Bern

09. Februar 2011 23:47; Akt: 09.02.2011 23:54 Print

Exotische Produkte boomen in der Schweiz

von Valeska Beck - Die Subventionen sinken und der Preiskampf im Massenmarkt tobt: Die Vielfalt der exotischen Nischenprodukte von Schweizer Bauern nimmt deshalb laufend zu.

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Der Bauer Pius Marti züchtet Bananen im Tropenhaus Wolhusen.

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Auf den Schweizer Wiesen tummeln sich längst nicht mehr nur Kühe. Exotische Tiere wie Lamas, Strausse oder Wollschweine sorgen in Schweizer Ställen schon länger für Abwechslung. Doch damit sind die Möglichkeiten für Bauern noch lange nicht ausgeschöpft: Sogar Weinbergschnecken werden in der Schweiz seit einiger Zeit professionell gezüchtet. Sie landen nach der Schlachtung in der Dose und werden an Gourmet-Restaurants geliefert.

Auch im Pflanzenanbau gibt es fast keine Grenzen: So bauen Schweizer Bauern bereits Bananen, Papayas und Kiwis an oder versuchen sich in der Kultivierung von Ginseng-Wurzeln. Das alles tun sie aber nicht aus reiner Experimentierfreudigkeit. «Der Staat hat seine marktstützenden Investitionen in die Landwirtschaft zurückgefahren», erklärt Urs Schneider vom Schweizerischen Bauernverband. Ausserdem seien die Produzentenpreise seit der Öffnung der EU-Grenzen für Milch und Schweinefleisch massiv unter Druck geraten. «Deshalb sind die Bauern gezwungen, neue Wege zu gehen, um ihr Einkommen zu sichern.»

Die Marktchancen schätzt Andreas Aeschbacher vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst in Bern (siehe Interview) als gut ein. «Es gibt immer wieder neue Trends beim Essen», sagt er. Deshalb könne aus einem Nischenprodukt schnell ein Renner bei den Konsumenten werden. Etwas kritischer sieht das Simon Hasler vom Bundesamt für Landwirtschaft. «Exotische Produkte rentieren für die Bauern nur, wenn sich genügend Abnehmer in der Schweiz finden.» Bisher haben sich laut Bauernverband mehrere Hundert der total 60 000 Bauernhöfe der Exoten-Landwirtschaft verschrieben. «Aber es werden immer mehr», so Schneider.

«Sogar Insektenzucht wäre vorstellbar»
Bei exotischen Produkten sind der Fantasie der Schweizer Bauern fast keine Grenzen gesetzt, sagt Andreas Aeschbacher vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst.
Lamas und Strausse sind schon gang und gäbe auf Schweizer Bauernhöfen – welche Tiere kommen noch?

Andreas Aeschbacher: Beispielsweise Kängurus könnten in der Schweiz vom Klima her gehalten werden. Auch mit Flusskrebsen haben Bauern schon erfolgreiche Versuche gemacht. Sogar Insektenzucht wäre vorstellbar.

Wer will denn Insekten essen?
In Asien ist das schon normal. Auch in der Schweiz könnten sich neue Essgewohnheiten durchsetzen, wovon Bauern mit exotischem Angebot profitieren würden. Früher hätte sich auch niemand vorstellen können, Straussenfleisch zu essen. Heute machen das viele.

Und wo liegen die Innovationen im Pflanzenanbau?
Sie sind zwar nicht exotisch, aber Baumnüsse sind extrem im Kommen. Daraus können hochwertige Öle gewonnen werden.