Heisses Eisen für Anleger

02. Oktober 2011 23:24; Akt: 02.10.2011 23:54 Print

Experten warnen vor der grossen Gold-Blase

Vergangene Woche stürzte der Goldpreis um fast 300 Franken ab. Für Anleger kein Grund, sich vom Edelmetall fernzuhalten – im Gegenteil. Doch Warnungen vor einer Spekulationsblase werden immer lauter.

storybild

Der Goldpreis ist von politischen Entscheidungen abhängig: Das macht das Edelmetall für Anleger gefährlich. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Verrückte Welt: Immer mehr verunsicherte Privatanleger lassen die Finger vom krisengeschüttelten Aktienmarkt. Vom hochriskanten Goldkauf und massiven Werteinbrüchen des Edelmetalls lassen sie sich aber nicht abschrecken. Im Gegenteil: Da wird der Absturz des Goldpreises um fast 300 Dollar vergangene Woche als Chance genutzt, sich erneut massenhaft einzudecken - zu Spitzenpreisen um die 1600 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm). Vermeintliche Sicherheit um fast jeden Preis ist in diesen Zeiten wackelnder Währungen und Staaten gefragt wie nie zuvor.

Goldhändler wie Pro Aurum in München melden Lieferengpässe wie nach der Lehman-Bank-Pleite 2008. Goldbarren-Produzenten wie Heraeus müssen Extraschichten einlegen, und bei der Reisebank ging zeitweise der Krügerrand aus. Nach Ansicht von Rohstoffexperten wie Carsten Fritsch von der Commerzbank wird der Goldpreis schon bald wieder davon ziehen. «Der Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt, Gold wird wieder teurer», prophezeit der Volkswirt. Alle Fundamentaldaten sprächen dafür. Die Euro-Schuldenkrise könne so schnell nicht gelöst werden.

Die Wertentwicklung von Gold kann sich trotz Rückschlags wirklich sehen lassen. Der Goldpreis hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht. Im Frühjahr 2008 notierte Gold erstmals über der 1000-Dollar-Marke, vor gut drei Wochen erstmals über 1900 Dollar. Doch die Warnungen vor einer Spekulationsblase und ihrem jähen Ende werden immer lauter.

«Jetzt einsteigen, rächt sich»

Dem Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, ist die aktuelle Euphorie fast unheimlich. «Das ist die vielleicht grösste Blase der Welt», mahnt der Aktionärsschützer zur Vorsicht. Ein Gold-Investment könne derzeit risikoreicher sein als der Kauf solider Aktien. Der Goldpreis sei unberechenbar. «Wer einsteigt, macht sich von den aktuellen politischen Entscheidungen abhängig», gibt Tüngler zu bedenken.

«Gold ist ein ganz heisses Eisen für Privatanleger», warnt auch Börsenhändler Niklas Breckling von der Düsseldorfer Wertpapierhandelsbank Schnigge. Der Markt werde längst von Spekulanten dominiert. Wer als Privatanleger jetzt zu Rekordpreisen in das Edelmetall investiert, kann sich nach Einschätzung Brecklings so stark die Finger verbrennen, wie Aktionäre das vor elf Jahren am Neuen Markt erlebt haben. Sollten die Krisenängste zurückgehen, seien Kursverluste unvermeidbar. «Jetzt einzusteigen, rächt sich», ist Breckling überzeugt.

«Die Sicherheit mit Gold im Safe oder im Depot ist vor allem gefühlt», sagt auch Finanzexpertin Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ein Vorteil des Edelmetalls ist, dass es tatsächlich seinen Wert nie vollständig verlieren wird - bei Aktien und anderen Geldanlagen kann das durchaus anders aussehen. Gold bringt allerdings keine Zins- oder Dividendenerträge und auch keine Mieteinnahmen. Zusätzlicher Haken: Der Goldpreis wird in Dollar angegeben. Fällt die US-Währung gegenüber dem Euro, können Anleger im Euroraum trotz steigender Goldpreise Verlust machen.

Höchststände halten nicht lange

Eine Rendite wird einzig aus der erhofften Wertsteigerung erzielt. Und die sei in den vergangenen 30 Jahren mit durchschnittlich drei bis vier Prozent jährlich eher mager ausgefallen, erläutert Roland Aulitzky, Edelmetallexperte von «Finanztest». Im Vergleich: Der deutsche Rentenmarkt brachte in der gleichen Zeit im Schnitt 6,8 Prozent Gewinn.

Eine neue Langfristanalyse der Berliner Verbraucherschützer spiegelt die aktuelle Lage wider: Der Goldpreis steigt in der Krise. Doch Höchststände sind jeweils nur von kurzer Dauer. So wie beim letzten grossen Gold-Hype 1980, als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte. Wer seinerzeit in das Edelmetall investierte, musste über 25 Jahre warten, bis es seinen Einstandspreis wieder erreichte, so die Studie. Erst die Finanzkrise befeuerte den Preis 2008 wieder auf neue Höhen.

«Die Leute sollten jetzt lieber ihr Altgold zu Geld machen, statt zu überteuerten Preisen einzusteigen», empfiehlt Verbraucherschützerin Oelmann.

(ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Forex Trader am 03.10.2011 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gold steigt wieder

    Die Gold-Blase ist soeben geplatzt! 20 % Wertverlust in nur 2 Wochen!

    einklappen einklappen
  • Patrick am 03.10.2011 04:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gold ist das einzige Sichere zur Zeit

    Gold ist das einzige Sichere zur Zeit, wenn man es physisch hat. Gold hat sein Wert seit über 5000 Jahren behalten. Nur wenig Papierwährungen haben in dieser Zeit überlebt, dabei wurden sie stetig entwertet. Der Kursfall ist zwar "dramatisch", nicht jedoch, wenn man den Kursantieg des letzten Jahres anschaut. Wer damals Gold kaufte, der hat immer noch einen fetten Gewinn. Der Euro - Kollaps steht bevor, der Dollar - Kollaps steht bevor. Was glaubt ihr, dass noch Wert haben wird?

    einklappen einklappen
  • Andreas Steiner am 03.10.2011 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    1kg Gold ist auch in 10 Jahren noch 1kg!

    1 kg Gold ist immer 1 kg Gold wert. Punkt. Wenn aber irgendein Papier, auf dem 100 $ steht, an Wert verliert dann muss man eben mehr Papiergeld in die Hand nehmen. Insofern ist es absurd, zu sagen, Gold hätte eine Blase, die Blase ist der Wertzerfall des Papiergeldes.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Steiner am 03.10.2011 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    1kg Gold ist auch in 10 Jahren noch 1kg!

    1 kg Gold ist immer 1 kg Gold wert. Punkt. Wenn aber irgendein Papier, auf dem 100 $ steht, an Wert verliert dann muss man eben mehr Papiergeld in die Hand nehmen. Insofern ist es absurd, zu sagen, Gold hätte eine Blase, die Blase ist der Wertzerfall des Papiergeldes.

    • Ginger am 03.10.2011 16:22 Report Diesen Beitrag melden

      not backed by anything.

      Passend zu diesem Artikel: @Youtube => Gold is not backed by anything. Gold ist durch nichts gedeckt! Im gegensatz zum Dollar! Deshalb: aufpassen liebe Leute. Jetzt wisst ihr's: Gold ist durch nichts gedeckt! ;)

    • DIdi am 04.10.2011 08:37 Report Diesen Beitrag melden

      Metall als Werterhalt

      Nur die Unbedarften glauben noch ans Papiergeld! in Deutschland noch ca. 80 Mio. !Das Papier ist eine Blase mit mäßigem Heizwert !!!

    einklappen einklappen
  • paul am 03.10.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gold ist schlecht es droht eine Blase.

    Ja, das ist gut so, das Gold wird auf Null fallen. Bitte verkauft alle, ich warte darauf.

  • Alex am 03.10.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Chart

    Man sollte sich auch mal diesen Chart ansehen Gold war 1980 schon einmal über 1800 Usd/unze....

  • Reto am 03.10.2011 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gold-Spekulations-Blase

    Eine Gold-Blase gibt es nicht, aber eine Gold-Spekulations-Blase. Dies liegt aber daran, dass sämtliche börsengehandelte "Werte" falsch sind. Wenn 1 % der realen "Werte" gehandelt werden, beeinflussen diese auch die Buchwerte der 99% anderen Werte, obwohl diese keinerlei reale Änderung haben. Auch werden viele Gold-Papiere gehandelt, die kein reales Gold beinhalten, sondern nur virtuelle Goldanteile beeinhalten. Ein Weiteres bringen die die EZB und andere "Gelddruckereien" welche Kapital auf den Markt bringen, dass irgendwo angelegt werden muss, wo der Verfall gering ist.

  • Alex am 03.10.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht alles Gold was....

    Ich glaube auch das Gold nicht die sicherste Anlage ist. (zumindest nicht in der heutigen Zeit) 1. der Goldpreis ist an den Dollar gekoppelt (ganz schlecht) 2. Gold bringt keine Zinsen 3.Gold ist nicht knapp... es wird noch genügend gefördert 4. was will man mit Gold anfangen wenn die Währungen den Bach runter gehen...sich mit der Eisensäge ein Stück vom Goldbarren abschneiden und damit zum Bäcker gehen und Brot kaufen??? 5. all die Schuldenstaaten haben noch jede Menge Goldreserven...wenn es dann ans Eingemachte geht wird jede Menge Gold am Weltmarkt sein ...

    • Lexa am 03.10.2011 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Sicher?

      1. Was ist daran schlecht das der Goldpreis an den Dollar gekoppelt ist? Schlecht ist das für jeden der KEIN Gold besitzt. 2. Gold bringt zwar keine Zinsen, jedoch stieg der Goldpreis um einige Prozent mehr als dir jede Bank an Zinsen verspricht! Gold soll nicht knapp sein? na dann wart's ab bis sich die Grossen in Sicherheit begeben. Silber ist knapp! 4. Mit Gold fängt man weit mehr an als mit Währungen wenn die Währungen bachab gehn. und nur so nebenbei.. die Goldreserven sind bei weitem nicht so gross wie du sie dir vorstellst.

    einklappen einklappen