Geldpolitik

02. Februar 2011 18:35; Akt: 02.02.2011 18:39 Print

Ex-Präsident verteidigt SNB-Strategie

Jean-Pierre Roth, der frühere Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), hat die Devisenmarkt- Interventionen unter seinem Nachfolger Philipp Hildebrand verteidigt.

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In einem am Mittwoch online verfügbaren Interview des Magazins «Bilan» sagte Roth, seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 habe sich der Franken gegenüber der Einheitswährung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Inflationsraten real lediglich um sechs Prozent aufgewertet.

Das sei wenig im Vergleich zu dem, was nach dem Erdbeben der Eurokrise hätte befürchtet werden können. «Ich schliesse daraus, dass die Lage sehr gut unter Kontrolle ist und dass meine Kollegen angesichts der Schwierigkeiten ihre Arbeit sehr gut gemacht haben», erklärte Roth in dem Interview mit der französischsprachigen Wirtschaftszeitschrift.

Die Schwierigkeit für die Schweizer Wirtschaft sei weniger die Aufwertung des Franken an sich als die Geschwindigkeit, mit der der Prozess im letzten Jahr abgelaufen sei, führte Roth weiter aus. «Aber wäre die Situation nicht noch schlimmer gewesen, wenn die SNB nicht interveniert hätte,» fragte er weiter.

Zukunft in den Schwellenländern

Die Zukunft für die Schweizer Wirtschaft sieht Roth in den aufstrebenden Märkten und nicht in Europa, wohin 60 Prozent der Exporte fliessen. Angesichts der Schuldenkrise seien die Nachbarländer auf absehbare Zeit wenig dynamische Handelspartner.

Beim aktuellen «Wirtschaftswunder» in Deutschland dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, dass das Land angesichts der Alterung auf enorme Probleme bei der Rentenfinanzierung zusteuere.

Zudem zeige das Abrücken der EU vom automatischen Informationsaustausch in Steuerfragen, dass die Gemeinschaft grosse Finanzprobleme erwarte. Das sei aber kein Grund zur Freude, die EU werde keinen Anlass auslassen, der Schweiz auf anderen Gebieten Druck aufzusetzen.

Die SNB war in letzter Zeit heftig unter Beschuss geraten, weil sie durch ihre Devisenmarkt-Interventionen 2010 einen Verlust von 21 Mrd. Fr. einfuhr. Zwar handelt es sich um einen Buchverlust, Kritiker warfen der Notenbank aber eine Verschleuderung von Volksvermögen vor. Stimmen wie jene von alt Bundesrat Christoph Blocher verlangten den Rücktritt von SNB-Präsident Hildebrand.

(sda)