Übernahme zu tun: Sunrise wollte im letzten Jahr die Konkurrentin für 6,3 Milliarden Franken schlucken. Doch Freenet als grösster Sunrise-Aktionär passte der Plan ganz und gar nicht: Der Kaufpreis sei zu hoch und der Deal nachteilig für die Sunrise-Aktionäre. Der Widerstand war letztlich so gross, dass Sunrise die Übernahme im Oktober endgültig absagte. Ein Köpferollen beim Management von Sunrise war daher absehbar.

Geht Swantee freiwillig?

Noch im Oktober sagte Swantee zu 20 Minuten, dass ein Rücktritt kein Thema sei und der Verwaltungsrat hinter dem Management stehe. Dennoch ist jetzt alles anders. Zwar respektiere Swantee den Entscheid der Aktionäre, gegen die UPC-Übernahme gestimmt zu haben, sagt Sunrise-Sprecherin Therese Wenger zu 20 Minuten. «Er ist aber der Meinung, dass ein anderer CEO einen neuen langfristigen Plan für das Unternehmen entwickeln sollte.»

Comparis-Telecomexperte Jean-Claude Frick glaubt nicht, dass Swantee auf Druck des Verwaltungsrats oder der Aktionäre gehen musste. «Das ist sicher ein Entscheid, den Swantee selber gefällt hat», ist Frick überzeugt.

Erhält Swantee eine Abgangsentschädigung?

Einen goldenen Fallschirm erhält Swantee offenbar nicht. «Bei Sunrise gibt es keine Abgangsentschädigungen», so Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage. Trotz des sofortigen Rücktritts als CEO bleibt Swantee aber bis Mitte 2020 auf der Gehaltsliste des Konzerns. «Swantee verfügt über eine sechsmonatige Kündigungsfrist», so Wenger. Er werde seinen Nachfolger in den kommenden Monaten beratend unterstützen. Laut Geschäftsbericht verdiente Swantee 2018 rund 2,2 Millionen Franken.

Was bedeutet der Rücktritt für Sunrise?

Laut Experte Frick ist der Abgang von Swantee ein herber Verlust für Sunrise. «Swantee ist einer der fähigsten Telecom-Manager Europas. Er ist innovativ, offen für Neues und ein Zugpferd.» Der Verwaltungsrat habe ihn bestimmt behalten wollen. Für die UPC-Übernahme habe sich Swantee vollständig eingesetzt. Laut Frick habe dieser die Zukunft von Sunrise zusammen mit UPC gesehen. Dass Swantee nach dem geplatzten Deal nun selber abtrete, sei daher eine logische Folge. «Das spricht für Swantee», so Frick.

Was macht Swantee jetzt?

Wohin der abgetretene CEO geht, ist noch nicht klar. Dafür ist es zu früh. Dem «Tages-Anzeiger» sagt Swantee in einem aktuellen Interview: «Nein, ich habe keinen neuen Job.» Er müsse sich noch überlegen, ob er eine Verwaltungsratskarriere anstreben wolle. «Aber ich bin sicherlich interessiert, operativ zu arbeiten», so der Ex-CEO.

Jean-Claude Frick geht davon aus, dass Swantee in der Telecombranche bleibt. Allerdings werde er ziemlich sicher die Schweiz verlassen. «Swantee war Chef der Nummer zwei im Schweizer Markt, da wird er jetzt nicht zu einem kleineren Unternehmen wechseln», sagt Frick. Auch die Swisscom dürfte für Swantee nicht infrage kommen. «Der Konzern ist für ihn wohl etwas zu schwerfällig.»

Wie geht es mit Sunrise weiter?

Auch nach dem Übernahme-Debakel um UPC und dem jetzigen Wechsel im Management ist Sunrise laut Frick kein Trümmerhaufen. Das Unternehmen sei gut aufgestellt. Dennoch müsse sich Sunrise nun eine neue Strategie überlegen. «Die neue Führung muss jetzt schauen, dass sich Sunrise auch ohne den UPC-Deal weiterentwickeln kann», so der Experte. Sunrise habe gehofft, mit der Übernahme Synergien und neue Produkte zu gewinnen. Das falle aber nun weg. Der Schweizer Telecommarkt bleibe weiterhin zementiert. «Für Sunrise-Kunden ist es wichtig, dass sie jetzt erfahren, wie es weitergeht», sagt Frick. Er erwartet daher, dass der neue Chef schnell eine neue Strategie vorstellt.

Wer ist Swantees Nachfolger?

Der bisherige Finanzchef André Krause übernimmt ab sofort das Ruder von Sunrise. Er kam 2011 zu Sunrise. Er begleitete den Telecomanbieter 2015 an die Börse. Zuvor hatte Krause fünf Jahre für Telefónica O2 in Deutschland gearbeitet. Swantee wird Krause noch bis zur Generalversammlung im April unterstützen. Dem «Tages-Anzeiger» sagt Olaf Swantee, es sei die Aufgabe eines CEO, einen Nachfolger aufzubauen. «Ich bin froh, dass wir André Krause überzeugen konnten, den Posten zu übernehmen. Er war in der ganzen Transformation der Firma sehr kritisch und ist seit sieben Jahren dabei. Das gibt Kontinuität.»

Wie reagieren die Anleger auf den Rücktritt?

An der Börse reagieren die Anleger gelassen auf den Rücktritt. Am Freitagvormittag notieren die Aktien von Sunrise mit rund 0,4 Prozent im Plus.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Kleiderbügel am 03.01.2020 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    wenn ich alle 6 Monate eine Million "Lohn" bekomme ist das auch ok!

  • Herr Bünzlitum am 03.01.2020 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    hoffentlich findet er bald einen neuen Job im Gastgewerbe!

    einklappen einklappen
  • Wenger am 03.01.2020 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    6Monate Lohn für Nichtstun

    Das ist eine Frechheit gegenüber den anderen Arbeitnehmern.Der Mann sollte sich schämen das Geld anzunehmen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Scheuert am 06.01.2020 10:49 Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Barbara am 06.01.2020 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Gerechtigkeit und Fairness

    Wir AHV Rentnerehepaar haben 2x50 Jahre voll gearbeitet, erhalten jedoch nur 150% Rente (Heiratsstrafe) während einer ohne Arbeit in 6 Monaten mehr Geld bekommt als wir je verdienen konnten.

    • Xeno72 am 07.01.2020 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      komisches Gschichtli@Barbara

      Mit 100 Jahre Arbeit müssten Sie aber eine gute PK haben.

    einklappen einklappen
  • ravrav am 06.01.2020 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    RAV

    Kann der Herr dann eigentlich auch stempeln gehen und kriegt 80% seines ehemaligen Lohnes?

    • Xeno72 am 07.01.2020 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ravrav

      Ja, aber erst nach den 6 Monaten; zudem ist die ALV gedeckelt. Er erhielte um Faktoren weniger als an seiner nächsten Stelle.

    einklappen einklappen
  • Diamondcobra am 06.01.2020 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Küse am 06.01.2020 02:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    hoffe er bezahlt die Strafe (50 Millionen), welche Sunrise an UPC bezahlen muss aus seinem Sack. Ah nein, der Bünzli zahlt lieber ein bisschen mehr Monatsgebühr!